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28.10.2026 14:11

Zwei Schmerzforscherinnen aus Würzburg ausgezeichnet

Kirstin Linkamp Stabsstelle Kommunikation
Universitätsklinikum Würzburg

    Sowohl der Förderpreis als auch der Nachwuchsförderpreis der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. gingen in diesem Jahr an Schmerzforscherinnen des UKW.
    Celine Panzer erhielt den mit 6.000 Euro dotierten Nachwuchsförderpreis Schmerz für ihre Analyse der neutrophilen Granulozyten beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom mittels CITE-seq.
    Dr. Ankita Rawat wurde für ihre in "Pain" veröffentlichten proteomische Analyse isolierter Nervenendigungen aus NaV1.9-Knockout-Mäusen mit dem mit 7.000 Euro dotierten Förderpreis in der Kategorie Grundlagenforschung ausgezeichnet.
    Die Preise wurden auf dem Deutschen Schmerzkongress verliehen, der vom 21. bis zum 24. Oktober 2026 in Mannheim stattfand.

    Würzburg. Chronische Schmerzen betreffen Millionen von Menschen und beeinträchtigen ihren Alltag erheblich: Sie schränken die Beweglichkeit und den Schlaf ein, mindern die Arbeitsfähigkeit und beeinträchtigen die allgemeine Lebensqualität. Nach wie vor ist eine wirksame Behandlung von Schmerzen schwierig. „Um bessere Ansätze zur Schmerzbehandlung zu entwickeln, müssen wir verstehen, wie Schmerzsignale an ihrem Ursprungsort im Körper entstehen und reguliert werden“, sagt Dr. Ankita Rawat. Die Naturwissenschaftlerin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinischen Forschungsgruppe ResolvePAIN (KFO 5001) am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und konzentriert sich in ihrer Forschung auf die peripheren Nervenendigungen. Diese winzigen Strukturen können schmerzhafte Reize erkennen und leiten sie weiter an das Gehirn.
    Eine neue Methode, um Schmerzsignale direkt am Ursprungsort zu untersuchen
    Rawat hat eine Methode entwickelt, mit der sich die Nervenendigungen aus der Haut von Mäusen und Menschen isolieren lassen. Bislang wurde diese Isolierung nur in der Hirnforschung eingesetzt. Rawat hat nun eine Möglichkeit geschaffen, die Proteine direkt an den peripheren Endigungen der sensorischen Nervenzellen zu untersuchen, an denen die Schmerzsignale entstehen.

    Zunächst verglich sie die Nervenendigungen normaler Mäuse mit denen von Mäusen, denen der Natriumkanal NaV1,9 fehlt. Dieser Kanal beeinflusst, wie empfindlich schmerzleitende Nervenfasern auf Reize wie Wärme, Druck oder Gewebeschädigungen reagieren. Tatsächlich entdeckte sie Unterschiede bei Proteinen, die mit wichtigen zellulären Signalwegen, insbesondere den ERK1/2- und MAPK-Signalwegen, verbunden sind. Darüber hinaus identifizierte sie Proteine, die an der Proteinproduktion und Energiegewinnung beteiligt sind. Dies deutet darauf hin, dass Nervenendigungen über wichtige lokale Mechanismen verfügen, um ihre Funktion aufrechtzuerhalten und anzupassen.

    Von der Maus zum Menschen

    Ein weiteres wichtiges Ergebnis ihrer Arbeit war die erfolgreiche Anwendung dieser Technik auf menschliche Hautbiopsien. „Dieser Ansatz könnte Forschende künftig dabei unterstützen, Unterschiede in den Schmerzmechanismen zwischen einzelnen Menschen oder Patientengruppen zu untersuchen und potenzielle Angriffspunkte für neue Therapien zu identifizieren“, sagt Ankita Rawat. Die in der Fachzeitschrift Pain veröffentlichten Ergebnisse schaffen somit eine wichtige Grundlage für die zukünftige translationale Forschung, die darauf abzielt, chronische Schmerzen besser zu verstehen und ihre Behandlung zu verbessern.

    Die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. zeichnete diese herausragende Arbeit mit dem Förderpreis in der Kategorie „Grundlagenforschung” aus. Das von der Grünenthal GmbH gesponserte Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro gibt Rawat Rückenwind für ihre weitere Forschung. So untersucht sie unter anderem, wie bestimmte Krebsmedikamente beim multiplen Myelom Nervenschäden verursachen können.

    Welche Rolle spielen Immunzellen bei chronischen Schmerzen

    Das Preisgeld von Celine Panzer hat hingegen ein konkretes Ziel: die Analyse der neutrophilen Granulozyten beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) mittels CITE-seq. Die Assistenzärztin der Würzburger Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie erforscht als Clinician Scientist im Rahmen von ResolvePAIN die Rolle des Immunsystems bei CRPS. Dabei handelt es sich um eine schwere Schmerzerkrankung, die beispielsweise nach Verletzungen oder Operationen auftreten kann. Die Schmerzen können über das ursprüngliche Verletzungsgebiet hinausgehen und mit Veränderungen der Beweglichkeit, der Hauttemperatur oder der Empfindlichkeit einhergehen. Warum die Schmerzen bei manchen Betroffenen anhalten, während sie bei anderen zurückgehen, ist bislang nur unzureichend verstanden. Möglicherweise sind neutrophile Granulozyten an der Entstehung und Aufrechterhaltung dieser chronischen Schmerzen beteiligt. Obwohl die Bedeutung dieser Immunzellen für Entzündungsprozesse bekannt ist, ist ihre Rolle bei der Entstehung und Chronifizierung von CRPS aber noch weitgehend unbekannt.

    Erste Untersuchungen von Celine Panzer zeigen, dass diese Zellen bei Patientinnen und Patienten mit CRPS eine veränderte Expression eines Aktivierungsmarkers der neutrophilen Granulozyten aufweisen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen untersucht die von der Deutschen Schmerzgesellschaft ausgezeichnete Nachwuchsforscherin nun, welche biologischen Programme dahinterstecken und ob sich unterschiedliche Zustände neutrophiler Granulozyten bei CRPS identifizieren lassen, die möglicherweise mit dem Krankheitsverlauf zusammenhängen. Dazu kombiniert sie die moderne Durchflusszytometrie mit der CITE-seq-Methode, die es ermöglicht, die Aktivität von Genen und gleichzeitig bestimmte Oberflächenproteine einzelner Zellen zu untersuchen. So lassen sich Unterschiede erkennen, die mit herkömmlichen Methoden möglicherweise verborgen bleiben.

    Nicht nur das Entstehen, sondern auch das Abklingen von Schmerzen verstehen

    „Besonders spannend ist die Frage, ob bestimmte Immunzellzustände nicht nur mit anhaltenden Schmerzen, sondern auch mit einer erfolgreichen Schmerzrückbildung zusammenhängen. Damit richtet sich der Blick insbesondere auf die biologischen Mechanismen, die die Schmerzauflösung ermöglichen könnten. Daraus könnten sich neue Ansatzpunkte für eine frühzeitigere und gezieltere Behandlung ergeben“, sagt Celine Panzer. Ihr Projekt wird mit Unterstützung der Merz Therapeutics GmbH mit 6.000 Euro gefördert.

    „Diese Auszeichnungen sind eine wunderbare Anerkennung für die wissenschaftliche Exzellenz, die Neugier und das Engagement der beiden Forscherinnen. Wir sind sehr stolz, Ankita und Celine im ResolvePAIN-Team zu haben, und freuen uns darauf, die weitere Entwicklung ihrer Forschung mitzuverfolgen“, sagt Prof. Dr. Heike Rittner, wissenschaftliche Leiterin der KFO 5001 ResolvePAIN.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Heike Rittner
    rittner_h@ukw.de


    Originalpublikation:

    Publikation: Rawat A, Vu DT, Erbacher C, Stigloher C, Üçeyler N, Metousis A, Mann M, Briese M, Sendtner M. Proteomic analysis of isolated nerve terminals from Na V 1.9 knockout mice reveals pathways relevant for pain perception. Pain. 2025 Dec 1;166(12):e770-e787. doi: 10.1097/j.pain.0000000000003743. Epub 2025 Jul 29. PMID: 40719881; PMCID: PMC12617664.


    Weitere Informationen:

    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40719881/ Studie
    https://www.schmerzgesellschaft.de/
    https://www.ukw.de/forschung-lehre/klinische-forschungsgruppe-kfo-5001/startseit...


    Bilder

    Nachwuchsförderpreis Schmerz, v.l.n.r.: Dr. Andreas Kopf (Jury), Julian Reichert (3. Preis), Anna-Luisa Pötzsch (2. Preis), Celine Panzer (1. Preis), Dr. Regine Klinger (Juryvorsitzende), Benjamin Waeschle (Merz Therapeutics)
    Nachwuchsförderpreis Schmerz, v.l.n.r.: Dr. Andreas Kopf (Jury), Julian Reichert (3. Preis), Anna-Lu ...
    Quelle: Ben van Skyhawk
    Copyright: Deutsche Schmerzstiftung e.V.

    Förderpreis für Schmerzforschung, v.l.n.r.: Prof. Nurcan Üceyler (UKW), Prof. Michael Schäfer (Juryvorsitzender), Dr. Ankita Rawat (Preisträgerin), Jan Jastoff (Grünenthal GmbH)
    Förderpreis für Schmerzforschung, v.l.n.r.: Prof. Nurcan Üceyler (UKW), Prof. Michael Schäfer (Juryv ...
    Quelle: Ben van Skyhawk
    Copyright: Deutsche Schmerzstiftung e.V.


    Anhang
    attachment icon Celine Panzer (links) erhielt den 1. Nachwuchsförderung Schmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V, Dr. Anikita Rawat wurde mit dem Förderpreis Schmerzforschung geehrt.

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

    Nachwuchsförderpreis Schmerz, v.l.n.r.: Dr. Andreas Kopf (Jury), Julian Reichert (3. Preis), Anna-Luisa Pötzsch (2. Preis), Celine Panzer (1. Preis), Dr. Regine Klinger (Juryvorsitzende), Benjamin Waeschle (Merz Therapeutics)


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    Förderpreis für Schmerzforschung, v.l.n.r.: Prof. Nurcan Üceyler (UKW), Prof. Michael Schäfer (Juryvorsitzender), Dr. Ankita Rawat (Preisträgerin), Jan Jastoff (Grünenthal GmbH)


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