Donald Trump könnte bei den US-Zwischenwahlen seine Mehrheit im Kongress verlieren. Prof. Dr. Nils-Christian Bormann von der Universität Witten/Herdecke erklärt, was das für seine verbleibende Amtszeit und die amerikanische Demokratie bedeutet.
• Bormann hält die US-Demokratie für widerstandsfähig.
• Trump droht innenpolitisch die Blockade.
• Weitere Niederlagen könnten den Trumpismus schwächen.
Am 3. November wählen die USA das Repräsentantenhaus und einen Teil des Senats neu. Umfragen deuten darauf hin, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren könnten. Auch im Senat ist ein Machtwechsel möglich. Für Donald Trump wäre das ein schwerer Rückschlag. Doch es geht um mehr als die Frage, wer die Wahl gewinnt: Wird der Präsident das Ergebnis akzeptieren?
„Das Zweifeln an Wahlergebnissen ist eine große Gefahr, denn es setzt den Grundkonsens gemeinsamer politischer Regeln außer Kraft“, sagt Prof. Dr. Nils-Christian Bormann. Der Inhaber der Professur für International Political Studies und Dekan der Fakultät für Wirtschaft und Gesellschaft an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) sieht die amerikanische Demokratie unter Druck. Die Einschätzung einiger Politikwissenschaftler:innen, dass die USA bereits keine funktionierende Demokratie mehr seien, hält er allerdings für zu pessimistisch.
Wie stabil ist die US-Demokratie?
Bormann rechnet damit, dass Donald Trump die Wahlergebnisse infrage stellen wird. Dass er die Einsetzung eines neu gewählten Kongresses verhindert, hält der Politikwissenschaftler jedoch für unwahrscheinlich. „Mein Eindruck ist, dass die Institutionen in den USA noch widerstandsfähiger sind, als von vielen Beobachter:innen gedacht.“
Langfristig sieht er dennoch Gefahren. Trumps Haltung beeinflusse auch republikanische Politiker:innen auf kommunaler, bundesstaatlicher und nationaler Ebene. Wenn diese Wahlergebnisse nicht mehr anerkennen, könnten sie die demokratischen Institutionen nachhaltig schwächen. Zugleich habe Donald Trumps Politik eine Gegenbewegung ausgelöst: Initiativen, die sich für eine Stärkung der Wahlverwaltung und Wahlorganisation einsetzen.
Innenpolitisch blockiert, außenpolitisch mächtig
Verlieren die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus, dürfte Donald Trump innenpolitisch erheblich an Handlungsspielraum einbüßen. „Innenpolitisch wird seine Amtszeit nach den Wahlen zu Ende sein“, prognostiziert Bormann. Die Demokraten könnten zentrale Vorhaben blockieren und die Regierung stärker kontrollieren.
Außenpolitisch bliebe Donald Trump dagegen weitgehend handlungsfähig. Zwar könnte der Senat seine Macht begrenzen, nehme diese Kontrollfunktion nach Bormanns Einschätzung aber seit Jahrzehnten nur unzureichend wahr. Gerade über die Militärmacht der USA dürfte Trump deshalb weiterhin erheblichen Einfluss ausüben.
Kommt nach Trump das Ende des Trumpismus?
Ob eine Niederlage bei den Midterms auch Donald Trumps Stellung innerhalb der Republikanischen Partei schwächt, hängt laut Bormann vom Ausmaß der Verluste ab. Sollten die Republikaner auch bei der Präsidentschaftswahl 2028 scheitern und weder im Repräsentantenhaus noch im Senat eine Mehrheit gewinnen, könnte es innerhalb der Partei zu einer Abkehr vom sogenannten Trumpismus kommen. Der Begriff beschreibt den von Trump geprägten politischen Kurs: eine nationalistische „America First“-Politik, eine harte Einwanderungspolitik und einen konfrontativen Umgang mit politischen Gegnern und demokratischen Institutionen.
Eine Abkehr vom Trumpismus würde allerdings noch nicht bedeuten, dass die Republikaner eine klare neue politische Richtung haben. Wie sich die Partei künftig ausrichtet, hängt nach Bormanns Einschätzung auch vom politischen Kurs der Demokraten ab.
Weitere Informationen:
Was bedeutet das Ergebnis der US-Zwischenwahlen für Donald Trump und die amerikanische Demokratie? Am 5. November 2026 von 18:00 bis 19:30 Uhr analysieren Prof. Dr. Nils Christian Bormann und der ehemalige ZDF-Auslandskorrespondent Klaus Prömpers in einer öffentlichen Online-Diskussion den Wahlausgang und seine politischen Folgen. Unter dem Titel „Die US-Zwischenwahlen 2026 – Neuanfang oder ein Weiter-So?“ ordnen die beiden Experten die Ergebnisse ein und beantworten Fragen der Teilnehmenden.
Interessierte können sich bis zum 01.11.2026 hier anmelden.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
Politik
überregional
Wissenschaftspolitik
Deutsch

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