Die Initiative „Perspectives from the Global South“ (ECHOES) am MPI-GEA präsentiert seinen zweiten Executive Report mit dem Titel "Biodiversity Through Time: Deep Histories and Living Knowledge Systems from the Global South" anlässlich der 17. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (COP17) in Eriwan, Armenien.
Biodiversität hat eine lange Geschichte. Um ihre Zukunft zu sichern, ist es jedoch unerlässlich, das lebendige Wissen indigener Völker und lokaler Gemeinschaften einzubeziehen.
Das Forschungsteam „Perspectives from the Global South on the Anthropocene“ (ECHOES) am Max-Planck-Institut für Geoanthropologie (MPI-GEA) präsentiert seinen zweiten Executive Report, Biodiversity Through Time: Deep Histories and Living Knowledge Systems from the Global South, anlässlich der 17. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (COP17) in Eriwan, Armenien.
Aufbauend auf dem ersten Executive Report des Teams, Regenerative Agriculture and Resilient Food Systems, der 2025 während der COP30 in Belém, Brasilien, vorgestellt wurde, hinterfragt dieser neue Bericht die Vorstellung, Biodiversität sei ein feststehender natürlicher Zustand. Stattdessen zeigt er, wie Ökosysteme durch langfristige Wechselwirkungen zwischen Klima, Landschaften, menschlichen Gesellschaften sowie Flora und Fauna geprägt wurden.
Der in Zusammenarbeit mit Forschenden, indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften aus Afrika, Asien und Südamerika erarbeitete Bericht verbindet interdisziplinäre Forschung mit lokal verankertem Wissen. Er untersucht, wie sich die biologische Vielfalt über Jahrtausende hinweg verändert hat und wie sich diese Erkenntnisse für heutige Strategien zum Schutz und zur Wiederherstellung von Ökosystemen nutzen lassen. Dabei stellt er Naturschutzansätze vor, die historisch fundiert, lokal verankert und inklusiv sind und die Rechte sowie das Wissen der Gemeinschaften berücksichtigen, deren Leben und Zukunft eng mit der biologischen Vielfalt verbunden sind. Zu den Schwerpunkten gehören:
• Die Rolle indigener Völker und lokaler Gemeinschaften beim Erhalt der Biodiversität: Beiträge von Quilombola-Gemeinschaften in Brasilien, Baiga-Gemeinschaften in Indien, Daasanach-Gemeinschaften in Kenia und vielen weiteren Gemeinschaften zeigen, wie traditionelles ökologisches Wissen, die kollektive Territorialverwaltung, die nachhaltige Ressourcennutzung und generationenübergreifende Praktiken zum Erhalt der Biodiversität beitragen.
• Biodiversität neu denken durch Konzepte, Weltbilder und Geschichte: Dieser Abschnitt untersucht, wie Biodiversität in verschiedenen Disziplinen und Wissenssystemen verstanden und konzeptualisiert wird. Er betrachtet sie als relationales und biokulturelles System, unter anderem im Hinblick auf Ernährung und die Dynamik von Nahrungsnetzen, und setzt sich mit unterschiedlichen Weltbildern und Vorstellungen der Beziehungen zwischen Mensch und Natur auseinander.
• Die langfristige Entwicklung der Biodiversität: Archäologische, paläoökologische und historische Befunde zeigen, wie vergangene Klimaveränderungen, menschliche Aktivitäten, das Aussterben von Arten, Kolonialismus und veränderte Landnutzungspraktiken die heutigen Ökosysteme geprägt haben.
• Naturschutz, Renaturierung und biokulturelle Zukunftsperspektiven: Von gemeinschaftlich getragenem und indigenem Naturschutz bis hin zur ökologischen Bewahrung des Kulturerbes zeigen Fallstudien, wie lokales Wissen und lokale Praktiken zu wirksameren, gerechteren und kulturell verankerten Naturschutz- und Renaturierungsstrategien beitragen können.
• Wissenschaftliche Methoden zur Rekonstruktion der Biodiversität im Zeitverlauf: Der Bericht stellt unter anderem die Analyse alter DNA, Protein-Fingerprinting, Dendrochronologie, archäologische und paläoökologische Rekonstruktionen sowie computergestützte historische Ökologie vor. Diese Methoden liefern sich ergänzende Erkenntnisse über vergangene Ökosysteme und können als Grundlage für heutige Naturschutzentscheidungen dienen.
Langfristige Entwicklungsgeschichte und lebendiges Wissen verbinden
Eine zentrale Botschaft des Berichts ist, dass sich Biodiversität nicht allein anhand von Artenverzeichnissen oder aktuellen ökologischen Beobachtungen verstehen lässt. Viele Landschaften, die häufig als natürlich oder unberührt gelten, wurden über Generationen hinweg durch menschliche Interaktion, Bewirtschaftung und Pflege geprägt.
Beiträge aus dem brasilianischen Cerrado zeigen beispielsweise, wie traditionelle Praktiken des Feuermanagements die Biodiversität mitgeprägt und zur ökologischen Vielfalt beigetragen haben. Forschungen zu den Baiga-Gemeinschaften in Zentralindien verdeutlichen unterdessen, wie traditionelle Beschränkungen für das Honigsammeln und Fischen die Fortpflanzung von Arten und die Regeneration der Wälder unterstützen.
Der Bericht stellt auch die Perspektiven indigener und traditioneller Gemeinschaften selbst in den Mittelpunkt. Yeny Botero Londoño, eine Frau der Desana und Barâ aus der indigenen Gemeinschaft Cucura in Kolumbien, erklärt in ihrem Beitrag: „Biodiversität zu schützen bedeutet, unser Territorium, unsere Kultur, unsere Ernährungssysteme und das Leben selbst zu verteidigen und zugleich ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der Gemeinschaft und dem Respekt vor unserem Gesetz des Ursprungs zu fördern und zu bewahren.“
Diese Beispiele unterstreichen, wie wichtig es ist, indigene Völker und lokale Gemeinschaften nicht nur als Begünstigte von Naturschutzinitiativen zu betrachten, sondern sie als Wissensträger, Träger eigener Rechte und aktive Partner bei der Gestaltung der Biodiversitätspolitik anzuerkennen.
Perspektiven des Globalen Südens in die internationale Biodiversitätspolitik einbringen
Der Bericht erscheint zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die internationale Biodiversitätspolitik. Die COP17, die vom 19. bis 30. Oktober 2026 stattfindet, markiert die erste globale Bestandsaufnahme der gemeinsamen Fortschritte bei der Umsetzung des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming–Montreal.
Mit seinen interdisziplinären und regional verankerten Beiträgen unterstreicht der ECHOES-Bericht die Bedeutung langfristiger ökologischer Erkenntnisse, lokal verankerter Praktiken und vielfältiger Wissenssysteme für das Biodiversitätsmonitoring, die Planung von Renaturierungsmaßnahmen und umweltpolitische Entscheidungen.
Der Bericht wurde für die Präsentation auf der COP17 und anschließend auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP31) in Antalya, Türkei, erstellt. Er soll den Dialog zwischen wissenschaftlicher Forschung, internationaler Umweltpolitik und den Gemeinschaften des Globalen Südens stärken, deren Wissen und Praktiken zum Erhalt der Biodiversität beitragen.
Mariya Antonosyan
Postdoctoral Researcher
antonosyan@gea.mpg.de
Executive Report: "Biodiversity through time: Deep histories and living knowledge systems from the Global South"
Link: https://gs-anthropocene.org/executive-report-biodiversity-through-time-deep-hist...
https://Link Initiative "Perspectives from the Global South": https://gs-anthropocene.org/
Poster Executive Report
Copyright: © Perspectives of the Global South on the Anthropocene
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Geschichte / Archäologie, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
Deutsch

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