Von Geschichten über Schildkröten und Traditionen der Bewohner*innen der Thar-Wüste über Waldnahrungsmittel indigener Gemeinschaften und das Wissen der Orang Seletar bis hin zu traditioneller Medizin im Zeitalter von KI eröffnen diese Projekte neue Wege, eine gemeinsame Zukunft durch den Erhalt der biologischen Vielfalt und der Kulturen zu gestalten.
Die Seed-Projekte bringen Wissensgemeinschaften mit Forschenden, Kunstschaffenden, Kurator:innen und Expert:innen aus Rechts-, Natur- und Geisteswissenschaften zusammen. Die in Indien, Pakistan, Papua-Neuguinea, Singapur, Deutschland und im Großraum des Indischen Ozeans angesiedelten Projekte nutzen Oral History, Storytelling, Film, Sound, Fotografie, Mapping und materielle Praktiken, um neue Formen des Wissens und multimediale Inhalte zu erzeugen, die den Gemeinschaften zugutekommen, eine breitere Öffentlichkeit erreichen und neue Gesprächsmöglichkeiten eröffnen können.
Projekte entwickeln neue Ansätze in der biokulturellen Forschung
Im Folgenden werden die Projekte vorgestellt. Eine detaillierte Übersicht aller Beteiligten und zu den Projekten findet sich auf der Website des CBCW: www.bioculturalworlding.org/projects/.
Calling Sharks, Rewriting Laws from the Landscape: Über Oral History, Film und Fotografie wird das traditionelle Hai-Rufen in Papua-Neuguinea mit rechtlichen Fragen konfrontiert, um Räume für einen wechselseitigen Austausch zwischen Gemeinschaftswissen und rechtlichen Aspekten zu schaffen.
Mapping Biocultural Assemblages: Gemeinschaften der Orang Seletar und Projektbeteiligte dokumentieren in Filmaufnahmen und Mapping-Verfahren Gebäude, Orte und ökologisches Wissen, um ein von der Gemeinschaft geprägtes Archiv zu schaffen.
„Bagi saya ini adalah satu projek komuniti masyarakat Seletar yang harus di kekalkan, supaya generasi akan tahu berapa pentingnya adat dan budaya masyarakat kami. Melalui hasil kerjasama dapat meningkatkan lagi hasil dalam perubahan dalam komuniti kami. Dengan harapan orang luar tahu budaya dan masyarakat kami. Berapa pentingnya adat resam sesuatu kaum.“
– Jefree Salim, Mitglied des Seed-Projects, Seletar Cultural and Arts Society
Im Deutschen heißt das in etwa: Für mich handelt es sich hier um ein Gemeinschaftsprojekt der Seletar, das erhalten werden sollte, damit auch künftige Generationen die Bedeutung der Bräuche und Kultur unserer Gemeinschaft nachvollziehen können. Gemeinsam können wir weitere positive Veränderungen in unserer Gemeinschaft bewirken. Außerdem hoffen wir, dass sich auch Menschen außerhalb unserer Gemeinschaft mit unserer Kultur vertraut machen und verstehen, wie wichtig die Bräuche und Traditionen der verschiedenen ethnischen Gruppen sind.
Thinking and Being Like a Honeybee: Wissensträger:innen der Kattunayakan und Projektbeteilige dokumentieren mündlich überliefertes Wissen und Praktiken des Honigsammelns in einem multimedialen Archiv und erkunden, wie Wissen über die Beziehungen zwischen Menschen und Honigbienen praktiziert und zwischen den Generationen weitergegeben wird.
Turtle Radio: Beteiligte erstellen gemeinsam eine Audio-Plattform, die historische Hintergründe, Erinnerungen und Geschichten über Schildkröten durch Oral Histories, Tonaufnahmen und Storytelling aus dem Gebiet des Indischen Ozeans miteinander verknüpft.
When AI Meets Ancient Knowledge: Anhand von Methoden aus computergestützter Forschung, Rechtswissenschaften und Geisteswissenschaften erkundet das Projekt, wie sich das Wissen aus der traditionellen Medizin bewahren lässt und wie Gemeinschaften angesichts neuer Methoden der Wirkstoffforschung gemeinsam davon profitieren können.
Worlding with Boreendo, through Boreendo: Thari-Gemeinschaften in der Thar-Wüste in Pakistan produzieren gemeinsam mit Projektbeteiligten Geschichten, Klänge und materielle Praktiken rund um Boreendo, um neue Dokumentations- und Ausdrucksformen für die Beziehungen von Menschen, Orten und verkörpertem Wissen zu schaffen.
Forest Foods of Jharkhand: Indigene Adivasi-Gemeinschaften und Projektbeteiligte in Jharkhand, Indien produzieren Filme und mündliche Archive, um in den Beziehungen zu den lokalen Landschaften verankertes Wissen über Nahrungsmittel, Heilmittel und Waldpraktiken zu dokumentieren.
„Ich will einen Austausch darüber anregen, inwiefern indigenes Wissen zum Verständnis des Lebens, von Lebensformen und kollektivem Wohlergehen beitragen kann. Auf diese Weise kann ich Menschen hoffentlich dazu bewegen, ihr Verhältnis zur Natur zu hinterfragen. Was ich am CBCW besonders schätze, ist der biokulturelle Ansatz, der Natur und Kultur als miteinander kooperierende Einheiten betrachtet, die sich auf sinnvolle Weise ergänzen können. Dies sehe ich also größte Stärke des Projekts sowie für die Menschheit insgesamt.“
– Jyoti Shukla, Kulturwissenschaftlerin und Beteiligte des Seed-Projekts, Indigeneity
Die Ansätze des Seed-Projekts machen zentrale Aspekte des Engagements von CBCW deutlich:
„Das CBCW unterstützt den Austausch der Wissenschaftsgeschichte mit modernen kuratorischen und künstlerischen Forschungsmethoden und ermöglicht uns einen frischen Blick auf gemeinschaftsbasierte Wissensformen und Kulturen. Es fordert uns auf, zu hinterfragen, wer einen Einfluss auf diese Geschichten hat, und neue Methoden des gemeinsamen Lernens und Forschens zu entwickeln.“
– Lisa Onaga, Stellvertretende Leiterin des CBCW
Über das CBCW
Das im April 2026 eingerichtete Max Planck–NTU Singapore Centre for Biocultural Worlding (CBCW) ist eine gemeinsame Initiative des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) in Berlin und des NTU Centre for Contemporary Art (NTU CCA) in Singapur. Das Zentrum schafft gleichberechtigte Partnerschaften zwischen Gemeinschaften aus kulturellen Praktiken, Wissenstraditionen, Kunst, Rechts-, Natur- und Geisteswissenschaften in der Region Asien-Pazifik und in aller Welt. Es entwickelt neue Ansätze in den Bereichen Wissen, Verantwortung und gemeinsame Zukünfte im Bereich Biokultur, die künstlerische, kuratorische und gemeinschaftsbasierte Forschung in den Mittelpunkt stellen und biokulturelle Perspektiven in öffentliche Dialoge, gemeinsame Initiativen und andere Räume außerhalb akademischer Grenzen integrieren.
Den Link zum CBCW, zu Seed-Projekten und Beteiligten finden Sie unten.
https://bioculturalworlding.org/projects/
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
Deutsch

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