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04.11.2004 16:55

"Hochschule neu denken" - Denkanstöße zur Hochschulreform

Henning Zuehlsdorff Pressestelle
Universität Lüneburg

    Unter dem Namen "Gruppe 2004" haben sich 14 hochschulpolitisch engagierte Professorinnen und Professoren unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen aus ganz Deutschland zusammengetan, um einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über die Hochschulreform zu leisten. Am gestrigen Tage haben sie anläßlich einer Pressekonferenz in Berlin ein Memorandum mit dem Titel "Hochschule neu denken - Neuorientierung im Horizont der Nachhaltigkeit" vorgestellt.

    Zur Gruppe 2004 gehören Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren fachliches Spektrum von der Theologie bis zur Neurobiologie, von der Chemie bis zu den Literaturwissenschaften reicht. Sie alle möchten mit ihrem Memorandum Wege aufzeigen, wie die Hochschulen die komplexen Probleme einer Weltgesellschaft im Wandel erkennen und zu deren Lösung beitragen können. Dazu sollte den folgenden 10 Aspekten besondere Geltung verschafft werden (Thesen gekürzt):

    1. Die Hochschulen sollten selbstkritisch ihr inter- und transdisziplinäres Potenzial überprüfen und im Diskurs mit anderen Einrichtungen zum Vergleich bringen. So erst können die relevanten Forschungsfelder und Forschungsstrategien für die Zukunft ermittelt werden.

    2. Im Diskurs mit der Gesellschaft ist durch verstärkte Bildung und Wissensvermittlung die Fähigkeit zur Teilnahme an den Orientierungsprozessen für mehr Nachhaltigkeit zu stärken. Hierzu gehört insbesondere die Fähigkeit zu vorausschauendem und vernetztem Denken und zur kritischen Prüfung von Leitbildern.

    3. Unter dem Gesichtspunkt einer auf Nachhaltigkeit orientierten Bildung und Ausbildung sind die Lehrstrukturen für die Bachelor- und Masterstudiengänge auf transdisziplinäre Vernetzung und die Erziehung zu Selbständigkeit und Verantwortlichkeit auszurichten.

    4. Auch in den weiterführenden akademischen Ausbildungsgängen (Promotion) ist die Spezialisierung bei der Einübung in die jeweilige Forschungspraxis zu ergänzen und zu integrieren in interdisziplinäre Methoden und Fragestellungen.

    5. Im Zuge der empfohlenen Diskurse um die neue Ausrichtung der Hochschule wird sich zeigen, dass diese über beachtliche Forschungspotentiale verfügt, zentrale gesellschaftliche Probleme aufzugreifen und Lösungsansätze bereitzustellen.

    6. Komplexe Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt sowie die globalen Probleme des menschlichen Zusammenlebens sind nur sinnvoll zu erforschen und zu bearbeiten, wenn sich die Geistes-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften mit den Natur- und Technikwissenschaften stärker verbinden.

    7. Die Fusion von Hochschulen kann unter der Voraussetzung integrativer Vereinigungskonzepte zu einer Stärkung der inter- und transdisziplinären Kompetenz und einem effizienteren Ressourcenmanagement führen. Kontraproduktiv sind jedoch Zusammenlegungen, die vorschnell unter dem Druck verknappter Finanzen erfolgen.

    8. Die Kooperation mit zukunftsorientierten Kräften in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik ist entschieden zu stärken. Dabei müssen Globalität und Nachhaltigkeit die prinzipiellen Prüfsteine möglicher Kooperationen sein. Mit technischer Effizienz unter der Perspektive kurzfristiger Produktionsinteressen allein ist es nicht getan.

    9. Es ist ein verfehltes Unterfangen, an den geforderten autonomen Profilbildungsprozessen vorbei durch mehr oder weniger willkürliche Finanzspritzen die Förderung von Spitzenforschung erreichen zu wollen. Die Bundesregierung sollte ihr bisheriges Elite-Konzept ernsthaft überdenken.

    10. Die alleinige Verantwortung für die Hochschulen und deren weitere Entwicklung auf die Bundesländer zu übertragen und das Hochschulrahmengesetz weiter auszuhöhlen oder gar abzuschaffen, wäre ein hochschulpolitischer Rückschritt.

    Das Memorandum begreift sich nicht als ein geschlossenes Konzept, sondern als Auslöser eines Prozesses, der nach Möglichkeit in die Mitte der Hochschulen hineinwirken soll, um von dort aus weitergeführt zu werden.

    Für weitere Informationen stehen Ihnen als Ansprechpartner Herr Prof. Dr. Gerd Michelsen sowie Herr Dr. Maik Adomßent (beide Universität Lüneburg) jederzeit gern zur Verfügung.

    Kontakt
    Universität Lüneburg, Scharnhorststrasse 1, D-21335 Lüneburg
    Telefon:+49-(0) 4131 / 782802
    Fax: +49-(0) 4131 / 782819
    e-mail gruppe2004@uni-lueneburg.de

    Eine Serviceplattform wurde auf der folgenden Website eingerichtet: http://www.uni-lueneburg.de/gruppe2004
    Das Memorandum "Hochschule neu denken" ist im VAS Verlag für Akademische Schriften, Wielandstr. 10, 60318 Frankfurt/Main, http://www.vas-verlag.de, erschienen.

    Mitglieder der Gruppe 2004 "Hochschule neu denken"
    unterstützt durch die Altner-Combecher-Stiftung im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

    Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Günter Altner
    Prof. Dr. Egon Becker
    Prof. Dr. Christian Beckervordersandforth
    Prof. Dr. Joseph Dehler
    Prof. Dr. Hubertus Fischer
    Prof. Dr. Armin Grunwald
    Prof. Dr. Hariolf Grupp
    Prof. Dr. Patricia Holm
    Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bernd Jastorff
    Prof. Dr. Rolf Kreibich
    Prof. Dr. Lenelis Kruse
    Prof. Dr. Gerd Michelsen (Vorsitz)
    Prof. Dr. Gerhard Neuweiler
    Prof. Dr. Dr. h.c. Udo E. Simonis
    Sekretär: Dr. Maik Adomßent


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-lueneburg.de/gruppe2004


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Organisatorisches, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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