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11.11.2004 08:39

Der erste Krankenhaushochbau in Deutschland

S. Nicole Bongard Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München

    Die 'Derma' wird 75 Jahre - am Freitag, dem 12. November 2004 wird in dem geschichtsträchtigen Haus an der Thalkirchnerstraße gefeiert. Eine Besonderheit der Münchner Universitätshautklinik ist die Trägerschaft: Das stationäre Bettenhaus ist in der Führung der Stadt München, die ambulante Poliklinik gehört zur LMU und somit dem Freistaat Bayern - diese Hybride besteht nun seit 1929. Die Klinik gehört heute mit 151 Betten und 24 Tagesklinik-Plätze, etwa 6.800 stationären und 80.000 ambulanten Patienten pro Jahr zu den größten Hautkliniken in Deutschland.

    Geschichte der Derma
    1813 wurde das Allgemeine Krankenhaus vor den Toren der Stadt, damals dem Sendlinger Tor, gegründet. 1819 wurden die Syphilitischen und Krätzigen unter massiven Protesten aus dem Spital am Gasteig in das neugebaute Allgemeine Krankenhaus verlegt.

    Erste herausragende Persönlichkeit unter den dermatologisch tätigen Ärzten war Josef von Lindwurm. 1859 übernahm er die Abteilung für Hautkranke im Allgemeinen Krankenhaus. Besonderer Schwerpunkt von Lindwurm war die Behandlung der Syphilis. Er unterstützt die damals aufkommende Erkenntnis, dass für die beiden Krankheiten Gonorrhoe und Syphilis unterschiedliche Erreger verantwortlich seien. In einem Schreiben an König Maximilian II. betonte Lindwurm 1862 die Bedeutung der Dermatologie als Spezialfach und schlug vor, einen eigenen Lehrstuhl an der Münchner Universität zu errichten. Dieser Bitte wurde entsprochen, am 19. März 1863 wurde die erste ordentliche Professur für Dermatologie und Syphilidologie in Deutschland an der Münchner Universität eingerichtet.

    Mit der Berufung von Privatdozent Leo Dr. von Zumbusch 1913 auf die Dermatologische Poliklinik setzte die glanzvolle Entwicklung der Dermatologie ein. Von Zumbusch plante und arbeitete in zähem Ringen mit der Stadtverwaltung an einem Krankenhausneubau. 1929 wurde dieser Neubau der Dermatologischen Klinik und Poliklinik zwischen Thalkirchnerstraße, Winkelstraße, Frauenlobstraße und Waltherstraße offiziell eingeweiht.

    1932 wurde von Zumbusch zum Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität gewählt. Den Nationalsozialismus und seine Ideologie lehnte er offen ab und kam durch seine tapfere Haltung in größte politische Bedrängnis. Leo von Zumbusch wurde 1935 zunächst wegen politischer Unzuverlässigkeit entlassen und rückwirkend in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Erst 1951 kam es durch Anregung seines Amtsnachfolgers, Professor Alfred Marchionini zu einer späten Totengedenkfeier. Die von der Münchner Dermatologischen Gesellschaft veranstaltete Feier begründet die Reihe der nun jährlich stattfindenden Leo-von-Zumbusch-Gedächtnisvorlesung, zu der seit 55 Jahren namhafte Dermatologen aus dem In- und Ausland eingeladen werden.

    Nach kurzer Interimslösung übernahm 1950 Alfred Marchionini, bereits international als Dermatologe bekannt, die Klinik. Marchionini brachte die Klinik nach dem Kriegs wieder auf einen Höhepunkt. Er war es, der als von den Nationalsozialisten verfemter und in die Emigration in die Türkei vertriebene Wissenschaftler und Arzt, die Wiedereingliederung der deutschen Dermatologie in die internationale Gemeinschaft und damit auch Völkerverständigung ermöglichte. Marchionini leitete die Klinik bis zu seinem Tod im Jahr 1965.

    1967 besetzte Professor Braun-Falco den Lehrstuhl, unter ihm vermehrte sich das Ansehen, insbesondere die wissenschaftliche Leistung der Klinik in ungeheurem Maße. Braun-Falco setzte alle historisch bedeutenden Veranstaltungen fort: Die Zeitschrift Der Hautarzt, die Münchner Fortbildungswoche und die von-Zumbusch-Gedächtnisvorlesung. Mit Braun-Falco zog auch eine neue Generation wissenschaftlich denkender Mitarbeiter in die Klinik ein und verhalf der Derma, wie die Klinik liebevoll im Münchner Raum genannt wird, zu höchstem internationalem Ansehen.

    Seit 1991 wird die Klinik von Professor Dr. Dr. h.c. Gerd Plewig geleitet.

    Dermatologie heute
    "Die wesentlichen Erkrankungen unseres Faches beinhalten die großen Volkskrankheiten wie Schuppenflechte oder Psoriasis, atopisches Ekzem, immunologische Erkrankungen der Haut und anderer innerer Organe, Allergien und Berufsdermatologie", so Gerd Plewig, dessen wissenschaftlicher und klinischer Schwerpunkt in der Erforschung und Therapie der Akne liegt. ".Die Onkologie mit der bedrohlichen Zunahme von bösartigen Tumoren, insbesondere des malignen Melanoms stellt eine stetige Herausforderung an unser Fach dar. Deswegen haben wir auch einen Schwerpunkt Melanomforschung an unserer Klinik etabliert. Hinzu kommen Haut- und Geschlechtskrankheiten und die Bedrohung durch AIDS."

    Onkologische Chirurgie
    Durch neu eingerichtete OP-Säle ist die onkologische Chirurgie einschließlich der mikroskopisch kontrollierten Chirurgie zum Schwerpunkt geworden. Für dieses Gebiet ist die Klinik seit Jahrzehnten ein international geschätztes Trainingszentrum. Aus vielen Teilen der Welt kommen Ärzte zum Erlernen der Technik nach München.

    Allergologie für ambulante und stationäre Patienten
    Der Allergiebereich ist aufwändig modernisiert für zeitgemäße Forschung, Diagnostik und Therapie und Schwerpunkte der Allergie liegen in der Umweltmedizin, Latexallergie, bedrohlichen Allergien durch Bienen- und Wespengift, Mastozytoseerkrankungen, Atopien und dentritische Zellen.

    Licht
    Für Diagnostik und Therapie sind alle modernen Bestrahlungseinheiten im Hause vorhanden. Als erste deutsche Klinik wurde die PUVA-Therapie eingerichtet, seitdem ergänzt durch die PUVA-Badetherapie und das Schmalspektrum UVB. Schwerpunkte in der Lichtdiagnostik- und Therapie umfassen die Schuppenflechte, das atopische oder neurodermitische Ekzem, schwere Hautprobleme im Gefolge der Knochenmarktransplantation. Dazu ist die Klinik ein internationales Trainingszentrum geworden.

    Extrakorporale Photophorese
    Mit diesem modernen Verfahren der Blutwäsche besteht ein weiteres internationales Referenzzentrum. Trainingspartner kommen aus der ganzen Welt, um diese Technik zu erlernen. Schwerpunkte in der Behandlung liegen bei den malignen Lymphomen, schwerem atopischem Ekzem, Graft versus host Erkrankung an der Haut. Damit ergibt sich eine enge Kooperation mit den Medizinischen Kliniken sowie bundesweit anderen Institutionen.

    Phlebologie
    Die Diagnose und Behandlung der Venenerkrankungen erfolgt ambulant und stationär. Eine exzellente Versorgung, einmalig in ihrer Kompetenz in den Hautkliniken Süddeutschlands, ist ein besonderes Merkmal der Klinik.

    Onkologie
    Die koordinierende Betreuung von Patienten mit bösartigen Tumoren der Haut wie Melanom, Basaliom und spinozelluläres Karzinom waren schon immer ein besonderer Schwerpunkt der Klinik. Dazu ist die Dermatologie in das Tumorzentrum München mit dem Schwerpunkt Melanom eingebunden. Die Kooperation umfasst auch die beiden anderen Münchner Hautkliniken und insbesondere die niedergelassenen Kollegen in der Stadt und im Landkreis München.

    Laser
    Dieser Bereich ist bestens ausgestattet und bietet ambulanten sowie stationären Patienten die aktuellsten Behandlungsmöglichkeiten. Regelmäßige Kurse und Weiterbildungen für Studenten, Ärzte und Fachärzte werden angeboten.

    AIDS und Immunschwäche
    Die erste AIDS-Ambulanz wurde in der Klinik eingerichtet. Seitdem gab es wesentliche Strukturverbesserungen. Die Förderung erfolgt weiterhin durch den Bayerischen Staat. Die psychosoziale Beratungsstelle wird von den betroffenen Patienten in hohem Maße angenommen.


    Weitere Informationen:

    http://www.klinikum.uni-muenchen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Organisatorisches
    Deutsch


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