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23.02.1999 09:33

Prof. Rothacker, FH Augsburg, gestaltet Briefmarken für die Deutsche Post AG

Dipl.-Verwaltungswirt (FH) Frank Richlich Referat Kommunikation
Fachhochschule Augsburg

    Prof. Fritz Dieter Rothacker, Fachbereich Gestaltung, hat 4 Briefmarken für die Deutsche Post AG gestaltet. Die offizielle Vorstellung der mit Rennsportmotiven versehenen Briefmarken erfolgt am 07. März in Köln anläßlich des ersten Galopperrennens der Freiluftsaison in Anwesenheit des Bundesinnenministers. Die Zuschlagsmarken unterstützen die Deutsche Sporthilfe.

    Die Motive stellen folgende Sportarten dar:

    · Formel 1 - Rennen
    · Motorradrennen
    · Pferderennen und
    · Radrennen.

    Briefmarkengestaltung: Großplakate im kleinen Format

    Briefmarken sind ein oft unterschätztes kulturelles Medium, belächeltes Sammlerobjekt für begeisterte Knaben oder ältere Herren - so die landläufige Meinung. Durch ihre Wirkung bringen jedoch diese Großplakate auf kleinstem Format und in hoher symbolischer Verdichtung ein faszinierendes Designprodukt hervor. An den Entwerfer werden dabei hohe Anforderungen gestellt in Konzept, Gestaltung und Produktion. So ist es zum Beispiel normal, daß zwischen zehn bis fünfzehn Andrucke geprüft werden müssen, bevor die Druckqualität zufriedenstellend ist.

    Briefmarken gewinnen im Laufe der Zeit nicht nur an Wert, sondern überdauern alle Moden. Als Freimarke hat sie für den postalischen Transport von Originalen allerdings immer mehr an Bedeutung verloren. Auch als Wertmarke für die Geschäftspost spielt sie keine Rolle mehr. Ihre Verwendung findet immer mehr Gefallen im privaten Bereich als Begleiter persönlicher Botschaften an den Empfänger.

    Und noch ein Plus: Eine Briefmarke ist zumindest von kurzatmigen Trends verschont und überlebt als eine der wenigen Design-Schöpfungen mitunter ganze Generationen - ein Umstand, der auch nicht ohne Wirkung auf den Gestalter bleibt.

    Prof. Fritz Dieter Rothacker besitzt eine gestalterische Vorliebe für dieses stille Medium Briefmarke. Im Rahmen zahlreicher Wettbewerbe hat er dabei immer wieder Spitzenpreise erhalten. Zuletzt hat er bereits zum dritten Mal den Gestalter Wettbewerb für die Sondermarkenserie "Für den Sport" 1999 gewonnen. Es sind vier Motive aus dem Rennsport mit einem Zuschlag, der zur Finanzierung der Deutschen Sporthilfe und damit zur Unterstützung der deutschen Sportler verwendet wird. Die Attraktivität dieser Marken spielt natürlich eine besondere Rolle bei der Kaufentscheidung am Postschalter.

    Die Briefmarken Deutschlands sollen das "aktuelle künstlerische Schaffen des Landes repräsentieren". So formuliert es der altehrwürdige Kunstbeirat, der zugleich die Jury bildet. Deshalb werden nur renommierte Gestalter zu diesen Wettbewerben eingeladen. Auf alle Fälle ist das Gestalten von Briefmarken weit entfernt von den vielen Aufgabenstellungen im Design, die dem Gestalter oft nur wenig Individualität erlauben. Erstausgabetag der Rennsport-Marken ist der 18. Februar 1999.

    Seit 1978 ist Fritz Dieter Rothacker Professor am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule Augsburg. Man könnte sich ihn in vielen Rollen vorstellen, denn er verkörpert Merkmale wie Entschiedenheit, punktgenaue Spontananalyse, visionäres Sehen, Durchsetzungsfähigkeit und Einfühlsamkeit.

    Studium: Das Grundsätzliche der Gestaltung erfahren

    Sein Weg: Prof. Fritz Dieter Rothacker wurde am 26. August 1938 in Stuttgart geboren und studierte dort von 1959 bis 1962 Grafikdesign an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Hier traf er auf Lehrerpersönlichkeiten wie den Grafiker Eugen Funk, den Bildhauer Otto Baum und später auch auf den Gestalter Anton Stankowski. Was Rothacker trotz aller Identifikation und Nähe zu seinen Professoren nicht wollte, war ein Ähnlichwerden mit seinen großen Meistern. Was er wollte, war vielmehr, das Grundsätzliche der Gestaltung zu erfahren und die Kriterien dafür in die Hand zu bekommen.

    Im Rückblick waren es manchmal mehr die Nebenschauplätze im Alltag einer Akademie, die ich als Gestalter weiterbrachten. So spielte er oft Schach mit seinem Lehrer Otto Baum. Während dieser Sitzungen stellte der Professor an den Studenten völlig unvermittelte, nach Prüfung klingende Fragen, wie: "Welche Rolle kann die Farbe in der Plastik haben?". Oder: "Was ist gute, was ist schlechte Gestaltung?". Grundsatzfragen wie sie auch sonst einst am Bauhaus gestellt und beantwortet wurden.

    Fotografie als vielfältig variable Designgattung

    Diese fundamentale fachliche Bewußtseinsentwicklung in der Ausbildung machte es Rothacker leicht, sich schon früh mit der angewandten Gestaltung zu befassen. So fotografierte er während des Studiums für verschiedene Verlage und gewann damit den begehrten Otto-Sehr-Preis auf der Photokina 1956 in Köln. Über die Fotografie fand er schließlich auch zu Anton Stankowski, an dessen Design-Projekten er mitarbeitete.

    Noch heute ist die Fotografie für Rothacker die individuelle, künstlerische Disziplin - eine schier unendlich variable Gestaltungsgattung: "Neben dem Text hat das Foto die meisten Facetten." Deshalb wird die Fotografie trotz der vielen technischen Möglichkeiten bis hin zum Computer ihre einzigartige Stellung bewahren. Vorbilder, die hier wirkten waren Karl Pawek in der Kulturzeitschrift "Magnum". Oder Otto Steinert, der mit seiner "Subjektiven Fotografie" in den fünfziger Jahren den philosophischen Unterbau schuf, während vorher jede Fotografie wegen ihrer Technikgebundenheit als Kunstform ausgeschlossen war. Es war auch der "Menschenfotograf" Cartier Bresson, der Rothacker prägte, und schließlich Anton Stankowski mit seiner "Geometrischen Fotografie".

    Industriedesign: Designaufgabe als Konstruktionslösung

    Aufgaben mit grundsätzlichen Fragestellungen reizten Rothacker auch bei Aufträgen im Industriedesign. So mag es zunächst verwundern, daß er als Kommunikations-Gestalter Inhaber von Patenten im Maschinenbau ist. Für ihn ist die Bearbeitung solcher Projekte selbstverständlich, da er die Lösung von Designproblemen wie Konstruktionsprobleme auffaßt und angeht. So sagte ein Firmenchef angesichts seiner Kuvertieranlagen: "Ach, unsere Maschinen sind nicht schön, können Sie da nicht irgendwas machen?". Rothacker verbannte die scheinbar häßliche Maschinerie nicht in ästhetisch geschwungene Gehäuse, sondern ging der Sache auf den Grund:

    Die mangelnde Schönheit stellte sich schnell als Fehler von Bedieneroberfläche und Anlagenkonstruktion heraus. Folglich entwarf er eine völlig neue Kuvertiermaschine, die dem technischen Lastenheft nicht nur voll entsprach, sondern fortan auch als "schön" empfunden wurde. Daß am Anfang eines Auftrages oft das ästhetische Unbehagen steht, diese Erfahrung machte Rothacker immer wieder. So etwa auch bei der Konstruktion eines Terminals für einen Kartenleser im hochsensiblen Bereich mit streng definierten Zugangsberechtigungen einer militärischen Einrichtung.

    Seit über 30 Jahren Unternehmensberatung für Kommunikation

    Von 1968 bis 1978 führte Prof. Rothacker eine eigene Werbeagentur mit über 50 Angestellten in Stuttgart - vorwiegend für Investitionsgüter und Verkaufsförderung. Neben den synergetischen Verknüpfungen zwischen Marketing und gestalterisch-kommunikativer Kreativität faszinierte ihn auch hier die Grundsätzlichkeit strategischer Zusammenhänge und Prozesse.

    Neben seiner Lehrtätigkeit als Professor für Grafikdesign an der Fachhochschule Augsburg berät er Kunden aus der schwäbisch-bayerischen Wirtschaft. 1995 fand er in dem Designtheoretiker und Kommunikationsberater Prof. Dr. Hartwig Frankenberg einen Partner, mit dem er auch im Hochschulalltag eng zusammenarbeitet. Bekannte Adressen aus Industrie und Verbandswesen konsultieren das gemeinsame Augsburger Beratungsbüro "MITA Unternehmensberatung für Kommunikation". Es sind meist Nischenaufträge, die als interdisziplinäre Projekte bearbeitet werden - oft mit Kollegen aus anderen Fachbereichen und auch mit besonders talentierten Studenten. So wurde z.B. für ein bekanntes und traditionsreiches Industrieunternehmen in Schwaben das Angebotswesen unter gestalterischen, organisatorischen und logistischen Aspekten völlig neu entwickelt und implementiert.

    Professor: Lehren mit gesellschaftspolitischen Ambitionen

    Seit 1978 ist Rothacker Professor für Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Augsburg. Während dieser Zeit lehrte er außerdem im Rahmen eines Hochschulaustausches an der Universität Urbino und als Gastprofessor an der Hochschule für Gestaltung in Linz. Rothacker ist ein engagierter Kollege, der sich für die Belange der Studenten - von denen er übrigens sehr geschätzt wird - intensiv einsetzt.

    Auch nach zwanzig Dienstjahren hat er sich einen weitschichtigen und konstruktiven Überblick über Fachbereich und Hochschule bewahrt. Die Arbeit mit den Studenten wird durch Ausstellungen und Semesterpublikationen über Projekte und gewonnene Wettbewerbe immer wieder dokumentiert. darüber hinaus wurde von Rothacker ein Netzwerk aufgebaut, um den Studenten laufend Praktika in international bedeutenden Agenturen und Unternehmen zu ermöglichen. Die persönliche und umfassende Betreuung der Studenten wird deutlich in der hohen Zahl von Diplomanden, die Rothacker als Prüfer wählen.

    In seiner gesamten Tätigkeit sieht Rothacker ein dialektisches Wechselspiel zwischen Lehre, Beratung und Reflexion. Den Umgang mit Studenten praktiziert er als Partner, indem er eine kreative Atmosphäre erzeugt, Talente erkennt und zu individuellen Entfaltung bringt. "Studenten sind keine Meisterkopien", sagt er.

    Im Mittelpunkt des methodischen Bemühens steht die Konzeption - die bewußte , in Alternativen arbeitende Entwicklung, Planung und Lösung einer Designaufgabe. Das heißt: Trotz aller objektiven Daten kommt der Entwerfer immer zu einer sehr subjektiven Gestaltung. Sie muß jedoch - im Unterschied zum Künstler - in allen wesentlichen Schritten begründbar sein.

    Studenten verlieren leicht das Bewußtsein für die Wertigkeit der eigenen Arbeit. Sie lieben es folglich, wenn der Professor zunächst versucht, ihre Ideen und Skizzen zu verstehen, bevor er zur verbindlichen und konstruktiven Kritik ansetzt. Eine Studentin sagte: "Professor Rothacker gibt einem das Gefühl, daß das gut ist, was man gemacht hat." Ein Student: "Man muß keine Angst haben, wenn man Ideen hat." Und selbstverständlich wird experimentiert und dürfen Fehler begangen werden. Auch mögen die Studenten Rothackers zupackende Art. Da wird nicht etwas vertagt und auf die lange Bank geschoben, sondern man hört ihn dann sagen: "Da rufen wir sofort mal an." Oder: "Jetzt bilden sie mal zwei, drei Gruppen und machen Sie das." der hohe Stellenwert der Gruppenarbeit findet außerdem großen Anklang: "Später arbeiten Sie nur noch im Team", so Rothacker.

    Ansprechpartner: Prof. Fritz Dieter Rothacker
    Tel.: 0821/5586-401
    Fax: 0821/5586-422
    e-mail: richlich@verwaltung.fh-augsburg.de
    Augsburg, den 23.02.1999


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Kunst / Design, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Musik / Theater, Sportwissenschaft, Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Personalia, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch



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