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14.12.2004 13:15

CARIBIC - Innovatives Klimaprojekt hebt ab

Dr. Joachim Hoffmann Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft

    Container-Labor in Lufthansa-Passagierflugzeug startet zum ersten Flug

    Ab Mitte Dezember 2004 wird ein Passagierflugzeug (Airbus A340-600) der Lufthansa auf Langstreckenflügen auch als Messplattform für die europäische Atmosphärenforschung genutzt. In einem vollautomatischen Container-Labor werden Spurengase und Aerosolpartikel während der Flüge analysiert. Wissenschaftler des Forschungszentrums Karlsruhe und aus fünf europäischen Ländern wollen über mehrere Jahre den Transport von Schadstoffen und chemische Prozesse in der Atmosphäre untersuchen. Der erste Messflug des CARIBIC-Projekts führt am 13. Dezember 2004 von Frankfurt zur 10. Weltklimakonferenz nach Buenos Aires. Mit an Bord ist Bundesumweltminister Jürgen Trittin.

    Das fliegende Labor misst fast 100 verschiedene Spurengase, darunter alle wichtigen Treibhausgase, nahezu 100 Prozent aller Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) und organische Verbindungen, die für die so genannte Oxidationskapazität, also die Selbstreinigungskraft der Atmosphäre, eine Rolle spielen. Darüber hinaus werden Aerosolpartikel - flüssige oder feste Schwebeteilchen in der Luft - vor Ort analysiert. Zusätzlich werden Luft- und Aerosolproben gesammelt und später in den Labors der beteiligten Forschungsinstitute untersucht. Die Wissenschaftler erwarten aus den Messergebnissen unter anderem einen großen Beitrag zur Überwachung der Protokolle von Kyoto (Klimagase) und Montreal ("Ozonkiller"), detaillierte Erkenntnisse über den Einfluss von Biomasseverbrennung - insbesondere durch Waldrodung - auf die Atmosphäre, über Emissionen der Ozeane sowie den Luftmassenaustausch zwischen Stratosphäre und Troposphäre.

    Die Passagiere werden von den Messungen kaum etwas bemerken. Nur ein 55 Zentimeter langes und 35 Zentimeter hohes Lufteinlasssystem ist unterhalb des Flugzeugbauchs sichtbar. Es "sammelt" Umgebungsluft und leitet sie zu einem im vorderen Laderaum des Airbusses untergebrachten Laborcontainer. Die Instrumente arbeiten während des ganzen Fluges vollautomatisch.

    CARIBIC steht für "Civil Aircraft for the Regular Investigation of the Atmosphere Based on an Instrumented Container". Ein- bis zweimal im Monat wird der Forschungscontainer von Frankfurt aus ausgewählte Orte rund um den Globus anfliegen. "Durch den Einsatz eines Linienflugzeugs erhalten wir über Jahre Messdaten, auch aus Gebieten, in denen Forschungsflugzeuge sonst nur selten messen. So können wir die weltweite Verteilung von Gasen und Schadstoffen in der Atmosphäre dokumentieren", erläutert Professor Dr. Herbert Fischer, einer der Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums Karlsruhe und der Universität Karlsruhe.

    Das Flugzeug bewegt sich auf seiner Reiseflughöhe in einer Region, die für die Atmosphärenforscher höchst interessant ist: der so genannten Tropopause, der Grenzschicht zwischen Troposphäre und darüber liegender Stratosphäre. Je nach geographischer Breite liegt die Tropopause in acht bis sechzehn Kilometern Höhe. "Passagierflugzeuge schließen damit in der Atmosphärenforschung die Lücke zwischen Boden- und Satellitenmessungen", fährt Herbert Fischer fort.

    Die Ergebnisse von CARIBIC werden darüber hinaus Auswirkungen auf ein zweites großes Atmosphären-Projekt des Forschungszentrums Karlsruhe haben, nämlich das Instrument MIPAS auf dem europäischen Forschungssatelliten ENVISAT. "Die Ergebnisse von CARIBIC werden dazu beitragen, Messungen von Satelliten noch verlässlicher zu machen", erwartet Herbert Fischer, der auch Co-Koordinator von MIPAS ist.

    Das CARIBIC-Projekt ist eine Kooperation des Forschungszentrums Karlsruhe mit dem Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, dem Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig, dem Institut für Physik der Atmosphäre am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg, in enger Zusammenarbeit mit der Lufthansa und Lufthansa Technik. Es wird unterstützt durch die Lufthansa, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, Projekt AFO-2000) und die Europäische Kommission. Insgesamt sind 11 Institutionen aus fünf Ländern der Europäischen Union an diesem innovativen Projekt beteiligt.


    Das Forschungszentrum Karlsruhe ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,1 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

    Joachim Hoffmann 13. Dezember 2004

    Die Farbfotos senden wir Ihnen auf Wunsch gerne zu (Telefon 07247 82-2861).


    Bilder

    Das Einlasssystem sammelt Luft- und Aerosolproben. © Lufthansa
    Das Einlasssystem sammelt Luft- und Aerosolproben. © Lufthansa
    Lufthansa
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    Der CARIBIC-Forschungscontainer, ein anderthalb Tonnen schweres, fliegendes Messlabor, untersucht im Frachtraum des Lufthansa-Airbusses zahlreiche Spurengase und Aerosolpartikel in Reiseflughöhe.
    Der CARIBIC-Forschungscontainer, ein anderthalb Tonnen schweres, fliegendes Messlabor, untersucht im ...
    Forschungszentrum Karlsruhe
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Chemie, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie, Verkehr / Transport
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Das Einlasssystem sammelt Luft- und Aerosolproben. © Lufthansa


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    Der CARIBIC-Forschungscontainer, ein anderthalb Tonnen schweres, fliegendes Messlabor, untersucht im Frachtraum des Lufthansa-Airbusses zahlreiche Spurengase und Aerosolpartikel in Reiseflughöhe.


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