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15.12.2004 10:25

Zukunftsperspektiven für Jungmediziner - Nachwuchssorgen?

Ricarda Wessinghage Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

    In Deutschland häufen sich Warnungen vor einem drohenden ärztlichen Nachwuchsmangel in Krankenhäusern. Immer mehr Ärztinnen und Ärzte sind nicht mehr kurativ tätig, da sie sich alternativen Berufsfeldern zuwenden oder ins Ausland abwandern. Hinzu kommt, dass aufgrund der Alterstruktur viele Ärzte in der nächsten Zeit in den Ruhestand gehen. Auf der anderen Seite bricht der Nachwuchs weg, weil immer weniger junge Ärzte die Möglichkeit sehen, ihren "Traumberuf" in der angestrebten Weise auch auszuüben und deshalb in nichtkurative Betätigungsfelder abwandern.

    Viele dieser nicht direkt in der Krankenversorgung tätigen Jungmediziner sind weiterhin im Gesundheitswesen beschäftigt; dazu zählen beispielsweise Posten in Management, Verwaltung und Qualitätssicherung in Krankenhäusern, in der Forschung und Wissenschaft, in Behörden, im Medizinjournalismus und im Bereich der Medizintechnik - aber auch in der Pharmaindustrie. Nur wenige üben einen Beruf außerhalb des Gesundheitswesens aus. Die Entscheidung für einen Ausstieg fällt jedoch nicht, wie häufig angenommen, am Ende des Studiums, sondern ist nach Studien der Hessischen Landesärztekammer die Folge "schlechter Erfahrungen" in den ersten Jahren als Krankenhausarzt.

    Die Vorstellung vom Traumberuf Arzt steht oft im Widerspruch zum Klinikalltag. "Angesichts der schlechten Zukunftsperspektiven im Hinblick auf eine berufliche oder akademische Karriere sind junge Mediziner heute oft nicht mehr bereit, ihr Privatleben für einen Beruf zu opfern, der mit schlechten Arbeitsbedingungen und langen und unregelmäßigen Arbeitszeiten einhergeht sowie finanziell für Berufsanfänger nicht besonders attraktiv ist" sagt der Frankfurter Assistentensprecher Dr. med. Bora Akoglu. Darüber hinaus drängt es immer mehr Frauen in den Arztberuf, zumindest was das Studium betrifft. So macht nach neueren Erhebungen der Prozentsatz weiblicher Studierende etwa 60 Prozent aus. Unter den Fachrichtungen sind unter Frauen besonders die Kinderheilkunde, die Anästhesie oder auch die Frauenheilkunde und Neurologie beliebt. In einigen Fächern, wie der Dermatologie bewerben sich zumindest am Uniklinikum nahezu ausschließlich Kolleginnen. "In vielen Bereichen sind allerdings die Bedingungen derart schwierig, dass viele Jungmedizinerinnen den Klinikalltag kaum mit dem Wunsch nach Familie vereinbaren können und sich daher ebenfalls genötigt sehen, Alternativen zu prüfen", so die Assistentensprecherin Frau Dr. med. Ulrike Henke.

    Weit vor langen Arbeitszeiten und unbefriedigender Bezahlung nennen die Frankfurter Klinikärzte allerdings das Übermaß an Verwaltungstätigkeiten im Deutschen Gesundheitssystem mit ständig neuen Gesetzesauflagen als Hauptgrund für Unzufriedenheit mit der derzeitigen Tätigkeit. "Im Krankenhausbereich hat sich der ärztliche Dokumentationsaufwand mit der Einführung der DRG-Fallpauschalen noch einmal beträchtlich erhöht", sagt der Ärztliche Direktor des Frankfurter Universitätsklinikums, Professor Dr. Roland Kaufmann.

    Nach einer Studie des Deutschen Krankenhausinstitutes (DKI) verbringen Chirurgen in deutschen Krankenhäusern durchschnittlich zweieinhalb Stunden am Tag mit Dokumentationstätigkeit. Noch länger - nämlich drei Stunden - sitzt ein Arzt der Inneren Medizin am Schreibtisch. Der Ärztliche Direktor spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Entfremdung der Ärztlichen Tätigkeit. "Die Ärzte wollen ihre Arbeit auf die originär ärztlichen Tätigkeiten am Patienten konzentriert sehen. Schreib-, Organisations- und Dokumentationsarbeiten hingegen könnten besser durch geschultes, nichtärztliches Personal erledigt werden", so Kaufmann.

    Die Arbeit am Universitätsklinikum ist deshalb eigentlich für den Nachwuchs so attraktiv, weil sie neben der Krankenversorgung auch die beiden Säulen Forschung und Lehre beinhaltet. "Hier darf es nicht zu Regel werden, dass an Deutschen Universitätskliniken aufgrund der immer restriktiveren finanziellen und gesetzlichen Rahmenbedungen Forschung zur Privatsache wird oder nach Dienstschluss stattfindet", so die Assistenzsprecherin Dr. Ulrike Henke. Außerdem ist nach Worten von Dr. Akoglu eine angemessene studentische Lehre kaum mit Sparzwängen und den damit zusammenhängenden Personalengpässen leistbar.

    Für weitere Informationen:

    Ricarda Wessinghage
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Universitätsklinikum Frankfurt
    Fon (0 69) 63 01 - 77 64
    Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
    E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de
    Internet http://www.kgu.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Organisatorisches, Studium und Lehre
    Deutsch


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