Nierenschäden durch coffeinhaltige Schmerzmittel

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24.10.1996 00:00

Nierenschäden durch coffeinhaltige Schmerzmittel

Axel Burchardt Abteilung Hochschulkommunikation/Bereich Presse und Information
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Nierenschaeden durch coffeinhaltige Schmerzmittel

    Gespraech mit dem Direktor der Jenaer Universitaetsklinik fuer Innere Medizin IV, Prof. Dr. Guenter Stein

    Vor der nicht aerztlich verordneten Einnahme von Schmerzmitteln insbesondere von Kombinationspraeparaten, haben die Vorstaende der Gesellschaft fuer Nephrologie und der Deutschen Arbeitsgemein- schaft fuer klinische Nephrologie auf ihrem Jahreskongress in Berlin eindringlich gewarnt. Aus dem "Umkreis der pharmazeuti- schen Hersteller" werde zunehmend versucht, die Kombinations- schmerzmittel als nuetzlich und harmlos darzustellen. Die Nie- renspezialisten fordern dagegen, diese Praeparate vom Markt zu nehmen und auch fuer Kleinpackungen die Verschreibungspflicht einzufuehren. Prof. Dr. Stein, renommierter Nephrologe und Direk- tor der Jenaer Universitaetsklinik fuer Innere Medizin IV, unter- stuetzt mit Nachdruck die Erklaerung der wissenschaftlichen Fach- gesellschaften.

    Herr Prof. Stein, Sie sind ein Befuerworter dieses dringlichen Appells an die Pharma-Hersteller und die zustaendigen Aufsichts- behoerden, warum? Prof. Stein: Die regelmaessige Einnahme dieser Schmerzmittel fuehrt zu chronischen Nierenschaeden (Analgetika-Nephropathie) und in einem hohen Prozentsatz zum kompletten Ausfall der Nierenfunk- tion und damit zur Behandlung mit der Kuenstlichen Niere. Dies wissen wir aus zahlreichen nationalen und internationalen wis- senschaftlichen Untersuchungen; dies weiss ich aus meiner lang- jaehrigen Taetigkeit als Nephrologe an der Jenaer Universitaets- klinik. Deutschlandweit liegt bei etwa 10 Prozent der dialyse- pflichtigen Patienten eine Analgetika-bedingte schwere Nieren- erkrankung vor, die vermeidbar gewesen waere. Auch heute noch muessen in unserer Klinik Patienten in die Dialysebehandlung aufgenommen werden, weil sie ueber viele Jahre hinweg, zum Teil taeglich, phenacetinhaltige Kombinationsschmerzmittel wie Spalt- tabletten, Gelonida, Neuranidal u.a. eingenommen haben. Ich kann also nur dafuer plaedieren, derartige Medikamente aus dem Arznei- mittelsortiment zu entfernen und Schmerzmittel grundsaetzlich verschreibungspflichtig zu machen.

    Die Pharmahersteller berufen sich aber bei den jetzt auf dem Markt frei erhaeltlichen Kombinationspraeparaten auf Studien, die diese coffeinhaltigen Schmerzmittel als wirksam und risikoarm einstufen. Wie sehen Sie das? Prof. Stein: Diese Angaben stammen von der pharmazeutischen Industrie und sind keineswegs durch entsprechende klinische Studien belegt; ich wuerde ihre Objektivitaet bezweifeln. Es han- delt sich um Mischpraeparate aus Acetylsalicylsaeure, Paracetamol, mit Coffein oder Codein, die nicht nur zu Nebenwirkungen wie Dauerkopfschmerz fuehren, sondern durch die zusaetzliche Kompone- nete Coffein mit der Gefahr einer Gewoehnung und Abhaengigkeit verbunden sind. Diese Praeparate werden deshalb zum Teil allein wegen des Coffeins und nicht wegen der schmerzlindernden Wirkung eingenommen. Bei regelmaessiger Einnahme dieser Kombinations- schmerzmittel besteht ein hohes Risiko einer chronischen Nieren- schaedigung. Mischanalgetika schaedigen die Nieren staerker als Einzelsubstanzen dieser Praeparate. Sie sind also zur Schmerzbe- handlung nicht erforderlich, weil man auch mit den Einzelkom- ponenten und anderen Praeparaten einen ausreichenden Effekt er- zielen kann. Sie sind darueber hinaus organschaedigend. Aus diesem Grunde kann ich nur dazu raten, diese Medikamente, vor allem eine "Selbstverordnung", strikt zu meiden. Schmerzmittel jeder Art sollten nur nach Beratung durch einen Arzt verordnet werden. Fuer spezielle Faelle empfehle ich Zentren der Schmerzbehandlung, die auch an der Jenaer Universitaetsklinik angesiedelt sind.

    (Fuer das Gespraech bedankt sich Dr. Ines Schmidt)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Es wurden keine Arten angegeben
    Deutsch


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