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17.01.2005 12:39

Erfolg der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie belegt

Stefan Weller Stabsstelle Unternehmenskommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen

    (ukg) Dass die psychoanalytisch orientierte Therapie bei der Behandlung einer Vielzahl psychischer Krankheiten wirkt, ist jetzt wissenschaftlich belegt. Dies haben Göttinger Forscher um Prof. Dr. Falk Leichsenring und PD Dr. Eric Leibing in einer hochwertigen Meta-Analyse ermittelt. Darüber hinaus haben sie nachgewiesen, dass die psychoanalytisch orientierte Therapie ebenso wirksam ist wie Verhaltenstherapie. Die Wissenschaftler leiten die Arbeitsgruppe Psychotherapie-Forschung der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen und des Niedersächsischen Landenskrankenhauses Tiefenbrunn. In ihrer neuen Meta-Analyse werteten die Forscher methodisch hochwertige Studien über die Wirksamkeit psychoanalytisch orientierter Therapien zusammenfassend aus. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Dezember-Ausgabe der international renommierten Zeitschrift "Archives of General Psychiatry" veröffentlicht (www.archpsyc.ama-assn.org).

    Eine Publikation in den "Archives of General Psychiatry" ist ein besonderer Qualitätsausweis, denn die Zeitschrift besitzt den höchsten "Impact-Faktor" in den Fachgebieten Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Psychologie. Das bedeutet, dass Beiträge dieser Zeitschrift weltweit am häufigsten in der Fachwelt zitiert werden. Nur wenigen Forschern aus dem deutschsprachigen Raum ist es in den letzten Jahren gelungen, ihre Studien in dieser Zeitschrift zu publizieren.

    Das Ergebnis einer Meta-Analyse hängt erheblich von der Qualität der einbezogenen Studien ab. Prof. Leichsenring und seine Kollegen haben deshalb in ihre Meta-Analyse nur solche Studien aufgenommen, die hohen methodischen Anforderungen genügen. Dies sind insbesondere randomisierte und kontrollierte Studien, bei denen die Patienten per Zufall den verschiedenen Behandlungen oder Kontrollgruppen zugewiesen werden. Außerdem durfte in den Studien nur jeweils ein spezifisches Krankheitsbild behandelt werden.

    Nach den Ergebnissen von Leichsenring und Leibing hilft die psychoanalytisch orientierte Therapie unter anderem bei Patienten mit Angststörungen, depressiven Störungen, post-traumatischen Belastungsstörungen, Essstörungen (Anorexie und Bulimie), Suchterkrankungen (wie Opiat-Abhängigkeiten), Persönlichkeitsstörungen (wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung) sowie bei somatoformen Störungen (das sind körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Erklärung). Die Therapie verringert die Symptome dieser Krankheiten sowie mögliche Begleitsymptome stark. Dies gilt auch für die mit den psychischen Erkrankungen verbundenen sozialen Beeinträchtigungen im Berufs- und Privatleben. Die Therapieerfolge nehmen sogar nach Ende der Therapie weiter zu. Patienten, die gar nicht behandelt werden oder eine psychiatrische Standardbehandlung erhalten haben, zeigen dagegen einen deutlich geringeren Therapieerfolg. Psychoanalytisch orientierte Therapie erwies sich nach den Ergebnissen der Metaanalyse außerdem als ebenso gut wirksam wie beispielsweise Verhaltenstherapie.

    Frühere Meta-Analysen der Autoren belegten bereits, dass die psychoanalytisch orientierte Therapie und die Verhaltenstherapie bei der Behandlung depressiver Störungen gleichermaßen wirksam sind. Darüber hinaus hat sich die psychoanalytisch orientierte Therapie als besonders wirksam bei der Behandlung von Patienten mit Persönlichkeitsstörungen erwiesen.

    Derzeit untersucht die Göttinger Forschergruppe die Behandlung von Patienten mit Generalisierter Angststörung. Die Betroffenen machen sich über alles und jedes Sorgen und sehen überall Katastrophen auf sich zukommen. Die Studie vergleicht den Erfolg der psychoanalytisch orientierten Therapie mit dem der kognitiven Verhaltenstherapie. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die bisher vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass auch bei der Generalisierten Angststörung beide Therapieformen gleich gut wirksam sind.

    Weitere Informationen:

    Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
    Abt. Psychosomatik und Psychotherapie
    Prof. Dr. Falk Leichsenring
    von-Siebold-Str. 5
    37075 Göttingen
    Tel.: 0551/39 - 6707
    Fax: 0551/39 - 4592
    fleichs@gwdg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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