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Wissenschaft
Orientalist der Universität Jena datiert Monumentalinschrift aus Sirwah im Jemen
Jena (24.10.06) Sonntag, 11. Dezember 2005, gegen 1.00 Uhr Ortszeit. In den Ruinen der antiken Stadt Sirwah unweit von Marib im heutigen Jemen bergen Wissenschaftler des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) einen über sieben Meter langen und mehr als sechs Tonnen schweren Kalksteinblock aus dem staubigen Boden. Doch nicht nur die Größe und das Gewicht des Steins bringen die Archäologen unter Leitung von Dr. Iris Gerlach zum Staunen. Vor allem die monumentale Inschrift, die sie auf der zunächst verdeckten Seite fanden, fasziniert die Forscher.
Sieben jeweils sieben Meter lange Zeilen aus über acht Zentimeter großen Buchstaben in sabäischer Sprache bedecken den Stein. "Damit handelt es sich bei diesem Fund um die bislang größte Inschrift, die bei einer wissenschaftlichen Ausgrabung im Jemen jemals gefunden wurde", ordnet Prof. Dr. Norbert Nebes von der Friedrich-Schiller-Universität Jena vor Ort die Bedeutung der Entdeckung ein. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Semitische Philologie und Islamwissenschaft an der Jenaer Universität, dem einzigen im deutschsprachigen Raum mit einem Forschungsschwerpunkt auf den Sprachen und Kulturen des vorislamischen Arabien.
Dem Orientalisten von der Jenaer Universität ist es nun nicht nur gelungen, den Text der Inschrift zu übersetzen, sondern auch ihre Entstehungszeit zu datieren. "Wir haben die älteste datierbare Inschrift aus Südarabien und von der Arabischen Halbinsel gefunden", so Nebes, der die Abfassungszeit der Monumentalinschrift um das Jahr 715 v. Chr. ansetzt.
Die Inschrift enthält den Tatenbericht eines in Südarabien bis vor kurzem unbekannten sabäischen Herrschers mit Namen Yitha'amar Watar. "Dieser Herrscher taucht ein weiteres Mal in den Annalen des assyrischen Königs Sargon II. auf, was die Datierung wesentlich unterstützte", erklärt Prof. Nebes. Der diplomatische Kontakt des sabäischen Herrschers mit dem assyrischen König bezeuge die besondere Rolle, die die Sabäer zu dieser Zeit auf der Weihrauchstraße spielten. In der Inschrift schildert Yitha'amar seine Kriegszüge im südarabischen Raum, die sich gegen die Nachbarn der Sabäer im Süden, Südosten und Nordwesten richten. "Durch diese Territorien verlief die Weihrauchstraße", erklärt Prof. Nebes, für den die Absicht hinter den Kriegszügen des sabäischen Herrschers klar ist: Durch die Kontrolle dieser Gebiete wollte Yitha'amar den Verlauf der Weihrauchstraße über die Hauptstadt Marib sichern und damit deren Wohlstand garantieren. Die Weihrauchstraße verband damals Südarabien mit dem Mittelmeer und dem Zweistromland. Der Handel mit Weihrauch und anderen in der Antike hochbegehrten Aromata bescherte den Sabäern sagenhaften Reichtum.
Kontakt:
Prof. Dr. Norbert Nebes
Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 24a, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944850
Fax: 03641 / 944852
E-Mail: norbert.nebes[at]uni-jena.de
Prof. Dr. Norbert Nebes.
Foto: Scheere/FSU-Fotozentrum
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Geschichte / Archäologie, Sprache / Literatur
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch
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