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07.02.2008 10:54

Dr. Leopold-Lucas-Preisträger des Jahres 2008: Dieter Henrich, München

Michael Seifert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Für 2008 wurde die Dotierung des Dr. Leopold-Lucas-Preises der Eberhard Karls Universität Tübingen von 40.000 auf 50.000 Euro erhöht. Der Preis geht in diesem Jahr an Dieter Henrich, Professor emeritus für Philosophie in München. Die Preisverleihung wird am 27. Mai 2008, um 17.15 Uhr, im Festsaal der Eberhard Karls Universität stattfinden.

    Dieter Henrich wurde 1927 in Marburg/Lahn geboren. 1946 Abitur des Humanistischen Philipps-Gymnasiums Marburg, Studium in Marburg, Frankfurt/M. und Heidelberg (1946-1950). Promotion (1950) und Habilitation (1956) in Heidelberg. Professuren an der Freien Universität Berlin (1960-1965), Heidelberg (1965-1981) und München (seit 1981). Gastprofessuren an der Columbia Universität, der Harvard Universität, der Universität Tokio und der Yale Universität. Präsident der Internationalen Hegel-Vereinigung (1970), seit 1971 Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, seit 1984 auch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Mitglied der Academia Europaea, der American Academy of Arts and Sciences und der Académie Internationale de Philosophie de l'Art. Ehrendoktor der Theologischen Fakultäten in Münster (1999) und Marburg (2002) sowie der Philosophischen Fakultät in Jena (2005). Hölderlin-Preis der Stadt und Universität Tübingen (1995), Hegel-Preis der Stadt Stuttgart (2003) und Deutscher Sprachpreis (2006).

    Das wissenschaftliche Werk von Henrich, in dessen Zentrum die Frage nach Selbstsein und Selbstbewusstsein steht, ist in seiner Fülle und Ausstrahlung kaum zu überschätzen. Henrichs Beiträge besonders zur Hegel-Forschung, aber auch zu anderen Vertretern des Deutschen Idealismus haben Epoche gemacht. Zu einer Zeit, in der schon der Bezug auf das Selbstbewusstsein veraltet und angesichts der Perspektiven von Strukturalismus, Dekonstruktionismus und Systemtheorie oder neuerdings der in der Hirnforschung vertretenen Auffassungen geradezu als obsolet erschien, hat Henrich beharrlich an der unhintergehbaren Bedeutung von Subjektivität festgehalten und diese wissenschaftlich demonstriert. "Menschen leben nicht nur, sie haben ihr Leben aus dem Wissen von sich selbst heraus zu führen. Darum ist ihr Selbstbewusstsein gegenüber allem, was sie als Menschen ausmacht, elementar und unmittelbar", so beginnt sein vor kurzem erschienenes Buch "Denken und Selbstsein", das seine Vorlesungen über Subjektivität dokumentiert. Hier tritt exemplarisch hervor, dass Henrichs Philosophie durchweg dem elementaren Anspruch der Humanität verpflichtet ist.

    Die zahlreichen Veröffentlichungen des Philosophen umfassen auch Themen der Ethik, der Ästhetik und Kulturtheorie sowie der Religionsphilosophie und der Theologie. Weltweit Beachtung gefunden haben auch seine Untersuchungen zur Vorgeschichte des Idealismus und zu Hölderlin. Zahlreiche Ehrungen und Preise aus dem In- und Ausland sowie die Gastprofessuren und Akademiemitgliedschaften in Europa, Amerika und Asien unterstreichen die enorme Resonanz, die Henrichs wissenschaftliche Arbeit gefunden hat.

    Der Dr. Leopold-Lucas-Preis würdigt alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie. Er ehrt dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören namhafte Wissenschaftler wie Karl Rahner, Paul Ricoeur, Raimund Popper, Michael Walzer und Michael Theunissen, Repräsentanten des religiösen Lebens wie Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, oder der polnische Erzbischof Henryk Muszynski, sowie der Kultur und Politik wie Léopold Sédor Senghor, der frühere senegalesische Staatspräsident, und Richard von Weizsäcker. Preisträger des letzten Jahres war der Neutestamentler Bischof Eduard Lohse.

    Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, ehemals Ehrensenator der Eberhard Karls Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas gestiftet. Die Evangelisch-theologische Fakultät vergibt den Preis alljährlich im Namen der Universität Tübingen.

    Weitere Informationen:

    Prof. Dr. Friedrich Schweitzer,
    Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät
    Tel.: 07071-2972538
    friedrich.schweitzer@uni-tuebingen.de

    Pressemitteilung

    Tübingen, 7. Februar 2008

    EBERHARD KARLS UNIVERSITÄT TÜBINGEN
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit * Michael Seifert
    Wilhelmstr. 5 * 72074 Tübingen
    Tel.: 0 70 71 / 29 - 7 67 89 * Fax: 0 70 71 / 29 - 5566
    E-Mail: presse1@verwaltung.uni-tuebingen.de
    Wir bitten um Zusendung von Belegexemplaren!


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Kunst / Design, Musik / Theater, Philosophie / Ethik, Religion, Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Personalia
    Deutsch


     

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