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Jenaer Nachwuchswissenschaftler wurden auf der Jahrestagung der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) in Frankfurt für ihre Forschungsarbeiten ausgezeichnet. Drei Mitarbeiter aus dem Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI) - erhielten Preise für mikrobiologische und biochemische Forschungsarbeiten.
Die VAAM ist mit ca. 3000 Mitgliedern die größte wissenschaftliche Organisation von Mikrobiologen in Deutschland. Auf ihrem Jahreskongress werden die jeweils besten Doktorarbeiten des Fachs aus dem vergangenen Jahr gewürdigt. Zwei der insgesamt drei Promotionspreise gingen in diesem Jahr an Wissenschaftler aus dem Jenaer Hans-Knöll-Institut. Sie erhielten Ihre Urkunden und ein Preisgeld in Höhe von 1600 Euro auf der soeben in Frankfurt/M. zu Ende gegangenen Tagung.
Die aus Mexiko stammende Biochemikerin Laila Pamela Partida-Martinez wurde für ihre wegweisenden Arbeiten zur Bildung eines Pflanzengiftes ausgezeichnet. Sie untersuchte eigentlich einen Pilz, der junge Reispflanzen befällt und zum Absterben bringt. Dabei fand sie heraus, das nicht der Pilz selbst das dafür verantwortliche Toxin bildet, sondern ein in ihm lebendes Bakterium. Wenn sie eine Pilzkultur mit Antibiotika behandelte, so konnten sich die Bakterien im Pilz nicht vermehren und folglich unterblieb auch die Toxinbildung. Inzwischen hat sie gemeinsam mit Abteilungsleiter Christian Hertweck und Kollegen aus der Abteilung Biomolekulare Chemie weitere Geheimnisse dieser sogenannten Endosymbiose gelüftet. Auf großes Interesse stößt auch das Gift selbst: Es behindert hocheffektiv die Zellteilung und könnte damit in der Krebsbehandlung Anwendung finden.
Robert Winkler hat sich in seiner Arbeit mit der Frage beschäftigt, wie Nitroverbindungen in der Natur hergestellt werden können. Er untersuchte - ebenfalls in der Abteilung Biomolekulare Chemie - ein neuartiges Enzym, das mit Hilfe von Mangan Sauerstoff aus der Luft zielgenau in Moleküle einbauen kann. Dieses Enzym, als N-Oxygenase bezeichnet, kann auch als Biokatalysator für technische Prozesse eingesetzt werden. Es stellt eine innovative Ergänzung zu bekannten chemischen Verfahren dar.
Die Ergebnisse aus beiden Dissertationen wurden in verschiedenen hoch angesehenen Fachzeitschriften wie Nature, Current Biology oder Angewandte Chemie International Edition veröffentlicht und lösten ein beachtliches internationales Echo aus.
Einen Preis für das beste Poster erhielt Daniel Scharf, der seine Diplomarbeit in der Abteilung Molekulare und Angewandte Mikrobiologie anfertigt. Er untersucht molekulare Regulationsmechanismen bei dem Schimmelpilz Aspergillus nidulans, der vieles mit einem nah verwandten Krankheitserreger gemeinsam hat. Als Abwehrmaßnahme bildet der menschliche Körper bei einer Infektion mit solchen Pilzen spezielle Sauerstoff-Verbindungen, die den Pilz schädigen. Durch Ausschalten eines Gens konnte Daniel Scharf zeigen, wie der Pilz mit diesem "oxidativen Stress" umgeht.
Axel Brakhage, der Direktor des HKI, freut sich mit den Preisträgern: "Solche Auszeichnungen sind schöne Erfolge, die die weitere berufliche Entwicklung unseres Nachwuchses fördern werden. Gleichzeitig gewinnt auch unser Institut, denn die gewürdigten Arbeiten beruhen auf der Zusammenarbeit mit vielen Kollegen des HKI, die hier an einem Strang ziehen. Wir freuen uns natürlich auch, dass die Mitglieder der Jury unser Institut mit diesen Preisen als bedeutendes Zentrum der mikrobiologischen Naturstoff-Forschung in Deutschland anerkennen."
Informationen zum HKI (www.hki-jena.de)
Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut - wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie humanpathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre Wirksamkeit gegen Pilzerkrankungen untersucht und zielgerichtet modifiziert.
Das HKI verfügt derzeit über fünf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universtät Jena (FSU) sind. Hinzu kommen drei Nachwuchsgruppen und vier Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Zur Zeit arbeiten 270 Menschen am HKI, darunter 70 Doktoranden.
Informationen zur Exzellenzinitiative (www.wissenschaftsrat.de/exini_start.html)
Gemeinsam mit der FSU Jena ist das HKI maßgeblich am einzigen thüringer Projekt der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder beteiligt. Die "Jena School for Microbial Communication" wird künftig bis zu 150 Doktoranden umfassen, die sämtliche Aspekte der Kommunikationsprozesse, an denen Mikroorganismen beteiligt sind, untersuchen. Nach dem Motto 'mikrobielle Kommunikation fördert menschliche Kommunikation' rücken die Institute des Beutenberg-Campus mit der FSU und deren Klinikum künftig noch enger zusammen und prägen Jena als "Stadt der Wissenschaft 2008".
Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft (www.wgl.de)
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 82 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Diese beschäftigen etwa 13.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 12/2006). Davon sind ca. 5.400 Wissenschaftler, davon wiederum 2.000 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1 Mrd. Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 225 Mio. Euro pro Jahr.
Informationen zur VAAM (www.vaam.de)
In der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) sind etwa 3000 mikrobiologisch orientierte WissenschaftlerInnen zusammengeschlossen. Die VAAM fördert den wissenschaftlichen Informationsaustausch und die Zusammenarbeit ihrer Mitglieder, mit dem Ziel, Forschungsergebnisse der Mikrobiologie zum Wohl der Gesellschaft und der Umwelt umzusetzen. VAAM-Mitglieder dienen auch als geschätzte Ansprechpartner für Fragen aus der Öffentlichkeit.
http://www.hki-jena.de Informationen zum Hans-Knöll-Institut
http://www.vaam.de Informationen zur VAAM
http://www.wgl.de Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft
Glückliche Gewinner: VAAM-Promotionspreise für Robert Winkler und Laila Pamela Partida-Martinez sowi ...
Quelle: HKI/Ramm
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie, Chemie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Personalia, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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