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09.04.2008 14:32

Workshop "Fühkindliche und Elementarbildung"

Nico Lindenthal M.A. & Dr. Birgitta Hohenester-Pongratz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Pädagogische Hochschule Heidelberg

    10. bis 12. April 2008 im Studio der Villa Bosch Heidelberg,
    finanziert durch die Klaus Tschira Stiftung, veranstaltet von
    Prof. Dr. Jeanette Roos und Prof. Dr. Hermann Schöler,
    Pädagogische Hochschule Heidelberg
    Veranstalter und teilnehmende Experten des Workshops laden zu einem Pressegespräch ein. Termin: Freitag, 10. April, 13 Uhr, alternativ um 18 Uhr. Ort: Villa Bosch, Schloss-Wolfsbrunnenweg 33, 69118 Heidelberg

    Vom 10.-12. April treffen sich in einem von der Klaus Tschira Stiftung finanzier-ten Workshop "Frühkindliche und Elementarbildung - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven" über 80 namhafte Expertinnen und Experten aus Hoch-schulen, Wissenschaft, Politik, Ministerien und Wirtschaft im Studio der Villa Bosch, um über den Stand der Frühkindlichen und Elementarbildung in Deutschland in verschiedenen Panel zu diskutieren.

    Erfreulicherweise widmen sich Politik und Wirtschaft vermehrt dem Thema Bildung, insbesondere der frühkindliche und Elementarbereich ist in die Diskussion gekom-men, und alle Bundesländer haben Bildungs- bzw. Orientierungspläne verabschiedet. Für diese Aufgaben fehlt allerdings Fachpersonal, das durch das bisherige Ausbil-dungssystem nicht hervorgebracht wurde. Der Anteil der Fachkräfte im Früh- und E-lementarbereich, die einen akademischen Abschluss haben, liegt in Deutschland bei unter drei Prozent - ganz anders in europäischen Ländern, die ihre Bildungssysteme nach dem so genannten Sputnik-Schock in den 1960er und 1970er Jahre reformiert haben: Dort ist die Ausbildung für Frühpädagogik meist universitär. Denn die früh- und elementarpädagogischen Aufgabenstellungen gehören sicherlich zu den kom-plexesten und anspruchsvollsten Tätigkeiten im Bildungssystem und erfordern daher vermehrt Personen, die selbstständig und reflexiv diese vielfältigen Problem- und Aufgabenstellungen bewältigen. Insofern ist letztlich eine Reform unabdingbar, auch bei der Bezahlung, denn diese liegt am unteren Ende der Lohnskala. Ein solches Sys-tem, in dem auch kaum Aufstiegschancen vorhanden sind, führt nicht dazu, dass sich die besseren Absolventinnen und Absolventen eines Abiturjahrganges, die einen Be-ruf im Bereich der Bildung anstreben, dem Früh- und Elementarbereich zuwenden. Da die Bezahlung nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren, fehlen Männer in die-sem Bildungsbereich, auch als männliche Sozialisationsvorbilder - ein weiteres Man-ko. Zumindest große Teile der Politik sehen das bisherige Ausbildungssystem im Früh- und Elementarbereich aber immer noch als "exzellent" an und befürchten nichts mehr als einen Systemwechsel durch eine Veränderung in Richtung einer Akademi-sierung: "Die neuen Angebote der Pädagogischen Hochschulen dienen der Qualifika-tion von Personal mit herausgehobener Funktion in der frühkindlichen Erziehung. An der exzellenten Ausbildung an den Fachschulen wird nicht gerüttelt" (Pressemitteilung der Landesregierung Baden-Württemberg Nr. 209/2007 vom 3. Juli 2007). Dazu im Widerspruch steht allerdings die Fortbildungsinitiative im Orientierungsplan Baden-Württembergs, eine solche wäre dann überflüssig.

    Neben wenigen privaten Stiftungen, wie der Klaus Tschira Stiftung, die die Weiterbil-dung der Erzieherinnen und die Qualitätsentwicklung in den Kindertagesstätten in Heidelberg fördert ("QUASI Heidelberg" und "Mit Kindern die Welt entdecken") oder der Bosch-Stiftung, die 2003 einen Schwerpunkt "Frühkindliche Bildung" eingerichtet hat und sich seit 2005 mit ihrem Programm "PiK - Profis in Kitas" um eine Professio-nalisierung von Frühpädagoginnen und -pädagogen bemüht, sind nun auch in der Po-litik erste Anzeichen für ein Umdenken erkennbar. In Baden-Württemberg wurden im Wintersemester 2007/2008 erste Bachelor-Studiengänge an den Pädagogischen Hochschulen zur Ausbildung von Frühpädagoginnen und -pädagogen etabliert. Auch an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg startete der Bachelor-Studiengang "Frühkindliche und Elementarbildung", zu dem 35 Studierende zugelassen wurden.

    Der Workshop soll dazu beitragen, die vorhandene Expertise im Inhaltsbereich für die akademische Ausbildung von Elementar- und Frühbildnern zu nutzen und zu bündeln, um nicht das Rad immer wieder neu erfinden zu müssen. In den Fachdisziplinen lie-gen zwar seit Jahrzehnten Erkenntnisse über die Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Kindern und die Notwendigkeit einer professionellen Unterstützung und Förde-rung dieser Prozesse vor, die Bildungspolitik hat eine Reform der Ausbildung bislang aber immer aus befürchteten Kosten unterlassen, ein Fehler, der sich hoffentlich län-gerfristig nicht rächen wird, denn die Reparaturkosten bei mangelhafter Bildung sind für eine Gesellschaft beträchtlich höher als die Prävention durch ein verbessertes Bil-dungssystem von Beginn an.

    Eine höhere Gewichtung des Bildungsauftrages von Kindertageseinrichtungen allein greift zu kurz. Seitens der Wissenschaft, aber auch seitens der Gewerkschaft und der Wirtschaft wurde eine strukturelle Veränderung und Akademisierung der Ausbildung für unbedingt notwendig erachtet und gefordert. Dazu gehören auch die Integration administrativer und politischer Zuständigkeiten für die Belange von Kindern innerhalb eines Ministeriums und Bemühungen um eine verstärkte bundesweite Kooperation beteiligter Institutionen. Norbert Hocke, Hauptvorstand der Gewerkschaft GEW, mein-te dazu in seinem Statement sinngemäß, dass es eines dringenden Perspektiven-wechsels in der Bildungsdiskussion bedarf: Es reiche nicht mehr aus, in Sonntagsre-den den Stellenwert der frühen Kindheit hervorzuheben, finanziell aber das System der Tageseinrichtungen für Kinder nicht mit mehr Ressourcen auszustatten. Prof. Dr. Jürgen Kluge als Vertreter der Wirtschaft ist ebenfalls davon überzeugt, dass jede Diskussion über Bildung ins Leere läuft, die nicht auch ökonomische Grundlagen be-rücksichtigt, die Bildung erst ermöglichen.

    Allein den Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen höher zu gewichten, greift zu kurz. Es ist dringend erforderlich, die Elementarbildung als öffentliche Pflichtaufga-be von hohem Stellenwert anzuerkennen. Die weitreichende Gestaltungsfreiheit auf lokaler wie Trägerebene wird der Anerkennung und Behandlung der Elementarbildung als eine solche öffentliche Pflichtaufgabe nicht gerecht. Sie verlangt ein höheres Maß an staatlicher Steuerung und Absicherung, um ein bedarfsgerechtes, qualitativ hoch-wertiges Bildungsangebot zu gewährleisten.

    Kontakt:
    Prof. Dr. Hermann Schöler
    Leiter des B. A.-Studiengangs "Frühkindliche und Elementarbildung"
    website: http://www.ph-heidelberg.de/org/felbi

    Abt. Psychologie in sonderpädagogischen Handlungsfeldern
    Institut für Sonderpädagogik, Fakultät I
    website: www.ph-heidelberg.de/wp/schoeler

    Pädagogische Hochschule Heidelberg
    Keplerstr. 87
    D - 69120 Heidelberg
    Tel.: (06221) 477-426
    e-mail: k40@ix.urz.uni-heidelberg.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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