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VUD stellt Ergebnisse einer Befragung der Vorstände der Universitätsklinika zur Lage der Hochschulmedizin vor
Die aktuelle Befragung der Universitätsklinik-Vorstände durch den Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) belegt die Gefährdung der Hochschulmedizin durch die Gesundheitspolitik von Bund und Ländern. Der Tarifvertrag für Ärzte an Universitätsklinika aus 2006 verursacht real zwischen 15-18% Mehrkosten, die in der aktuellen Struktur der Krankenhausvergütung nicht refinanzierbar sind und tendenziell die Stellen anderer Berufsgruppen gefährden. "Das Gesundheitswesen ist kein Ökonomie freier Raum", so VUD-Generalsekretär Rüdiger Strehl. "Massive Kostensteigerungen müssen in der Finanzierung von Uniklinika angemessen berücksichtigt werden, um den Verbund aus Forschung, Lehre und Krankenversorgung - und damit die Zukunft der Medizin in Deutschland - langfristig zu sichern", ergänzt Prof. Rüdiger Siewert, 1. Vorsitzender des VUD. Die Krankenversorgung ist dabei das Fundament der Hochschulmedizin, die die medizinische Forschung vorantreibt und den ärztlichen Nachwuchs ausbildet. Fehlende Innovationen in der Hochschulmedizin hemmen so auch die wirtschaftliche Entwicklung und Konkurrenzfähigkeit Deutschlands.
Diese Gesundheitspolitik bedroht eindeutig die Substanz der Hochschulkrankenhäuser. Der 2006 eingeführte Tarifvertrag für Ärzte an Universitätsklinika führt zu 15-18% Mehrkosten pro Arzt. Das Problem ist dabei nicht die Angemessenheit des Tarifabschlusses. Vielmehr sehen sich die Klinika nicht in der Lage, diese Kosten durch die von der Politik gedeckelten Krankenhausentgelte refinanzieren zu können. Die Hälfte der
Uniklinika wird Personal abbauen müssen, um wirtschaftlich zu bleiben. Für die laufenden Kosten fordert der VUD daher die Anbindung der Krankenhausvergütung an die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes. Exorbitante Tarifsteigerung, über die ohne die Universitätskrankenhäuser verhandelt wurde, müssen ausgeglichen werden. Die Länder gefährden ihren eigenen Versorgungsauftrag, wenn sie außerordentliche Tarife mit den Gewerkschaften aushandeln und die Folgen auf die Uniklinika abwälzen.
Die Erhebung belegt auch: je maroder die Infrastruktur, desto schlechter das Betriebsergebnis des Uniklinikums. Investitionen für die Hochschulmedizin müssen in Hinblick auf die besonderen Aufgaben der Universitätsklinika in der Forschung und Krankenversorgung erfolgen. "Forschung, Lehre und Krankenversorgung können an einem Universitätsklinikum nicht auseinander dividiert werden", so der Leitende Ärztliche Direktor des Uniklinikums Heidelberg und 1.Vorsitzende des VUD Prof. Rüdiger Siewert. Die Investitionsquote sollte verlässlich auf 12% angehoben werden. Für den Großteil der Krankenhäuser liegt sie heute bei nur 5%. Privatisierungen von Universitätsklinika sind keine Alternative zu einer verlässlichen Finanzierung, denn sie verschieben die Probleme nur in die Zukunft. Auch private Träger müssen Gewinne erwirtschaften und werden das Gesundheitssystem früher oder später belasten. VUD-Vorstand Strehl stellt klar: "Bund und Länder müssen bei den Angelegenheiten der Uniklinika an einem Strang ziehen und ihre öffentlichen Aufgaben wahrnehmen."
Medizinische Innovationen an Uniklinika kommen mittelfristig der gesamten Bevölkerung zugute. Die Hochschulkrankenhäuser erfüllen als "Supramaximalversorger" besondere Aufgaben in der Krankenversorgung. Sie halten ein maximales Angebot an medizinischen Leistungen und Infrastruktur vor und sind für viele Patienten die einzige Hoffnung. Trotzdem bietet der Großteil der Uniklinika seine Leistungen zu wettbewerbsfähigen Konditionen an. Ihre durchschnittlichen Preise liegen im Rahmen anderer Krankenhäuser, die weniger komplexe Aufgaben zu erfüllen haben. Doch nur ein Viertel der Hochschulkrankenhäuser erwirtschaftet Überschüsse und kann sich so selbst wettbewerbsfähige Konditionen schaffen.
http://www.uniklinika.de
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Wissenschaftliche Publikationen, Wissenschaftspolitik
Deutsch

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