idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
15.04.2008 10:48

Tropenholz aus heimischen Wäldern - Wissenschaftler machen Buchenholz haltbar. Sechstes Laborgespräch informiert über modifiziertes Buchenholz für den Außeneinsatz

Tilo Arnhold Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

    Leipzig/Göttingen. Ob Picknickbänke oder Gartenstühle: Wer nach Gartenmöbeln Ausschau hält, findet fast ausschließlich Produkte aus Tropenholz - von Herstellern und Verbrauchern geschätzt für seine hohe Widerstandsfähigkeit und Dauerhaftigkeit. Einheimische Baumarten wie die Buche galten bislang als wenig bis gar nicht geeignet für den Einsatz im Freien. Das Laborgespräch VI des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) stellt nun die Ergebnisse des Göttinger Forschungsverbundes "Innovative modifizierte Buchenholzprodukte" unter der Leitung von Professor Dr. Holger Militz der Abteilung Holzbiologie/ Holzprodukte der Universität Göttingen vor. Die Wissenschaftler des Verbundes haben eine neue Methode entwickelt, um die Widerstandsfähigkeit, die Oberflächenhärte und Dauerhaftigkeit von Buchenholz zu erhöhen und somit seinen Außeneinsatz zu ermöglichen.

    Mittels einer speziellen Substanz und des zweistufigen Verfahrens der Imprägnierung und Holzvernetzung haben die Forscher erreicht, dass Wasser nicht mehr in dem Maße wie bisher nachteilig auf das Holz einwirken kann. Das Material bleibt form- bzw. dimensionsstabil, d. h., es quillt und schwindet kaum noch unter Einfluss von Feuchtigkeit. Zudem ist es resistenter gegen Fäulnispilze - ein wichtiger Aspekt in punkto Langlebigkeit. Durch die innovative Methode rückt Buchenholz von der schlechtesten Dauerhaftigkeitsklasse V auf die Klasse I und II und bietet somit in allen Bereichen, in denen witterungsfestes Holz gefragt ist, eine langfristige Alternative zu tropischen Holzarten. Das schützt nicht nur den gefährdeten Baumbestand in den Tropen, sondern berücksichtigt auch die Tendenz zur nachhaltigen Waldwirtschaft, die zunehmend auf Mischwälder und einen hohen Anteil an Laubhölzern setzt.

    Hinter der optimierten Beschaffenheit von Buchenholz steckt eine wasserlösliche Substanz: "Dimethylol dihydroxy ethylene urea" (DMDHEU). Sie reagiert stark mit den freien Hydroxylgruppen der Zellulose und Hemizellulose. Freie Hydroxylgruppen sind ursächlich für die Anfälligkeit des Holzes. Durch einen Wechsel von Druck und Vakuum gelangt DMDHEU in das Innere des Holzes und versetzt es in einen dauerhaft gequollenen Zustand, indem es Vernetzermoleküle an die Hydroxylgruppen bindet. Zusätzliche Hitze und Magnesiumchlorid als Katalysator bewirken, dass sich die Moleküle untereinander oder mit der Zellwand vernetzen. Bei richtiger Koordination der Prozesse behält Buchenholz seine Vorzüge als herausragendes Formholz und gewinnt zudem alle Vorteile des Tropenholzes - eine hohe Dauerhaftigkeit, Dimensionsstabilität, Widerstandfähigkeit und Festigkeit. DMDHEU wird auch in der Textilbranche eingesetzt, um die Qualität von Zellulose zu verbessern.

    Der Forschungsverbund "Innovative modifizierte Buchenholzprodukte" ist eines von 25 Projekten, die im Förderschwerpunkt "Nachhaltige Waldwirtschaft" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) betreut die wissenschaftliche Begleitung und Koordinierung des Förderschwerpunktes "Nachhaltige Waldwirtschaft", den das BMBF im Zeitraum 2005 bis 2009 mit rund 27 Millionen Euro finanziert. Aufgabe des Koordinierungsbüros am UFZ ist es, auf nationaler und europäischer Ebene ein Netzwerk für Wissenschaft und Praxis zu schaffen. Der Förderschwerpunkt widmet sich bis 2009 vor allem drei Feldern: Wie kann die Wertschöpfungskette Forst-Holz sowohl gewinnorientiert als auch ökologisch verträglich und sozial gerecht optimiert werden? Wie können Waldlandschaften so genutzt werden, dass die Lebensqualität der Menschen verbessert wird und gleichzeitig die Ressourcen langfristig gewährleistet sind? Wie sieht der Wald der Zukunft aus?

    Links:
    Das vollständige Laborgespräch ist auf den Webseiten des Förderschwerpunktes nachzulesen:
    http://www.nachhaltige-waldwirtschaft.de/fileadmin/Dokumente/Aktuelles/Laborgesp...

    BMBF-Förderschwerpunkt "Nachhaltige Waldwirtschaft":
    http://www.nachhaltige-waldwirtschaft.de/
    Forschungsverbund Innovative modifizierte Buchenholzprodukte
    http://www.buchenholzmodifizierung.de/

    Weitere fachliche Informationen:
    Andreas Werntze
    Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
    Telefon: 0341-235-1816
    http://www.ufz.de/index.php?de=12792
    oder über:
    Doris Böhme / Tilo Arnhold
    Pressestelle Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
    Telefon: 0341-235-1269
    E-mail: presse@ufz.de

    oder über:
    Dr. Peter Rademacher
    Abteilung für Holzbiologie und Holzprodukte / Burckhardt Institut
    Universität Göttingen, Büsgenweg 4, 37077 Göttingen
    Tel. 0551-39-3562
    Fax 0551-39-9646
    http://www.wood.uni-goettingen.de/deutsch/personal.html

    Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ wurde 1991 gegründet und beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle/S. und Magdeburg rund 830 Mitarbeiter. Es erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften, insbesondere dicht besiedelten städtischen und industriellen Ballungsräumen sowie naturnahen Landschaften. Die Wissenschaftler des UFZ entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.
    Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).


    Weitere Informationen:

    http://www.ufz.de/index.php?de=14114


    Bilder

    [Laborgespräch VI] Überraschung für Kenner: Modifiziertes Buchenholz für den Außeneinsatz - Von der Chemie der Zelle bis zum Produkt
    [Laborgespräch VI] Überraschung für Kenner: Modifiziertes Buchenholz für den Außeneinsatz - Von der ...
    Quelle: Quelle: Metronom | Agentur für Kommunikation und Design GmbH, Leipzig


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Tier / Land / Forst, Werkstoffwissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).