idw - Informationsdienst
Wissenschaft
VolkswagenStiftung fördert zwei exzellente Ausbildungskonzepte zur Evolutionsbiologie an den Universitäten Tübingen und Potsdam. - Und: 16 Bewilligungen an hervorragende Doktoranden und Postdoktoranden
Die VolkswagenStiftung hatte im Jahr 2007 zum zweiten Mal einen Wettbewerb um innovative Ausbildungskonzepte zur Stärkung der Evolutionsbiologie an deutschen Hochschulen ausgeschrieben. Die Gewinner stehen jetzt fest. Es sind: die Universitäten Tübingen und Potsdam. Deren Vorhaben werden nun mit jeweils rund 300.000 Euro von der Stiftung unterstützt. Aus einer ersten Ausschreibungsrunde waren im Jahr 2006 die Universitäten München, Münster und Köln als Sieger hervorgegangen. Wir stellen Ihnen die beiden neuen Ausbildungskonzepte in Tübingen und Potsdam nachfolgend vor.
Zugleich können sich auch Doktoranden und Postdoktoranden in der "Förderinitiative Evolutionsbiologie" um Unterstützung bemühen. Hier waren diesmal 16 Bewerberinnen und Bewerber - sechs Postdoktoranden und zehn Doktoranden - erfolgreich, die mit insgesamt 2,7 Millionen Euro gefördert werden (siehe Übersicht am Ende dieser Presseinfo). Damit unterstützt die Stiftung seit Bestehen der Initiative inzwischen 30 junge Forscherpersönlichkeiten an deutschen Hochschulen auf diesem Gebiet.
Innovative Ausbildungskonzepte in Potsdam und Tübingen
"Evolution across Scales" - so lautet der Titel des neuen evolutionsbiologischen Ausbildungskonzepts an der Universität Potsdam. Übergeordnetes Ziel dieses Angebots ist die Stärkung der evolutionsbiologischen Lehre in den Biowissenschaften und jenen Naturwissenschaften, die sich mit Organismen beziehungsweise der gesamten Biosphäre beschäftigen - einschließlich der Geowissenschaften und der Theoretischen Physik. Entsprechend wird das Konzept dann auch getragen von den universitären Instituten für Biochemie und Biologie, Physik, Geowissenschaften und den vor Ort ansässigen Max-Planck-Instituten für Molekulare Pflanzenphysiologie sowie Kolloid- und Grenzflächenforschung. Damit werden zugleich zentrale, in Potsdam stark vertretene Wissenschaftsbereiche miteinander verbunden - von der Biologie und ihr verwandten Wissenschaften bis hin zu den Geowissenschaften und zur Klimafolgenforschung. Im Einzelnen sieht das neue Angebot so aus:
1. Acht neue Lehrmodule etwa zu "Evolutionärer Genomik", zur "Interaktion von Biosphäre und Geosphäre" oder auch zu Spezialthemen der Evolutionsbiologie verstärken die Lehre substanziell. Diese Module bestehen aus Vorlesungen, Labor- und Freilandkursen sowie Seminaren. Darüber hinaus sollen Module aus der Evolutionsbiologie in die Ausbildung anderer Naturwissenschaften einfließen: vor allem in die Geowissenschaften, Physik und Bioinformatik. Dieses Angebot trägt dem zunehmenden Interesse Studierender auch außerhalb der Biologie an evolutionsbiologischen Fragestellungen Rechnung. Gleichzeitig qualifizieren sich die Teilnehmer auf diese Weise für künftige interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeit.
2. Besonders guten Studierenden steht ein Intensiv-Lehrangebot im Rahmen des Master-of-Science-Programms "Ökologie, Evolution und Naturschutz" offen. Es ist zudem geplant, diese Studierenden in eine der am neuen Ausbildungskonzept beteiligten Forschergruppen aufzunehmen und ihnen zu ermöglichen, spezielle Lehrveranstaltungen zu besuchen sowie Kurse bei ausländischen Kooperationspartnern zu belegen. Auch erhalten diese Studierenden die Gelegenheit, als Tutoren zu arbeiten und sich im Wettbewerb mit anderen um Kick-off-Stipendien zum Start einer Promotion zu bewerben.
3. Die Initiatoren wollen durch die gemeinsamen Lehraktivitäten auch die weitergehende interdisziplinäre evolutionsbiologische Forschung zwischen Biologen, Geowissenschaftlern und Physikern stimulieren.
Kontakte
Universität Potsdam
Institut für Biochemie und Biologie
Prof. Dr. Ralph Tiedemann
Telefon: 0331 9775249
E-Mail: tiedeman@uni-potsdam.de
Prof. Dr. Florian Jeltsch
Telefon: 0331 9771954
E-Mail: jeltsch@uni-potsdam.de
Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächen-Forschung, Potsdam
Dr. Angelo Valleriani
Telefon: 0331 5679616
E-Mail: valleriani@mpikg-golm.mpg.de
Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzen-physiologie, Golm
Prof. Dr. Thomas Altmann
Telefon: 0331 5678256
E-Mail: altmann@mpimp-golm.mpg.de
Prof. Dr. Bernd Müller-Röber
Telefon: 0331 9772810
E-Mail: mueller@mpimp-golm.mpg.de
Das zweite erfolgreiche Vorhaben ist an der Universität Tübingen angesiedelt und wird von dem Verbund "Evolution and Ecology Forum Tübingen (EvE)" getragen. Mit ihrem Konzept "Tübingen in Evolution, Evolution in Tübingen" wollen die Initiatoren zum einen über verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und entsprechende Aktivitäten das Thema Evolutionsbiologie zumindest in Teilen der Gesellschaft substanzieller platzieren. Ansatzpunkte hierfür bieten der Unterricht in der Schule - gedacht ist auch an die Mitarbeit an einem neuen Lehrbuch -, die Ausbildung der Lehrer an den Universitäten und öffentliche Vortragsveranstaltungen. Eine bessere Ausbildung der Lehrer soll sowohl durch neue Angebote für Lehramtskandidaten als auch durch Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer erreicht werden.
Zum anderen verfolgen die Initiatoren das Ziel, evolutionsbiologische Denkansätze als "academic soft skill" zu etablieren - und zwar bewusst außerhalb der üblichen evolutionsbiologischen Lehrveranstaltungen. Dies bedeutet nicht nur, dass Evolution als übergeordnetes Thema in alle Lehrveranstaltungen im Fach Biologie integriert wird, sondern auch, dass entsprechende Kurse Studierenden anderer Fachgebiete angeboten werden. Ein weiterer Baustein sind Seminare mit international ausgewiesenen Experten. Die Initiatoren wollen Studierende zudem für interdisziplinär angelegte Projekte zum Thema Evolution interessieren - auch über finanzielle Anreize im Zuge einer erfolgreichen Beteiligung bei einer Antragstellung. Insgesamt 17 Professorinnen und Professoren an fünf Tübinger Fakultäten beziehungsweise Institutionen tragen das Konzept.
Kontakte
Universität Tübingen
Fakultät für Biologie Institut für Zoologie
Lehrstuhl für Evolutionsökologie der Tiere
Prof. Dr. Nico K. Michiels
Telefon: 07071 2974649
E-Mail: nico.michiels@uni-tuebingen.de
Institut für Geowissenschaften
Prof. Dr. Michal Kucera
Telefon: 07071 2974674
E-Mail: michal.kucera@uni-tuebingen.de
Neue Postdoktoranden und Doktoranden in der Initiative Evolutionsbiologie
Im Folgenden eine Übersicht der 16 erfolgreichen Bewerberinnen und Bewerber der Auswahlrunde 2008 - sechs Postdoktoranden und zehn Doktoranden -, die mit insgesamt rund 2,7 Millionen Euro gefördert werden.
--- Nächster Stichtag für personenbezogene Förderung ist der 15. Oktober 2008.
Postdoktoranden-Stipendien
1.) 216.600 Euro für das Postdoktoranden-Stipendium von Vera Weisbecker am Department of Earth Sciences der Universität Cambridge, Großbritannien, und am Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum der Universität Jena zum Thema "A developmentally focused comparative investigation of patterns and processes in mammalian brain evolution";
E-Mail: v.weisbecker@student.unsw.edu.au
2.) 193.000 Euro für das Postdoktoranden-Stipendium von Dr. Lutz Becks am Department Ecology and Evolutionary Biology der University of Toronto, Kanada, und am Zoologischen Institut der Universität Köln zum Thema "The effects of sex on the coevolution and dynamics of a predator-prey system";
E-Mail: lb273@cornell.edu
3.) 193.000 Euro für das Postdoktoranden-Stipendium von Dr. Katharina Foerster am Department Biologie II, AG Evolutionsökologie, der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Thema "Quantitative genetic analysis of selection trade-offs in natural populations";
E-Mail: foerster@orn.mpg.de
4.) 235.600 Euro für das Postdoktoranden-Stipendium von Dr. Sophie Armitage am Institut für Evolution und Biodiversität der Universität Münster zum Thema "Insect evolutionary immunology: the role of the Dscam gene in host-parasite coevolution";
E-Mail: saoarmitage@bi.ku.dk
5.) 212.300 Euro für das Postdoktoranden-Stipendium von Dr. Arndt Telschow am Institut für Evolution und Biodiversität der Universität Münster zum Thema "Genome Evolution of Wolbachia: Modelling and Data Analysis of Symbiosis and Speciation";
E-Mail: arndt@gmx.de
6.) 273.800 Euro für das Postdoktoranden-Stipendium von Dr. Jochen Brock Wacain Wolf am Department of Evolutionary Biology der Universität Uppsala, Schweden, zum Thema "Shades of black and grey. The genetic architecture of the European Crow hybrid zone";
E-Mail: jochen.wolf@uni-bielefeld.de
Doktorandenstipendien
1.) 133.600 Euro für das Doktorandenstipendium von Nijuscha Gruhn am Institut für Biologie/Angewandte Genetik, der Freien Universität Berlin zum Thema "The origin and evolution of the signaling pathway of the plant hormone cytokinin";
E-Mail: nijuscha.gruhn@googlemail.com
2.) 136.200 Euro für das Doktorandenstipendium von Fabian Corlier am Institut für Biologie II der Universität Freiburg zum Thema "Seed evolution and environmental adaptation - A comparative study of dormancy and endosperm weakening within the monophyletic clade Lepidium (Brassicaceae)";
E-Mail: fabian_corlier@hotmail.com
3.) 93.000 Euro für das Doktorandenstipendium von Charlotte Störmer am Zentrum für Philosophie der Universität Giessen und am Department of Animal and Plant Sciences der Universität Sheffield, Großbritannien, zum Thema "Mortality crises and their influence on human life histories - An evolutionary perspective on historical family data from the 18th and 19th century (Krummhörn, Germany)";
E-Mail: charlottestoermer@hotmail.com
4.) 157.700 Euro für das Doktorandenstipendium von Oscar Brusa am Department of Zoology der University of Cambridge, Großbritannien, und an der Tierärztlichen Hochschule Hannover zum Thema "Geographic variation in genetic, morphological and behavioural traits in Granular Poison Frogs, Dendrobates granuliferus";
E-Mail: oscar.brusa@tele2.it
5.) 117.600 Euro für das Doktorandenstipendium von Emanuel Heitlinger am Institute of Evolutionary Biology der University of Edinburgh, Großbritannien, und am Zoologischen Institut der Universität Karlsruhe zum Thema "Identification of early speciation genes in the invading parasite Anguillicola crassus";
E-Mail: DerELE@web.de
6.) 121.800 Euro für das Doktorandenstipendium von Michael Matschiner am Zoologischen Institut der Universität Basel, Schweiz, und am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-GEOMAR) zum Thema "Adaptive radiation in an extreme environment - genetic population structure in antarctic notothenioids";
E-Mail: michaelmatschiner@mac.com
7.) 111.600 Euro für das Doktorandenstipendium von Katharina Jörger an der Zoologischen Staatssammlung München zum Thema "Tracing evolution: Molecular phylogeny of the Acochlidia (Gastropoda, Opisthobranchia)";
E-Mail: k_joerger@hotmail.com
8.) 147.700 Euro für das Doktorandenstipendium von Dolors Amorós Moya am Institut für Evolution und Biodiversität der Universität Münster zum Thema "Evolution of codon usage preferences: genetic drift within the own genome";
E-Mail: damoromo@yahoo.es
9.) 134.100 Euro für das Doktorandenstipendium von Enrico König in der Arbeitsgruppe Systematik und Evolutionsbiologie der Universität Oldenburg zum Thema "Evolutionary characterization of antimicrobial peptides in the skin secretions of anuran amphibians";
E-Mail: enno@uni-jena.de
10.) 126.400 Euro für das Doktorandenstipendium von Katharina Hoffmann am Institut für Verhaltensbiologie der Universität Osnabrück zum Thema "Conflict and conflict-resolution in termite societies".
E-Mail: Katharina.Hoffmann@biologie.uni-regensburg.de
Kontakt
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381- 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
Förderinitiative Evolutionsbiologie
Dr. Henrike Hartmann
Telefon: 0511 8381- 376
E-Mail: hartmann@volkswagenstiftung.de
Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter
http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20080423.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Informationstechnik, Mathematik, Meer / Klima, Physik / Astronomie, Umwelt / Ökologie
überregional
Forschungsprojekte, Studium und Lehre
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).