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27.05.2008 10:47

Startschuss für Europas größtes Zentrum für Robbenforschung

Dr. Christian Jung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
VolkswagenStiftung

    Forschung zum Anschauen: In Rostock wird künftig das Verhalten von Robben untersucht. Inbetriebnahme der Station Anfang Juni. - Von den Arbeiten profitieren sowohl die Wissenschaft als auch die Öffentlichkeit.
    VolkswagenStiftung fördert Vorhaben im Rahmen einer Lichtenberg-Professur an der Universität Rostock für Professor Dr. Guido Dehnhardt mit 1,5 Millionen Euro.

    Die Hansestadt Rostock ist künftig ein Zentrum der Robbenforschung. Dies ermöglicht die VolkswagenStiftung mit einer Lichtenberg-Professur in Höhe von 1,5 Millionen Euro für Professor Dr. Guido Dehnhardt. Die Professur (mehr zum Förderinstrument am Ende dieser Presseinfo) ist angesiedelt am Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock.

    Filou, Luca, Malte, Nick, Bill, Henry, Sam, Moh und Marko heißen die Neuankömmlinge in Rostock. Gemeinsam mit Guido (Dehnhardt, siehe oben) und seinem Team junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tummeln sich die neun Seehunde im Alter zwischen zwei und 26 Jahren künftig im "Marine Science Center" in Warnemünde. Professor Dehnhardt beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit den Orientierungsmechanismen im Meer lebender Säuger; seine Arbeitsgruppe gilt als weltweit führend auf diesem Gebiet. In Rostock will er auch künftig in Langzeitstudien die Sinneswahrnehmung und die Unterwasserorientierung von Seehunden untersuchen. Zugleich soll Besuchern ermöglicht werden, die Tiere zu sehen und die Forschungsaktivitäten von außen mitzuverfolgen. "Unsere Forschung wird einsehbar", bringt es der Wissenschaftler auf den Punkt.

    Vor allem die Haltung der Robben in ihrem natürlichen Lebensraum macht den Charme der Forschungsstation aus. "Mit einem 60 mal 30 Meter großen und fünf Meter tiefen Gehege im Yachthafen Hohe Düne in Rostock-Warnemünde ist die Anlage die größte ihrer Art und die erste an der südlichen Ostseeküste", sagt Dehnhardt. Als eigentliche Forschungsstation dient ein ehemaliges Flussschiff, das in einer Werft in Polen in den vergangenen Monaten umgebaut wurde. Geplant ist, das Sonnendeck des Schiffes als Besucherplattform zu öffnen.

    Hintergrund Forschungsaktivitäten
    Wie können sich Meeressäuger in der Tiefe des Ozeans und bei Dunkelheit so offenkundig problemlos orientieren? Diese Frage stellt sich die Wissenschaft schon lange. Die Sinneswelt der Robben und anderer mariner Säuger ist erstaunlich und bisher nur ansatzweise verstanden. Bislang wurden die Sinnesleistungen dieser Tiere lediglich in Form klassisch sinnesphysiologischer Studien unter Laborbedingungen untersucht, wobei man hinsichtlich der Anpassung der Sensorik an den aquatischen Lebensraum zumeist von der Leistung und Funktion bekannter Sinnessysteme der Landsäuger ausging. Von der Forschung vernachlässigt hingegen wurden das Zusammenspiel der verschiedenen Sinnesleistungen mariner Säuger sowie ihrer kognitiven Fähigkeiten im Hinblick auf ihre Orientierung im aquatischen Lebensraum. In seinem "Freiwasser-Labor" will Guido Dehnhardt nun untersuchen, wie die verschiedenen Sinnesleistungen mariner Säuger und ihre kognitiven Fähigkeiten zusammenhängen, um letztlich ein Gesamtbild der Orientierungsleistungen zeichnen zu können.

    Dehnhardt arbeitet seit nunmehr 20 Jahren mit Meeressäugern: zunächst mit Delfinen und Seelöwen, seit rund zehn Jahren mit einer festen Gruppe von Seehunden. So gelang es ihm, eine Reihe wichtiger Erkenntnisse über die Fähigkeiten dieser Tiere zu gewinnen. Im Zuge seiner Forschung stieß er auf die sensiblen Barthaare der Robben, die als Sinnessystem eine große Rolle bei der Wahrnehmung von Wasserbewegungen spielen: Feinste Verwirbelungen dienen ihnen als Spur bei der Jagd nach Fischen. Diese und weitere Beobachtungen zu sensorischen und kognitiven Fähigkeiten bei den Robben - wie zum Beispiel Salzschmeckvermögen oder visuelle und akustische Informationen zur Orientierung - wird der Forscher nun im natürlichen Lebensraum weiter verfolgen. Denn die Universität Rostock als neue Wirkungsstätte bietet dem Lichtenberg-Professor die hierzulande wohl einzigartige Möglichkeit, mit den Tieren unter "Echt-Bedingungen" im Meer zu arbeiten. Rostock soll auf Dauer Heimathafen für seine Forschung sein.

    Hintergrund Lichtenberg-Professuren
    Mit ihrer Förderinitiative "Lichtenberg-Professuren" - benannt nach dem Mathematiker, Physiker und Philosophen Georg Christoph Lichtenberg (1742 bis 1799) - gibt die VolkswagenStiftung einen Anstoß für die Eröffnung alternativer Qualifizierungs- und Berufungswege an deutschen Hochschulen. Der Leitgedanke hinter dieser Initiative lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Ziel ist es, herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Verbindung mit innovativen Lehr- und Forschungsfeldern zu fördern und damit auch zu einer Profilbildung der besten unter den deutschen Hochschulen beizutragen - im Interesse des Wissenschaftsstandortes Deutschland. Mit den Lichtenberg-Professuren sollen also in einem Zug sowohl thematische als auch strukturelle und forschungspolitische Akzente gesetzt werden.

    Kontakt
    Universität Rostock
    Institut für Biowissenschaften,
    Sensory & Cognitive Ecology
    Prof. Dr. Guido Dehnhardt
    Telefon:: 0178-7483046
    E-mail: dehnhardt@marine-science-center.de

    Kontakt
    VolkswagenStiftung
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Dr. Christian Jung
    Telefon: 0511 8381 - 380
    E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

    Kontakt Förderinitiative
    "Lichtenberg-Professuren"
    Dr. Anja Fließ
    Telefon: 0511 8381 - 374
    E-Mail:fliess@volkswagenstiftung.de

    Der Text der Presseinformation sowie Bilder stehen im Internet zur Verfügung unter http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20080527.


    Bilder

    Guido Dehnhardt und seine Robben
    Guido Dehnhardt und seine Robben
    Quelle: Klaus Siebahn, Güstrow

    Filou zieht um
    Filou zieht um
    Quelle: Guido Dehnhardt, Universität Rostock


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Gesellschaft, Informationstechnik, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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