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17.06.2008 16:03

vhbw-Jahrestagung: "Gleichwertig aber andersartig - gleichartig aber anderswertig?"

Anette Schober-Knitz Pressestelle
Hochschule Biberach

    Der Verband der Hochschullehrer Baden-Württemberg (vhbw) - Dachverband des
    Verbandes Hochschule und Wissenschaft Baden-Württemberg (vhw) und des
    Hochschullehrerbundes Baden-Württemberg (hlb) - stellt seine diesjährige
    Jahrestagung an der Hochschule Biberach unter das Thema: "Gleichwertig aber
    andersartig - gleichartig aber anderswertig?"
    Nach dem Festvortrag des Vorsitzenden der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen
    in Baden-Württemberg, Prof. Dr. Winfried Lieber, wird anschließend in einer
    Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Landtagsfraktionen, des
    Wissenschaftsministeriums und der Rektorenkonferenz intensiv das Tagungsthema in
    all seinen Facetten beleuchtet.

    Der gesamte Hochschulbereich hat in den letzten Jahren gravierende
    Veränderungsprozesse durchlaufen: Die Implementierung unternehmensähnlicher
    Organisationsstrukturen durch das Landeshochschulgesetz, die Modularisierung der
    Studiengänge und der Übergang vom Diplom zu den neuen gestuften
    Studienabschlüssen Bachelor und Master sowie die im Januar 2005 eingeführte WBesoldung - eine Professorenbesoldung mit leistungsorientierten Elementen, wobei die Leistungsmessung nach wie vor eine der Hauptschwierigkeiten darstellt - verändern das Hochschulleben nachhaltig. Zudem hat die Landesregierung aufgrund mittelfristig steigender Studentenzahlen und des im Jahr 2012 anstehenden doppelten Abiturientenjahrganges in ihrem "Masterplan Hochschule 2012" das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2012 schrittweise zusätzliche 16.000 Studienanfängerplätze an den Hochschulen und Berufsakademien des Landes einzurichten. Bei der Finanzierung dieser Studienanfängerplätze erwartet das Land eine 50%-Kostenbeteiligung der Hochschulen selbst - ein Beitrag, der gerade von den bekanntermaßen chronisch unterfinanzierten Fachhochschulen mit Einbußen bei der Qualität bezahlt werden wird,
    wie der vhbw befürchtet.
    Die Fachhochschulen, die bei ihrer Gründung qua Gesetz im Vergleich mit den
    Universitäten als "gleichwertig aber andersartig" charakterisiert wurden, stehen nach dem Übergang auf das Bachelor/Master-System im unmittelbaren Wettbewerb mit den Universitäten. In diesem Wettbewerb der zunehmenden Gleichartigkeit der Hochschulen fordert der vhbw von der Landesregierung Chancengleichheit für die Fachhochschulen ein.
    Der Verband der Hochschullehrer Baden-Württemberg - Dachverband von vhw und hlb - ist mit knapp 1300 Mitgliedern der größte Zusammenschluss von Professorinnen und Professoren an baden-württembergischen Hochschulen (früher: Fachhochschulen). Er setzt sich für eine positive Entwicklung des Hochschultyps Fachhochschule im Interesse der Studierenden und der Absolventinnen und Absolventen ein.
    Nach wie vor ist offen, ob die Vielzahl der eingeleiteten Reformen der letzten Jahre zum Nutzen oder zum Schaden des Hochschulsystems sein wird. Vieles wird dabei von einer adäquaten Mittelausstattung der Fachhochschulen im durch die Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge an allen Hochschulen verschärften Wettbewerb mit den Universitäten abhängen. Der vhbw fordert daher die Landesregierung mit Nachdruck auf, die bereits bisher insbesondere bei Sachmitteln vollkommen unterfinanzierten Fachhochschulen mit neuen Mitteln zur Umsetzung der hinzugewonnenen Aufgaben auszustatten.
    Bezüglich des Masterplanes "Hochschule 2012" der Landesregierung, der die Maßnahmen und Randbedingungen zur Schaffung der mittelfristig benötigten 16.000 zusätzlichen Studienanfängerplätze in Baden-Württemberg beschreibt, fordert der vhbw Korrekturen in folgendem Sinn: Die Landesregierung wird aufgefordert, eine adäquate Finanzierung für den Ausbau der Hochschulen vorzusehen, die den unterschiedlichen Sachvoraussetzungen der einzelnen Hochschularten insbesondere in den Bereichen Lehrdeputat der Professoren, Ausbau des Mittelbaus, Sachmittelzuweisung, Drittmittelfinanzierung, Institutsausstattung
    und räumliche Gegebenheiten gerecht wird.
    Der derzeit für die Hochschulen vorgesehene Eigenbeitrag von 50% zum Ausbau der
    Studienanfängerplätze wird andernfalls insbesondere an Fachhochschulen zu Einbußen bei der Qualität führen. Betrachtet man den in der ersten Ausbautranche für die Jahre 2007/2008 eingeschlagenen Weg an den einzelnen Hochschulen, so ist bereits zu erkennen, dass die Fachhochschulen ihre "Leistungs- und Effizienzreserve" mit Einbußen in der
    Qualität bezahlen. Teilweise Abkehr vom Prinzip der professoralen Lehre an
    Fachhochschulen, weitere zeitlich befristete Erhöhung der Lehrverpflichtungen (was dann womöglich zur Dauereinrichtung werden kann), Steigerung der durchschnittlichen Gruppengrößen, Umwidmung (ohnehin kaum vorhandener) Sachmittel sind einige der (untauglichen) vorgeschlagenen Maßnahmen des Masterplanes, die offensichtlich die Qualität der Lehre - bisher unbestritten eine Stärke der Fachhochschulen - negativ beeinflussen.
    Mit Blick auf die vom Bundesgesetzgeber vorgeschriebene Überprüfung der W-Besoldung zum Jahreswechsel 2007/2008 fordert der vhbw die Landesregierung auf, den durch die Föderalismusreform gewonnenen gesetzgeberischen Gestaltungsspielraum im Bereich des Hochschulrechtes zu nutzen, um die W-Besoldung hinsichtlich folgender Gesichtspunkte zu reformieren:
    1. Amts-, qualifikations- und aufgabenangemessenes Grundgehalt.
    2. "Tenure Track" auch an Fachhochschulen
    Die Landesregierung eröffnet im Gesetz zur Umsetzung der Föderalismusreform im
    Hochschulbereich durch die Ermöglichung des so genannten "Tenure Track" einen
    Karriereweg für Juniorprofessoren und Dozenten innerhalb der eigenen Universität. Der vhbw begrüßt diese Einrichtung, fordert aber entschieden die Ausweitung dieser Regelung auf alle Hochschularten. Es ist nicht einzusehen, dass beim Übergang zur W-Besoldung das Hausberufungsverbot (von Besoldungsstufe W2 nach W3) an den Fachhochschulen verschärft und gleichzeitig an den Universitäten durch den o.a. Karriereweg gelockert wird.
    3. Weiterhin ist dringend das System der Leistungszulagen sowie die Bedingungen der Ruhegehaltsfähigkeit und der Dynamisierung von Besoldungsanteilen zu reformieren und dabei deutlich zu vereinfachen.

    Text: Prof. Dr. Volker Reuter
    Stv. Landesvorsitzender des vhw, Mitglied des Vorstandes des vhbw


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    fachunabhängig
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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