idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Die ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat ein innovatives Projekt zur Integration und Umsetzung von Genderaspekten in technische Fachhochschulstudiengänge durchgeführt. Hintergrund sind Ingenieur/innen-Mangel und die demographische Entwicklung mit abnehmender Studierendenzahl. Im Juli ist der Schlussbericht des Projekts erschienen.
Technische Fachhochschulen müssen heute innovative Ausbildungen anbieten und ihre Studien-gänge attraktiv gestalten, um junge Männer und Frauen für ein Studium zu gewinnen. Die Projektverantwortlichen befassten sich darum mit der Frage, wie sich technische Fachhochschulstudien-gänge interessanter für beide Geschlechter gestalten lassen, um ihnen eine vielfältige, interdisziplinäre, gesellschafts- und praxisorientierte Ausbildung zu ermöglichen. Der Fokus richtete sich auf die drei technischen Studiengänge Elektrotechnik, Unternehmensinformatik und Biotechnologie an der ZHAW.
Um nachhaltige Veränderungen in den Curricula und der Organisationskultur dieser Studiengänge zu bewirken, war der Einbezug der Entscheidungsträger/innen - Departements- und Studiengangsleiter sowie Dozierende - ein zentrales Element des Projektes. Insgesamt 14 Dozierende waren zu verschiedenen Zeitpunkten und in unterschiedlichen Rollen in das Projekt miteinbezogen und konnten massgeblich die Resultate mitbestimmen. Die Perspektive der Studierenden wurde über eine Befragung ermittelt.
Erste Erkenntnisse umgesetzt
Der Reflexionsprozess über Gendergerechtigkeit hat dazu geführt, dass die beteiligten Dozieren-den und Studiengangsleiter die Unterrichtsinhalte, die Modulbeschreibungen und den Auftritt gegen aussen teilweise modifiziert haben. Sie beziehen z.B. in den allgemeinbildenden Fächern die Lebenswelten beider Geschlechter mit ein, sie fördern die für die Praxis wichtige Teamarbeit und stellen den Praxisbezug her. Übereinstimmend positiv und veränderungswürdig beurteilen die Dozierenden den vermehrten inhaltlichen Bezug zum künftigen Berufsfeld sowie die Wirkung von Vorbildern. Sie schlagen zum Beispiel vor, dass vermehrt Berufsfrauen aus der Praxis als Dozen-tinnen in den drei Studiengängen auftreten sollten, oder dass bei den Praktika bewusst nach
Betrieben gesucht wird, in denen (Führungs-)Frauen beschäftigt sind.
Technikbegriff erweitern
Technische Studiengänge an schweizerischen Fachhochschulen sind nach wie vor auf die Aneignung von Faktenwissen ausgerichtet, arbeiten mit einem insgesamt eher eng gefassten Technikbegriff und thematisieren noch kaum, dass technische Projekte heute komplex und in politische und soziale Spannungsfelder eingebettet sind. Jungen Frauen und Männern, die den Gesellschaftsbezug von Technik hervorheben und das männlich bestimmte Image von Technik kritisch wahrnehmen, kommt dieser traditionelle Zugang nicht entgegen.
Undogmatischer, entdramatisierter Umgang mit der Geschlechterkategorie
Für die Integration von Genderaspekten in technische Fachschulstudiengänge ist ein undogmatischer Umgang mit der Geschlechterkategorie wichtig, der auf die Unterschiedlichkeit der Studierenden insgesamt, d.h. auf Diversity zielt. Der Geschlechterbegriff sollte nicht nur die jungen Frauen, sondern bewusst die Perspektive junger Männer und potenzieller Studenten miteinschliessen.
Der vom Arbeitsmarkt, aber auch von vielen Studierenden gewünschte Nachhaltigkeits-, Gesell-schafts- und Kontextbezug oder die NutzerInnenorientierung haben auf den ersten Blick kaum etwas mit der Kategorie Geschlecht zu tun. Genau hier liegt aber ein Schlüssel zum Erfolg an technischen Fachhochschulstudiengängen: Ohne die Geschlechterverhältnisse zu dramatisieren oder überhaupt explizit zu thematisieren, kann eine sehr grosse geschlechterspezifische Wirkung erzielt werden. Mit der gezielten Platzierung von neuen Begriffen wie Nachhaltigkeit oder Gesellschaftsbezug können die technischen Departemente neue AdressatInnenkreise ansprechen und für ein Studium gewinnen - nicht zuletzt junge Frauen.
Erfolgreiche Beispiele von Gendergerechtigkeit
Der wissenschaftliche Schlussbericht eröffnet für die Gleichstellungsbemühungen an technischen Fachhochschulstudiengängen neue Perspektiven. Zum ersten Mal wurden für die Schweiz überblicksartig Beispiele für best practice vorgestellt, die bestehende Fachliteratur situationsbezogen ausgewertet und damit Aussagen zur Gendergerechtigkeit auf die spezifischen Bedürfnisse von technischen Studiengängen an schweizerischen Fachhochschulen heruntergebrochen.
Das Projekt Gendergerechte technische Fachhochschulstudiengänge entstand in Zusammenarbeit der Fachstelle Gender Studies der ZHAW und dem INE Institut für Nachhaltige Entwicklung; Projektträger war Prof. Martin V. Künzli, Direktor der ZHAW School of Engineering (SoE). Finanziert wurde das Projekt durch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT und die SoE.
Weitere Informationen
Theresia Weiss Sampietro, Projektleitung, ZHAW, INE Institut für Nachhaltige Entwicklung, Telefon +41 58 934 78 84, E-Mail thea.weiss@zhaw.ch
Medienstelle
ZHAW Corporate Communications, Claudia Gähwiler, Telefon +41 58 934 74 96
E-Mail claudia.gaehwiler@zhaw.ch
http://Link zum Schlussbericht
https://home.zhaw.ch/~brre/gendergerechte_technische_fachhochschulstudiengaenge....
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Elektrotechnik, Energie, Gesellschaft, Informationstechnik, Pädagogik / Bildung
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).