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21.08.2008 16:32

Bielefelder Wissenschaftspreis 2008 geht an den Historiker Quentin Skinner

Torsten Schaletzke Pressestelle
Universität Bielefeld

    Der Bielefelder Wissenschaftspreis 2008, verliehen von der Stiftung der Sparkasse Bielefeld im Gedenken an den großen Soziologen Niklas Luhmann, geht an den englischen Historiker Quentin Skinner.

    Quentin Skinner ist Regius Professor (d.h. von der englischen Königin selbst ernannter Professor) für Moderne Geschichte an der Universität Cambridge. Skinner gilt als einer der international herausragenden Ideengeschichtler. Die Jury für den Bielefelder Wissenschaftspreis würdigt mit der Preisvergabe insbesondere seine Arbeiten zur politischen Philosophie, mit denen er Weltruf erlangt hat.
    Mit seinem Werk "The Foundations of Modern Political Thought" ist er zum Begründer der sogenannten Cambridge School of Intellectual History geworden. Seine Bücher haben viele Auflagen erfahren und sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden.

    Der Wissenschaftspreis wird im Rahmen eines Festakts am 30. Januar 2009 in der Universität Bielefeld an Quentin Skinner verliehen. Die Laudatio auf den Preisträger wird der Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth halten.

    Ihr Ansprechpartner für Fragen und weitere Informationen:

    Ingo Lohuis
    Leiter Referat für Kommunikation
    Universität Bielefeld
    Tel.: (0049) 521 106-4145, -4146
    E-mail: pressestelle@uni-bielefeld
    www.uni-bielefeld.de

    Der Bielefelder Wissenschaftspreis in Kürze:

    - verliehen durch die Stiftung der Sparkasse Bielefeld im Gedenken an Niklas Luhmann, in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Bielefeld und der Universität Bielefeld

    - für die Stiftung der Sparkasse ist der Preis ein wichtiges Element ihres Förderschwerpunktes "Wissenschaft und Forschung", mit dem sie ihren Beitrag zur Weiterentwicklung des Hochschulstandortes Bielefeld leisten möchte

    - der Preis ist dotiert mit 25.000 Euro

    - er richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland, insbesondere aus den Gesellschafts-, Sozial- und Lebenswissenschaften

    - er wird alle zwei Jahre verliehen

    - über die Preisträger entscheidet eine Jury, die sich aus namhaften Persönlichkeiten zusammensetzt. Den Vorsitz hat Prof. Dr. Dieter Timmermann (Universität Bielefeld)

    - bisherige Preisträger waren 2004 die deutschen Soziologen Renate Mayntz und Fritz W. Scharpf und 2006 der amerikanische Rechtsphilosoph Ronald Dworkin

    Begründung der Jury für den Bielefelder Wissenschaftspreis zur Preisverleihung an Quentin Skinner

    Quentin Skinner, seit 1996 Regius Professor (d.h. von der englischen Königin selbst ernannter Professor) of Modern History an der University of Cambridge, hat die politische Ideengeschichte auf eine neue Grundlage gestellt. Er wendet sich gegen eine Ideengeschichte, welche die großen Werke der politischen Philosophie nur aus sich heraus verstehen will und den historischen Kontext, in dem sie entstanden sind, für irrelevant hält. Ebenso entschieden verwirft er aber auch eine Ideengeschichte, die ein Werk allein aus dem Kontext erklären zu können meint. Zwar ist für Skinner kein Werk der politischen Philosophie ohne den Kontext, in dem es entstanden ist, verständlich, denn jeder Autor schreibt im Blick auf die Probleme seiner Zeit und im Rahmen der Erfahrungen und Denkmöglichkeiten seiner Zeit. Ebensowenig ist aber ein Werk der politischen Philosophie allein aus seinem Kontext erklärlich, denn es handelt sich um die individuelle Stellungnahme des Autors zu Problemen seiner Zeit, die zwar ihrem Kontext selbst dort nicht entrinnen kann, wo sie die bisherigen Vorstellungen überschreitet, durch ihn aber nicht determiniert wird.

    Wegen der Bedingtheit aller Werke der politischen Philosophie wendet sich Skinner auch gegen die verbreitete Annahme, in der politischen Ideengeschichte seien zeitlos gültige Wahrheiten aufgehoben, die jede Zeit zur Lösung ihrer Probleme abrufen könne. Wer in diesem Sinn hofft, aus der Geschichte lernen zu können, irrt. Wer glaubt, aus den Antworten großer Philosophen auf grundlegende Fragen Nutzen für die Gegenwart ziehen zu können, wird die Erfahrung machen, dass die Antworten in einem anderen zeitlichen oder kulturellen Zusammenhang so unterschiedlich wirken, dass man zweifeln kann, ob es sich noch um dieselben Fragen handelt. Die Ideengeschichte ist deswegen aber nicht etwa irrelevant für die Gegenwart. Doch geht es um eine Relevanz, die jenseits der Nutzanwendung auf das Heute liegt. Die Beschäftigung mit der Ideengeschichte kann vielmehr helfen, die Bedingtheit der eigenen Vorstellungswelt aufzudecken, und damit gerade zur genaueren Wahrnehmung der Gegenwart beitragen. Am Ende steht für Skinner die Mahnung: "We must learn to do our own thinking for ourselves."

    Praktiziert hat Skinner diese Methode in zahlreichen Büchern und Abhandlungen zur politischen Philosophie der frühen Neuzeit, vor allem bei Macchiavelli, Bodin, Hobbes und Milton, die akribische Textanalyse mit genauer Ermittlung der Bezüge des intellektuellen wie auch des politisch-sozialen Umfelds verbinden. Mit seinem frühen zweibändigen Werk "The Foundations of Modern Political Thought" ist er zum Begründer der sogenannten Cambridge School of Intellectual History geworden. Seine Bücher haben viele Auflagen erfahren (die "Foundations" allein neunzehn) und sind in viele Sprachen übersetzt worden. Er gilt inzwischen als der weltweit herausragende Ideengeschichtler und belebt mit seinen historischen Forschungen auch den aktuellen Diskurs. Obwohl er im Zuge seiner Arbeiten oft nach Deutschland geblickt und sich dabei insbesondere mit zwei berühmten Bielefeldern, Niklas Luhmann und Reinhart Koselleck, auseinandergesetzt hat, auch ein Jahr Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin war, ist unter den zahlreichen Ehrungen, die ihm zuteil geworden sind, bisher keine aus Deutschland.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Philosophie / Ethik, Religion
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Personalia
    Deutsch


     

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