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Wissenschaft
Die Universität Tübingen und das Institut für Wissensmedien (Tübingen) verlegen die beobachtende Naturforschung von Charles Darwin, Begründer der modernen Evolutionstheorie, in einem gemeinsamen Schul- und Forschungsprojekt in die Gegenwart.
Im Sommer 2009 geht es für die Schüler einer Tübinger Oberstufe für einige Tage an die spanische Mittelmeerküste. Sie wollen im Rahmen einer Studienfahrt das Verhalten und den Körperbau innerhalb einer Fischfamilie, den Meerbrassen, beobachten. Dies jedoch nicht nur anhand von Filmmaterial oder im Labor, sondern - und das ist eher ungewöhnlich innerhalb des Curriculums an deutschen Schulen - in der freien Natur. Die SchülerInnen sollen nach Erklärungen für Artenverwandtschaft und Artenwandel suchen.
Als Exkursionsteilnehmer werden sie mit viel Praxisbezug dazu befähigt, selbst zentrale Erkenntnisse der Evolutionsbiologie durch Beobachtung abzuleiten. Unterstützt werden sie dabei durch ihre Lehrer und wissenschaftliches Fachpersonal. Während der Studienzeit vor Ort, in einem eigens eingerichteten Ausbildungszentrum an der katalanischen Küste, unternehmen die Schüler Schnorchelgänge im Mittelmeer, gewinnen Präparationen beim Landgang auf dem Fischmarkt und sammeln Daten, die sie mit Hilfe modernster Computer- und Medientechnik analysieren. Sie interpretieren dabei ökologische und morphologische Beobachtungen, wie ihnen dies einst Charles Darwin bei der Beobachtung seiner berühmten Galapagosfinken vormachte. Das Projekt mit Namen "Darwin ver. 2.0: Re-Discovering Evolution in Europe" wird anlässlich des Darwinjahrs 2009 als eines von vier Vorhaben zum Thema "Evolutionsbiologie und Schule" von der Volkswagenstiftung mit jeweils 100.000 Euro gefördert. Es verbindet eher klassisch-theoretische Auswertungsverfahren, etwa von Datensätzen zur Nahrungsökologie, mit spannenden "real world und hands-on" Erfahrungen. Jeder Exkursion voran geht neben einem Schnorcheltraining in der Heimat auch eine inhaltliche Vorbereitungsphase im Fachunterricht. Dabei werden evolutionsbiologische Themen in verschiedenen Disziplinen (z.B. Biologie, Geschichte, Religion oder Ethik) behandelt, um so den Schülern möglichst breite Grundkenntnisse zu vermitteln. Anschließend begeben sich die Schüler in der freien Natur auf die Spurensuche und (Wieder-)Entdeckung der Darwin'schen Beobachtungen. Den modernen Darwins stehen dabei heute - im Gegensatz zu ihrem historischen Vordenker - neben der Möglichkeit der Lebendbeobachtung auch moderne High-Tech-Geräte für ihre Forschung zur Verfügung. Um zu gewährleisten, dass der Wissenserwerb bestmöglich unterstützt wird, wurde das Schüler-Programm professionell von Tübinger Medienpsychologen, Didaktikern, Biologen und Informatikern konzipiert und umgesetzt. Die Exkursion verspricht abwechslungsreiche Tage, bei denen nicht nur grundlegende Phänomene der Evolution erlebbar werden, sondern auch sicherlich der Spaß am Lernen nicht zu kurz kommt.
Kontakt:
Prof. Dr. Peter Gerjets
Institut für Wissensmedien
Konrad-Adenauer-Str. 40
72072 Tübingen
Tel: 07071 979-219
Fax: 07071 979-126
p.gerjets@iwm-kmrc.de
Prof. Dr. Sven Gemballa
Fakultät für Biologie, Zoologisches Institut, Evolution and Ecology Forum (EvE)
Auf der Morgenstelle 28
72076 Tübingen
Tel: 07071 760-157
sven.gemballa@uni-tuebingen.de
Hintergrundinformation:
Die Projektteilnahme an Darwin ver. 2.0 ist als Wettbewerb ausgeschrieben. Interessierte Klassen können dabei eine allgemeine Studienfahrt um die betreuten Forschungstage ergänzen. Bedingungen für die Teilname sind u.a. die Einbettung der Aktivitäten des Projektes in den Unterricht an der heimatlichen Schule, die Einreichung eines Zeitrasters für die Studienfahrt und die Erstellung eines Konzepts, wie sie selbst über die Aktivitäten in der regionalen Presse berichten werden. Als Leistungen erhalten die Schüler Reisekostenzuschüsse, fachliche Unterstützung und hochwertige Materialien für den Biologieunterricht an ihrer Schule. Die Volkswagen-Stiftung fördert mit ihrer Initiative die Erforschung zentraler Fragen der Evolutionsbiologie und deren Verankerung in der schulischen und universitären Lehre. Konzipiert und wissenschaftlich betreut wird das Projekt vom Zoologischen und Kognitionspsychologischen Institut der Universität Tübingen sowie der außeruniversitären Leibniz-Forschungseinrichtung Institut für Wissensmedien Tübingen.
Das Institut für Wissensmedien verfügt über ausgewiesene Expertise auf dem Gebiet der Lehr-/ Lernforschung, insbesondere im Bereich des informellen Lernens (Lernen im Museum, im Internet, mit Social Software etc.) zum Wissenserwerb und Wissensaustausch mit digitalen Medien. Das Institut ist eines von 82 Mitgliedern der Leibniz-Gemeinschaft. Für nähere Informationen besuchen Sie uns bitte im Internet unter http://www.iwm-kmrc.de.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie, Pädagogik / Bildung
überregional
Forschungsprojekte, Schule und Wissenschaft
Deutsch

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