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08.09.2008 11:43

Virus lässt Zuckerrüben einen Bart wachsen

Dipl.-Biol. Stefanie Hahn Pressestelle
Julius Kühn-Institut

    Nach der Entdeckung neuer Virus-Typen geht der Kampf der Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts gegen das Rhizomania-Virus in eine neue Phase.

    (Quedlinburg) Das "süße" Wurzelwerk der Zuckerrübe hat es nicht nur dem Menschen angetan. Auch das Rhizomania-Virus - wissenschaftlich BNYVV für Beet necrotic yellow vein virus - findet offenbar Geschmack an ihm. Bei einem Virusbefall verkümmert die Hauptwurzel der Rübe und es bilden sich Bündel von dünnen Seitenwurzeln. Da diese wie ein Bart anmuten, wird die Viruskrankheit Wurzelbärtigkeit der Rübe genannt. Bei der Infektion seines Rüben-Wirtes erhält das Rhizomania-Virus Hilfe von einem bodenbürtigen Pilz namens Polymyxa betae. Einmal im Boden vorhanden, wird man den Krankheitserreger nicht mehr los.

    "Bisher gibt es keine Bekämpfungsmöglichkeiten gegen das Virus direkt. Die Ernteeinbußen können lediglich durch klassische Resistenzzüchtung vermindert werden", berichtet Dr. Thomas Kühne vom Julius Kühn-Institut in Quedlinburg. Dazu werden Gene in aufwendigen Kreuzungen aus wilden Vorfahren der Zuckerrübe übertragen. Die so erhaltenen toleranten Pflanzen werden zwar vom Virus befallen und es vermehrt sich auch in den Rübenzellen, jedoch tritt die Krankheit nicht auf. Somit erhält man erntefähige Zuckerrüben. "Da Viren jedoch sehr anpassungsfähig sind, war es nur eine Frage der Zeit, dass neue Virus-Typen entdeckt würden, die auch bei solchen partiell resistenten Zuckerrüben die Wurzelbärtigkeit auslösen", erklärt Kühne.

    Gerade haben JKI-Wissenschaftler auf einem Symposium in Quedlinburg über zwei neue Virustypen aus Großbritannien berichtet und ein neuer Typ, der große Ähnlichkeiten mit einem BNYVV aus China hat, ist an einem Standort in Sachsen-Anhalt nachgewiesen worden. "Für uns bedeutet das, dass wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen dürfen", sagt Dr. Kühne. Um beim Wettlauf mit den Viren mithalten zu können, versuchen die Virologen am JKI herauszufinden, welche Gene einzelne Isolate des BNYVV aggressiver machen als andere. Dabei entwickeln sie auch die für die weitere züchterische Verbesserung der Resistenz notwendigen Diagnosemethoden. Denn nur wenn man weiß, mit welchem Krankheitserreger man es zu tun hat, kann man die Pflanzen per Züchtung dagegen wappnen. Neben Rhizomania und Rübe werden in Quedlinburg auch die beiden bodenbürtigen Mosaikviren der Wintergerste, BaYMV und BaMMV, sowie weitere durch Polymyxa (Pilze) übertragenen Viren an Weizen, Roggen und Tritikale (ein Futtergetreide) untersucht.

    Informationen zu den Tagungsbeiträgen finden sich im englischen Abstractband der Tagung unter: http://www.iwgpvfv2008.bafz.de/ (S. 27, 37)

    Ihr Ansprechpartner vor Ort:
    Dr. Thomas Kühne
    Leiter des Instituts für Epidemiologie und Pathogendiagnostik am
    Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
    Erwin-Baur-Str. 27, 06484 Quedlinburg
    Tel.: 03946/47-502
    E-Mail: thomas.kuehne(at)jki.bund.de


    Weitere Informationen:

    http://www.iwgpvfv2008.bafz.de/


    Bilder

    Mit Rhizomania-Virus infizierte Rübe
    Mit Rhizomania-Virus infizierte Rübe
    Quelle: Foto: Renate König


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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