idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
23.09.2008 13:20

Wie Nervenzellen kommunizieren

Gesine Wiemer Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

    Nachwuchswissenschaftlerin erhält Preis des Forschungsverbundes Berlin für Dissertation über Synapsen im Gehirn

    Die Biologin Dr. Anja Gundlfinger erhält den diesjährigen Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis des Forschungsverbundes Berlin e.V. Die Preisträgerin hat mit ihrer Dissertation zu einem besseren Verständnis der Funktionsweise von Synapsen beigetragen. Synapsen sind die spezialisierten Verbindungsstellen im Gehirn, die die Kommunikation zwischen einzelnen Nervenzellen, den Neuronen, ermöglichen. Die Arbeit entstand an der Charité im Rahmen des Exzellenzclusters NeuroCure, Anja Gundlfinger wurde im Frühjahr 2008 an der Humboldt-Universität promoviert.

    Anja Gundlfinger hat in ihrer Arbeit die Moosfaser-Synapse des Hippokampus untersucht. Der Hippokampus ist ein Bereich des Gehirns, der unter anderem für die Gedächtniskonsolidierung sorgt. Gedächtnisinhalte werden dabei vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis überführt. Pathophysiologisch spielt der Hippokampus eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von zum Beispiel Alzheimer oder auch Epilepsie. Die Moosfaser-Synapse stellt einen wichtigen Verarbeitungsschritt im hippokampalen Schaltkreis dar, ihre exakte Funktion ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.

    Die Arbeit von Anja Gundlfinger hat nun zu einem besseren Verständnis der physiologischen Charakteristika der Moosfaser-Synapse beigetragen. Gundlfinger hat zunächst untersucht, wie die Übertragung von Signalen zwischen zwei Neuronen mittels der Moosfaser-Synapsen durch den Neuromodulator Adenosin reguliert werden kann. Neuromodulatoren sind körpereigene Substanzen, die die Arbeitsweise des Nervensystems beeinflussen. In ihrer Dissertation konnte Anja Gundlfinger aufklären, welche intrazelluläre Signalkaskade durch Adenosin aktiviert wird und damit eine verminderte Ausschüttung von Neurotransmittern bewirkt.

    In einem weiteren Teil der Dissertation untersuchte Anja Gundlfinger den Zusammenhang zwischen Kurz- und Langzeit-Plastizität an der Moosfaser-Synapse. Kurzzeit-Plastizität bezeichnet eine vorübergehende Veränderung der Stärke einer synaptischen Verbindung, die wichtig ist für die kurzfristige Verarbeitung von Eingangssignalen im Gehirn. Langzeit-Plastizität moduliert dagegen diese Verbindungen dauerhaft - dies ist der Mechanismus, der das Lernen ermöglicht. Anhand von elektrophysiologischen Experimenten und mathematischer Modellierung konnte Anja Gundlfinger die Ausprägung der Kurzzeit-Plastizität an der Moosfaser-Synapse detailliert beschreiben. Damit kann sie vorhersagen, wie sich diese Synapse genau im zeitlichen Verlauf der Verarbeitung von Eingangssignalen verhält. Weiterhin konnte sie darlegen, inwieweit das Auftreten von Langzeit-Plastizität die Kurzzeit-Plastizität an der Moosfaser-Synapse beeinflusst. Mit diesen Erkenntnissen konnte sie eine These aufstellen, welchen Nutzen die Kurzzeit-Plastizität im neuronalen Netz Hippokampus haben könnte.

    "Meine Ergebnisse tragen dazu bei, die Funktionsweise und Relevanz des komplexen und ungewöhnlichen Systems der Moosfaser-Synapse besser zu verstehen", erklärt Anja Gundlfinger die Bedeutung ihrer Arbeit. "Langfristig können sie dabei helfen, die Funktion der hippokampalen Formation als Ganzes zu entschlüsseln."

    Prof. Dietmar Schmitz, Direktor des Neurowissenschaftlichen Forschungszentrums an der Charité, hat Anja Gundlfinger für den Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis empfohlen: "Sie ist eine hervorragende Wissenschaftlerin mit großem Potenzial auf dem Gebiet der Neurowissenschaften." Der Preis des Forschungsverbundes Berlin e.V. ist mit 3000 Euro dotiert. "Ich habe mich wahnsinnig über den Preis gefreut, er rundet meine schöne Erinnerung an Berlin ab", sagt Anja Gundlfinger, die mittlerweile als Postdoc am Institut für Hirnforschung an der Universität Zürich forscht. Nachdem sie sich bisher eher mit den Eigenschaften einzelner Synapsen und Nervenzellen beschäftigt hat, wendet sie sich nun dem neuronalen Netzwerk zu, um die Funktion des Hippokampus als Ganzes zu verstehen.

    Hintergrundinformation zum Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis
    Der Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis des Forschungsverbundes Berlin e.V. (FVB) ist im Jahr 2001 erstmals vergeben worden. Mit der jährlichen Auszeichnung will der FVB besondere Leistungen junger Wissenschaftlerinnen würdigen. Damit möchte der Verbund dazu beitragen, der Forschungstätigkeit neue Impulse zu geben und den Anteil hervorragender Wissenschaftlerinnen in der Forschung zu erhöhen. Der Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis zeichnet eine herausragende Promotion in einem Forschungsgebiet aus, das von den Instituten des Forschungsverbundes Berlin bearbeitet wird. Die Arbeitsfelder der acht Institute liegen unter anderem in den Bereichen IuK-Technik, Strukturforschung, Optoelektronik und Laserforschung, Mikrosystemtechnik, Neue Materialien, Angewandte Mathematik, Molekulare Medizin und Biologie, Veterinärmedizin, Biotechnologie und Umweltforschung.

    Die Preisverleihung findet am 5. November 2008 um 19 Uhr in Adlershof, Rudower Chaussee 17, im Einstein-Kabinett statt. Anfragen zur Teilnahme an der Veranstaltung bitte an wiemer@fv-berlin.de.


    Bilder

    Anja Gundlfinger hat den Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis 2008 des FVB gewonnen
    Anja Gundlfinger hat den Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis 2008 des FVB gewonnen
    Quelle: privat


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Mathematik, Medizin
    regional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).