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Wissenschaft
Menschliche Zuwendung in letzter Lebensphase
Wiesbaden (jft) - Vom 25. bis 27. September 2008 treffen sich rund 1.500 Experten zum 7. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen. "Unter dem Motto 'Identität im Wandel' geht es uns nach 25 Jahren Aufbauarbeit nun darum, die in der Palliativmedi-zin tätigen Ärzte, Pfleger, Psychologen, Seelsorger, Sozialarbei-ter und Ehrenamtler enger zu vernetzen", so Kongresspräsident Professor Dr. Norbert Frickhofen bei einer Pressekonferenz am 25. September 2008. Darüber hinaus fordern die Experten, die 2007 gesetzlich verankerte "spezialisierte ambulante Palliativver-sorgung" (SAPV) zügig in die Praxis umzusetzen.
Unheilbar kranke Menschen psychosozial zu unterstützen und ihre körper-lichen Beschwerden zu lindern - das ist Aufgabe der Palliativmedizin. Sie legt sich wie ein schützender Mantel (lat. pallium) um Schwerstkranke und Sterbende. In den kommenden Jahren wird der Bedarf an Palliativmedizin noch steigen. Hauptgrund: Die Menschen werden immer älter und Krebs-erkrankungen nehmen weiter zu. Und die meisten unheilbar kranken Men-schen wünschen sich, ihr Leben in ihrer häuslichen Umgebung zu beenden.
Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, hat der Gesetzgeber im Jahr 2007 die so genannte spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) auf den Weg gebracht. Die Umsetzung dieses Konzeptes lässt al-lerdings noch auf sich warten. Doch Ende Juli 2008 haben die Spitzenver-bände der Krankenkassen die zum Aufbau der Versorgungsstrukturen er-forderlichen Empfehlungen veröffentlicht. "Wir begrüßen es sehr, dass nun tatsächlich die Chance besteht, jedem Menschen ein schmerzfreies und würdevolles Lebensende an dem Ort seiner Wahl zu ermöglichen", so Pro-fessor Dr. Raymond Voltz, Vizepräsident der DGP. "Konkretisierungen sind nötig, um eine bedarfsgerechte Versorgung betroffener Patientinnen und Patienten sowie die Begleitung ihrer Angehörigen zu ermöglichen."
Aus Sicht der Spezialisten wird der Komplexität der Versorgungssituation Schwerstkranker bislang nicht ausreichend Rechnung getragen. Darüber hinaus mangele es an Ausführungsbestimmungen, wie die besonderen Be-lange von schwerstkranken Kindern und Jugendlichen berücksichtigt wer-den sollen. Auch die Möglichkeit, ärztliche Leistungen in stationären Hospi-zen im Rahmen der SAPV in Anspruch zu nehmen, sei noch nicht geklärt. "Wir plädieren dringend für eine Stärkung der allgemeinen Palliativversor-gung. Dann kann die SAPV auch denjenigen Patienten zugute kommen, bei denen besonders schwierige und symptombelastete Krankheitsverläufe vorliegen", so Voltz. Für Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, ändern sich die Prioritäten, wenn Patienten nicht mehr geheilt werden können: "Dann liegt der Fokus auf palliativmedizini-scher Behandlung, vor allem auf Schmerzkontrolle und psychosozialer Be-gleitung. Die Palliativmedizin ist ein originär ärztliches Aufgabenfeld mit vielen Berührungspunkten zu anderen Fachgebieten. Das hat natürlich Kon-sequenzen für die Gestaltung der Fort- und Weiterbildung." Hoppe sieht die formalen Voraussetzungen erfüllt, betont jedoch: "Wir sind noch längst nicht am Ziel. Wichtige Wegmarken sind aber erreicht."
Auch die Deutsche Krebshilfe bemüht sich um weitere Fortschritte in der Palliativmedizin. "Wir appellieren an Bund und Länder, sich in Zukunft noch stärker als bisher für die Palliativmedizin einzusetzen", so Hauptgeschäfts-führer Gerd Nettekoven. "Die Palliativmedizin muss flächendeckend umge-setzt und ein Netz von Einrichtungen zur palliativmedizinischen Versorgung ausreichend finanziert werden. Wir sind bestrebt, gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und allen anderen im Bereich der Palliativmedizin engagierten Organisationen und Einrichtungen, auch in Zukunft tragfähige Konzepte zu erarbeiten, damit der Bedarf an qualitätsge-sicherter palliativmedizinischer Versorgung in Deutschland gedeckt werden kann. In diesem Sinne denken wir auch über die Einrichtung eines weiteren, gezielten Förderprogrammes nach."
Weitere Informationen zum 7. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin gibt es bei der Kongress-Pressestelle unter der Telefon-nummer 0171/ 8 38 26 19 und per E-Mail: info@dgpkongress2008.de.
Infokasten: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin
Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) wurde 1994 gegründet und richtet seit 1996 alle zwei Jahre wissenschaftliche Kongresse aus. Sie fördert die Kooperation von Ärzten verschiede-ner Disziplinen, des Krankenpflegepersonals und anderer Berufsgrup-pen, die mit der ambulanten und stationären Betreuung unheilbar Kranker befasst sind. Mitglieder in der DGP sind über 2.600 in der Palliativversorgung tätige Ärzte, Pflegefachkräfte und Vertreter weite-rer Professionen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter:
www.dgpalliativmedizin.de.
Deutsche Krebshilfe
Als am 7. April 1983 die erste Palliativstation an der Chirurgischen Klinik der Universität zu Köln eröffnet wurde, musste man Deutsch-land noch als palliativmedizinisches Entwicklungsland bezeichnen. Die Deutsche Krebshilfe e.V. ist maßgeblich an der Etablierung der Pallia-tivmedizin in Deutschland beteiligt. In den letzten 25 Jahren hat die Deutsche Krebshilfe insgesamt rund 60 Millionen Euro in den Aufbau palliativmedizinischer Versorgungsstrukturen, in Stiftungsprofessuren, in Forschungsprojekte zu palliativmedizinischen Inhalten sowie in die Förderung der Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Palliativ-medizin investiert.
Interviewpartner auf Anfrage!
Bonn, 25. September 2008
Abdruck honorarfrei
Beleg erbeten
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin
überregional
Pressetermine, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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