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Wissenschaft
Nr. 310
Von Kreuzzügen gegen die "Sekte" Muhammads
Torquemada contra Segovia - Polemik gegen Verständigung
Als Konstantinopel fiel, hielt auch im Westen die Furcht vor den Türken Einzug. Papst Pius II. trommelte zum Kreuzzug gegen die "Sekte" Muhammads und beauftragte seinen "Chefideologen" Juan de Torquemada mit der Abfassung eines antiislamischen Traktats. Doch es gab auch andere Stimmen: So warb Juan de Segovia für die friedliche Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam. Aus überlieferten Handschriften - sog. Textzeugen - erschließt sich Philologen um Prof. Dr. Reinhold F. Glei (Klassische Philologie) im Disput beider Theologen noch immer aktueller Bezug.
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Traktat "mit heißer Nadel"
Nach nur viermonatigem Studium einschlägiger antiislamischer Literatur erstellte der scharfzüngige Kurienkardinal Juan de Torquemada im Auftrag des Papstes (ca. 1459) ein Traktat der 40 wichtigsten Irrlehren (Tractatus contra principales errores perfidi Machometi) samt Widerlegung: Von den Irrtümern über Trinität und Christologie (Irrlehren 1-7), Engel und Dämonen (Irrlehren 17-20) Ehe, Scheidung, Sexualität (Irrlehren 27-30) bis zum Weinverbot (Irrlehre 33) dem Verhältnis der Schöpfung zu Gott (Irrlehre 34) und der generellen Falschheit und Lügenhaftigkeit (Irrlehre 40). Torquemadas Tractatus wird derzeit gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am Seminar für Klassische Philologie der Ruhr-Universität erstmals ediert. Den Bochumer Philologen stehen dafür 14 Handschriften und 5 Drucke aus verschiedenen Bibliotheken zur Verfügung.
Christlich-muslimisches Gemeinschaftsunternehmen
Quasi Gegenbild seines spanischen Landsmannes Torquemada ist Juan de Segovia. Schon auf dem Konzil von Basel (1431-1449) trafen beide vehement aufeinander - Torquemada als Vertreter eines universalen päpstlichen Machtanspruchs, Segovia als Befürworter der Konzilsautorität. Für Segovia war klar, dass man nur durch eine genaue Kenntnis des Korans überhaupt in einen Dialog mit den Muslimen eintreten konnte. Und so widmete er sich gemeinsam mit dem Korangelehrten und Vorsteher der muslimischen Gemeinde seiner Heimatstadt Segovia, Isa Gidelli, dem spektakulärsten Projekt des ausgehenden Mittelalters: einer peniblen Neuübersetzung des Korans als christlich-muslimisches Gemeinschaftsunternehmen. Zwar blieb das Fernziel die Bekehrung der Muslime, doch stand zunächst ein vertieftes Verständnis des Islams im Vordergrund.
Was verschollen und erhalten ist
Während dieses für die Wissenschaft unersetzliche Dokument christlich-muslimischer Verständigung verschollen ist, blieb Segovias Islamtraktat erhalten. Er hatte ihn aufgrund der durch die neue Koran-Übersetzung gewonnenen Erkenntnisse zu überarbeiten begonnen. In einem Brief an seinen Freund, den deutschen Kardinal Nikolaus von Kues, mahnte Segovia bereits 1454: "ob man nicht von der notwendigen Verteidigung abgesehen viel mehr den Weg des Friedens als des Krieges zur Überwindung der Sekte Muhammads beschreiten solle". Nikolaus von Kues hatte in seiner Schrift "Über den Religionsfrieden" die utopische Vision einer globalen Konferenz der Religionen entworfen.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Reinhold F. Glei, Klassische Philologie, Fakultät für Philologie der Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234/32-22761, -28761, Email: Reinhold.F.Glei@rub.de
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Religion
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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