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Wissenschaft
MAINZ - Für seine herausragenden Forschungsarbeiten im Bereich der psychosomatischen Kardiologie erhält Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig, Forscher am
Helmholtz-Zentrum München, den diesjährigen Roemer-Preis. Die Preisverleihung findet am Freitag den 20. März um 18.30 Uhr im Rahmen des gemeinsamen
Kongresses von DGPM (Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie) und DKPM (Deutsches Kollegium für Psychosomatische
Medizin) in Mainz statt. Ladwigs in diesem Zusammenhang prominenteste wissenschaftliche Arbeit wurde in der Novemberausgabe 2008 der renommierten Zeitschrift Archives of General Psychiatry veröffentlicht. Die Publikation basiert auf einer methodisch hochwertigen, DFG-geförderten Studie, die unter Ladwigs Leitung von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München, der Klinik für Psychosomatische Medizin an der Technischen Universität München und dem Deutschen Herz-Zentrum durchgeführt wurde. An der Studie nahmen insgesamt 250
Patienten teil, die einen schweren Herzinfarkt oder einen plötzlichen Herzstillstand überlebt hatten und bei denen zur Vorbeugung eines erneuten Herzstillstandes ein schrittmachergroßer automatisch funktionierender
Defibrillator eingepflanzt worden war. Das ist ein Gerät, das im Falle eines plötzlichen Herzversagens kurze starke elektrische Impulse aussendet,
um damit wieder eine regelmäßige Herzaktivität anzustoßen. 147 Patienten erfüllten das Einschlusskriterium eines besonders belastenden Erkrankungsbeginns, wie etwa das Überleben eines lebensbedrohlichen
Ereignisses. Diese Patienten wurden im Rahmen der Studie fünf Jahre lang nachbeobachtet. Dramatischer Erkrankungsbeginn hat Folgen Die Wissenschaftler hatten zu Beginn der Untersuchung die Patienten eingehend danach befragt, wie
sie den dramatischen Beginn ihrer Erkrankung seelisch verkraftet hatten. Dabei fragten sie insbesondere nach Symptomen, die typischerweise bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auftreten:
- Intrusionen, das heißt angstvolle, sich aufdrängende bohrende Erinnerungen an das lebensbedrohliche Geschehen
- Vermeiden von Verhaltensweisen, die an das Ereignis erinnerten
- nervöse Unruhe oder Hypervigilanz (Überwachheit)
Mit diesem Symptombündel wurden Patienten identifiziert, deren Leben durch immer wiederkehrende bedrohliche Erinnerungen an ihre Erkrankung bestimmt
ist und die dadurch in einem andauernd angstvollangespannten Zustand leben. Ein zentrales Ergebnis der Studie war, dass diese Patienten ein dreieinhalbmal
höheres Risiko aufweisen, früher als diejenigen Patienten zu sterben, die nicht an PTBS-Symptomen leiden und sich mit ihrer Erkrankung arrangieren können.
Der beschriebene Effekt der PTBS auf die Sterblichkeit erwies sich als unabhängig von allen anderen Risikofaktoren wie etwa Patientenalter oder körperlichen und psychischen Begleiterkrankungen. Bei Patienten mit PTBS muss der Studie zufolge in 1000 Patientenjahren mit 80 Todesfällen gerechnet werden,
bei Patienten ohne PTBS mit 55 Todesfällen. Traumatisierung viel ernster nehmen
"Wir müssen den Symptomen einer PTBS - insbesondere den intrusiven Symptomen - bei diesen Patienten in Zukunft viel mehr Aufmerksamkeit widmen", betont Ladwig als entscheidende Konsequenz dieser Ergebnisse. Den betroffenen Patienten müsse mehr Hilfe angeboten werden, bei Bedarf auch eine psychotherapeutische
Begleitung.
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Stand: 18.03.2009, Veröffentlichung honorarfrei, für Belege sind wir dankbar
Nähere Informationen und ausführliche Presseunterlagen zum gemeinsamen
Kongress von DKPM und DGPM bei
Dr. med. Thomas Bißwanger-Heim
Gerstenhalmstr. 2
79115 Freiburg
Tel. 0761 / 488 2 777 oder 0170 24 04 992
E-Mail pressereferent@dgpm.de
Fax 0761 / 488 2 778
nähere Informationen zur DGPM unter www.dgpm.de
nähere Informationen zum DKPM unter www.dkpm.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin
überregional
Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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