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Wissenschaft
Berlin, 23. März 2009. Deutschland läuft Gefahr, im Kampf gegen die akute Wirtschaftskrise ein langfristiges Problem noch zu verschärfen: Es droht ein struktureller Mangel an Ingenieurinnen und Ingenieuren, der durch kurzsichtiges Verhalten noch verschlimmert werden könnte. Schon mittelfristig können junge Kräfte nicht einmal die altersbedingt ausscheidenden Ingenieure ersetzen. Für ein Wachstum der Wirtschaft nach der Krise ist das Land so schlecht gerüstet. Doch wie kann dem Ingenieurmangel wirkungsvoll begegnet werden? acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften hat bei einem Nachwuchsgipfel am 23. März Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vorgelegt.
Zentral ist dabei die Erkenntnis, dass die Entscheidung für oder gegen eine technisch-naturwissenschaftliche Laufbahn meist schon in der Kindheit und im Jugendalter fällt, auch wenn die Studien- und Berufsbedingungen ein wichtiger Faktor sind. Die systemisch angelegten Empfehlungen zeigen, wie vom Kindergartenalter an Technikinteresse entwickelt und Talent gefördert werden kann. Die Empfehlungen der Akademie wollen bestehende - oftmals punktuell angelegte Initiativen - zusammenführen und insbesondere Wirtschaft und Politik in die Lage versetzen, jetzt wirksam und schnell zu handeln.
Für acatech Präsident Joachim Milberg kommt es darauf an, dass die Aufarbeitung des Kenntnisstandes tatsächlich zu Verbesserungen führt: "Unsere Handlungsempfehlungen richten sich an Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Wichtig ist uns, nicht nur langfristige Strategien, sondern auch kurzfristig wirksame Handlungsoptionen aufzuzeigen. Zwei Stellschrauben lassen sich sehr kurzfristig beeinflussen: So sollten wir darauf hinwirken, die Abbruchquote im Studium zu verringern und eine technikwissenschaftliche Laufbahn für Frauen attraktiver zu gestalten." Nach seinen Worten haben die Analysen zugleich Wissenslücken aufgedeckt - beispielsweise bei der Frage, wie der Zugang von jungen Menschen mit Migrationshintergrund zu einer Laufbahn als Ingenieur oder Ingenieurin verbessert werden kann. Technikaffine Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund beschränken sich nämlich auf vielfach klassische Ausbildungsberufe, auch wenn sie die Chance zu einem Ingenieurwissenschaftlichen Studium hätten.
Die gesamten Empfehlungen sowie Hintergrundinformationen und druckfähige Fotos sind zu finden unter www.acatech.de/nachwuchsgipfel.
Drei zentrale Elemente der Nachwuchsstrategie sind:
QUALIFIZIERUNG VON ERZIEHERN UND LEHRERN
Das fachliche und fachdidaktische Wissen bei den Erzieherinnen und Erziehern im Kindergartenbereich ist oftmals nicht ausreichend. Technik und Technikwissenschaften spielen in der Lehreraus- und Lehrerfortbildung nur eine untergeordnete Rolle. acatech spricht sich nachdrücklich für eine gezielte Qualifizierung des pädagogischen Personals aus, das in Kindergärten und Schulen unterrichtet. Die Qualifikation in Technik- und Naturwissenschaften muss vielfach verbessert werden - sowohl fachlich als auch didaktisch.
IMAGE VON TECHNIK UND INGENIEURBERUF
Der Großteil der technisch-naturwissenschaftlichen Berufe hat massive Vermittlungsprobleme in der gesellschaftlichen Technikkommunikation. Um das Informationsdefizit über technische Berufe auszuräumen und das Berufsimage des Ingenieurs wirksam zu beeinflussen und zu verändern, empfiehlt acatech Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, gemeinsam ein bundesweites Marketing- und Kommunikationskonzept zu entwickeln, damit das zwar positive aber teils falsche Image von Technik in der Gesellschaft von alten Mythen befreit und an die Realität moderner Ingenieurberufe angenähert wird.
FÖRDERUNG UND GLEICHSTELLUNG VON FRAUEN
Ein zentrales Element der acatech Nachwuchsstrategie ist die Förderung und Gleichstellung von Frauen in MINT-Berufen. Nach wie vor gilt Technik als männliche Domäne. Mit rund 20 % ist der Anteil von Studentinnen in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen nach wie vor zu gering, auch und besonders im internationalen Vergleich. Der Anteil von Frauen an den erwerbstätigen Ingenieuren (rund 11 Prozent) zeigt zudem, dass etwa die Hälfte der Absolventinnen nicht den erlernten Beruf ausübt.
Arbeitsbedingungen und Umfeld technischer Berufe sind für Frauen in Deutschland derzeit wenig attraktiv. Andere Länder machen es vor: Verbesserungen auf diesem Gebiet können schnell große Wirkung haben, denn der Ingenieursmangel ist insbesondere ein Ingenieurinnenmangel. Verbesserungen sind nötig für das Studium, die Berufsfindung und während des Berufsweges, der auch einen Wiedereinstieg ermöglichen sollte. Mentoring, Role Models und Tutoring sind entscheidend, um mehr Frauen für die Aufnahme eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums zu gewinnen.
acatech wendet sich mit den Empfehlungen auch an die Wirtschaft. In der gegenwärtigen schwierigen wirtschaftlichen Situation kann sie durch eine kontinuierliche Einstellungspraxis positive Signale setzen. acatech empfiehlt nicht nur langfristiges Denken bei der Personalplanung, sondern setzt sich aktiv dafür ein, dass der konjunkturelle Einbruch nicht zu einer allzu zurückhaltenden Einstellungspraxis der Unternehmen führt, die künftige Studierende von einem technikwissenschaftlichen Studium abschreckt. Ein solcher "Schweinezyklus" würde den Ingenieurmangel zusätzlich verstärken.
Um gerade in der derzeitigen Situation auf die langfristige Bedeutung des Techniknachwuchses für Innovation und Wohlstand in Deutschland aufmerksam zu machen, hat acatech diesem Thema am 6. März einen Round Table gewidmet. Führende Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Medien haben dort über Lösungen diskutiert, damit kurzfristige Maßnahmen in der Krise nicht das Wachstum der Zukunft kosten. Die Beiträge, Bilder und Hintergründe dieses wichtigen Bausteins der acatech Strategie Techniknachwuchs sind unter www.acatech.de/round-table gesammelt.
http://www.acatech.de/nachwuchsgipfel
Staatssekretär Andreas Storm (BMBF) sprach die Key Note auf dem acatech Nachwuchsgipfel
Quelle: Quelle: D. Ausserhofer / acatech
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Chemie, Elektrotechnik, Maschinenbau, Verkehr / Transport, Werkstoffwissenschaften
überregional
Schule und Wissenschaft, Studium und Lehre
Deutsch

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