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Wiesbaden - Auch im hohen Alter gefährdet Bluthochdruck Gesundheit und Leben der Betroffenen. Eine Behandlung kann selbst bei über 80-Jährigen Schlaganfall oder Herzerkrankung vorbeugen. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) fordert deshalb, diese wachsende Gruppe von Menschen nicht von der medikamentösen Therapie auszunehmen. Über die angemessene Behandlung einer Hypertonie bei alten Menschen diskutieren Experten im Rahmen des 115. Internistenkongresses vom 18. bis 22. April 2009 in Wiesbaden.
Im Alter steigt bei vielen Menschen der obere Wert des Blutdrucks - der "systolische". Der untere, "diastolische" Blutdruckwert bleibt dagegen konstant oder sinkt sogar. Ursache ist die im Alter abnehmende Elastizität der Hauptschlagader. Sie kann die nach jedem Herzschlag auftretenden Druckspitzen nicht mehr abfangen. "Bis Anfang der 90er Jahre galt dies als eine unvermeidbare Alterserscheinung", erläutert Kongressvorsitzender Professor Dr. med. Rainer Kolloch, Bielefeld, "ein systolischer Blutdruck von 100 plus Lebensalter galt als normal." Heute wisse man, so der Vorsitzende der DGIM, dass diese "isolierte systolische Hypertonie" eine Gefahr für Gesundheit und Leben älterer Menschen ist.
Mehrere klinische Studien haben belegt, dass eine medikamentöse Behandlung von Vorteil ist: Die Zahl der Schlaganfälle geht um bis zu 30 Prozent zurück, die der Herzinfarkte und verwandter Erkrankungen um 23 Prozent. Auch die Sterblichkeit sinkt. "Die Behandlung der isolierten systolischen Hypertonie kann das Leben der Senioren verlängern", sagt Professor Dr. med. Rainer Düsing von der Universität Bonn im Vorfeld des Internistenkongresses. Die Leitlinien raten dazu deshalb ab einem oberen Wert von 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg).
Leider sei es bei älteren Menschen nicht immer leicht, den oberen Blutdruckwert ausreichend zu senken, ohne dass der untere Wert ebenfalls abfällt. Ein diastolischer Druck von 70 mmHg sollte jedoch zumindest bei Patienten mit vorbestehenden Durchblutungsstörungen des Herzens nicht unterschritten werden, warnt Professor Düsing. Denn dies könne die Durchblutung des Herzens weiter verschlechtern und führe schlimmstenfalls zum Herzinfarkt.
Eine im Jahr 2008 veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass auch im Alter von mehr als 80 Jahren jeder zweite Patient die Zielwerte erreicht und dadurch tödliche Folgen der Hochdruckkrankheit vermeidet. Das "Hypertension in the Very Elderly Trial" wurde sogar vorzeitig abgebrochen, weil die Zahl tödlicher Schlaganfälle und der Herzerkrankungen deutlich sank. "Die Studie hat die Bedenken bezüglich der Behandlungsrisiken bei hochbetagten Patienten ausgeräumt", sagt Professor Düsing. Die Notwendigkeit der Therapie einer Hypertonie bei alten und anderen speziellen Patienten ist Thema des 115. Internistenkongresses in Wiesbaden.
Terminhinweis:
Montag 20. April 2009, 14.30 bis 18.00, Saal 6/1 in den Rhein-Main-Hallen Wiesbaden
Symposium: Hypertonie bei speziellen Patientengruppen
Vorsitzende: R. Düsing (Bonn), R. E. Schmieder (Erlangen)
14:30 Hypertonie und Patienten mit KHK
H. Schunkert (Lübeck)
15:00 Hypertonie und Patienten mit Niereninsuffizienz
J. Hoyer (Marburg)
15:30 Hypertonie und Schlaganfallprävention
J. Schrader (Cloppenburg)
16:30 Hypertonie und Schwangerschaft
R. Kreutz (Berlin)
17:00 Nichtmedikamentöse Blutdrucktherapie
H.-G. Predel (Köln)
17:30 Hypertonie im Kindesalter
W. Rauh (Trier)
Kontakt für Journalisten:
DGIM Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
http://www.dgim2009.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin
überregional
Pressetermine, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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