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PRESSEINFORMATION
Magdeburg vom 21. bis 24. Mai 2009 im Hotel Maritim
Welche Spuren lassen sich auch noch 20 Jahre nach der Wende
in den seelischen Strukturen der Menschen in Ost und West beobachten?
Ein Schwerpunkt der Jahrestagung ist der Einfluss der Gesellschaft (äußere Realität) auf die Struktur- oder Persönlichkeitsentwicklung (innere Realität), z. B.: Wie wirken sich politische Systeme auf seelische Prozesse und Strukturen aus? Gibt es in beiden Teilen Deutschlands unterschiedliche Umgangsweisen mit dem gemeinsamen schwierigen transgenerationalen Erbe (Nationalsozialismus), das uns die Eltern- und Großelterngeneration hinterlassen hat? Lassen sich Unterschiede in den Konflikten zwischen Ost- und Westpatienten in psychotherapeutischen Behandlungen nachweisen? Wie manifestieren sich die Traumatisierungen in der ehemaligen DDR und während der Wende im psychotherapeutischen Prozess? Welche kollektiven Transformationsprozesse bestimmen heute unsere Identität?
Ludwig Drees, Magdeburger, Jahrgang 1934 untersucht anhand seiner eigenen persönlichen Entwicklung die Auswirkungen des nationalsozialistischen und SED-Systems (siehe seinen Vortrag: "Ich bin nicht besser als meine Väter ...", Regression und Gegenübertragung des Analytikers nach zwei totalitären Systemen - Spurensuche). Die Systeme waren in ihrer politischen Wirksamkeit und vernichtenden Intensität zwar sehr unterschiedlich, in ihrer tieferen Struktur jedoch durchaus verwandt. Ihr Totalitarismus wirkte in seinem geradezu therapeutischen Anspruch, einen neuen Menschen gemäß einer Ideologie zu formen, in alle sozialen Verhältnisse hinein. Wir und unsere Eltern und Großeltern haben diese Systeme und die zwei Weltkriege mit ihren vernichtenden Verwüstungen durchlebt und gestaltet. Die Systeme sind verschwunden, aber von ihrer affektiven Struktur sind die Familien unbewusst durchtränkt. Das Erbe gehört zu unserem seelischen und sozialen Inventar.
Karl-Heinz Bomberg befasst sich als Betroffener in seinem Vortrag "Unsichtbare Wunden". Politische Traumatisierung in der DDR mit den seelischen Folgen der Inhaftierung. Politische Inhaftierungsgründe waren u. a. Republikflucht, staatsfeindliche Hetze, öffentliche Herabwürdigung, ungesetzliche Verbindungsaufnahme. Die Folgen der Haft können als post-traumatische Belastungsstörung verstanden werden. Sie zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
1. Anhaltende, oft eindringliche Nachhallerinnerungen.
2. Vermeidung von Umständen, die dem belastenden Ereignis ähneln könnten.
3. Teilweise oder vollständige Unfähigkeit, wichtige Aspekte der realen Belastung zu erinnern. Äußere und innere Realität können nicht mehr richtig auseinander gehalten werden.
4. Die Symptome entfalten sich innerhalb von sechs Monaten nach Belastungen, mitunter erst nach jahrelanger Latenz.
Frank-Andreas Horzetzky berichtet von seinen Erfahrungen in seiner psychotherapeutischen Praxis in Ostberlin, wie sich die Wende bei Jugendlichen auf ihre weitere Persönlichkeitsentwicklung ausgewirkt hat. Z. B. erschwerte es den normalen Ablösungsprozess der Jugendlichen von den Eltern, wenn diese nach der Wende ihre Autorität, z. B. durch berufliche Abwicklung eingebüßt hatten. So wurden nicht wenige Väter, die einflussreiche berufliche Positionen in der DDR hatten, durch ihre "Abwicklung" depressiv.
Frau Ann Kathrin Scheerer wird sich in ihrem Vortrag: "Entlastung der Mütter durch Belastung der Kinder?" Risiken der frühen Krippenbetreuung, differenziert mit den Auswirkungen der Krippe, also einer frühen Trennungserfahrung, auf die Kleinkinder befassen.
Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Dipl.-Psychol. Peter Diederichs
Facharzt für Psychotherapeutische Medizin
Psychoanalyse (DPG)
Emser Str. 21
10719 Berlin
Fon/Fax 030 261 8124
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin, Psychologie
überregional
Pressetermine, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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