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02.06.2009 10:57

Markus Engstler erforscht Parasiten

Robert Emmerich Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Die afrikanische Schlafkrankheit ist auf Länder südlich der Sahara begrenzt und trifft vor allem die notleidende Landbevölkerung. Ausgelöst wird sie von einem Parasiten, der aus nur einer einzigen Zelle besteht. An diesem Erreger erforschen Professor Markus Engstler und sein Team grundlegende Fragen der Zell- und Entwicklungsbiologie.

    Die Erreger der Schlafkrankheit gehören zu den Trypanosomen; einen deutschen Namen haben sie nicht. Viele verschiedene, mehr oder weniger harmlose Arten der Trypanosomen kommen auf der ganzen Welt vor und befallen fast alle Tierarten - von Stachelrochen über Schildkröten bis hin zu Kängurus.

    In Afrika werden die Trypanosomen von der berüchtigten Tsetse-Fliege übertragen. Infizieren sie einen Menschen, stellen sich nach Tagen bis Wochen Kopf- und Gliederschmerzen ein. Verwirrung, Krämpfe und andere Symptome kommen dazu, am Ende fallen die Patienten in eine Art Wachkoma und sterben.

    "Schon die Nobelpreisträger Robert Koch und Paul Ehrlich haben vor rund hundert Jahren die Ursachen der Schlafkrankheit erforscht, denn damals waren die Kolonialtruppen akut bedroht", sagt Markus Engstler. Doch bis heute gebe es nur wenige wirksame Medikamente, und die sind hoch toxisch: Ihr Einsatz bedeutet eine Gratwanderung zwischen der Vergiftung des Patienten und seinem Tod durch die Infektion.

    Engstler hat zum 1. April 2009 den Lehrstuhl für Zoologie I am Biozentrum der Universität Würzburg übernommen. Hier erforscht er die äußerst raffinierten zell- und entwicklungsbiologischen Strategien, die den großen "Erfolg" der Trypanosomen als Krankheitserreger ausmachen.

    Erreger entgehen dem Immunsystem

    Die Parasiten schwimmen im Blut des Menschen umher, entgehen dem Immunsystem aber trotzdem. "Ihre gesamte Oberfläche ist von einem dichten Mantel aus nur einer Art von Proteinen bedeckt", erklärt Engstler. Zwar bildet der Organismus des Menschen rasch Antikörper gegen die Proteine und müsste die Parasiten damit eigentlich eliminieren können - doch die haben rund 1000 unterschiedliche Mäntel in ihrer Garderobe.

    Ähnlich wie der Malaria-Erreger oder das Influenza-Virus wechseln sie regelmäßig ihr Aussehen, und das Immunsystem muss seine Arbeit immer wieder von Neuem beginnen. Sieger bleibt in jedem Fall der Parasit.

    Von den Parasiten Grundsätzliches lernen

    "Eine lange Phase der gemeinsamen Evolution von Wirt und Parasit hat bei diesen tödlichen Einzellern viele weitere, faszinierende Tricks hervorgebracht, von denen wir Grundsätzliches über die molekulare Funktionsweise von Zellen und deren Entwicklung lernen", sagt der neue Professor. "Im Grunde unterscheiden sich Trypanosomen nämlich nicht sehr von unseren Zellen; sie machen nur einige Dinge viel besser und effizienter."

    Darum ist er davon überzeugt, dass die Parasiten noch für so manche grundlegende Erkenntnis in der Zell- und Entwicklungsbiologie gut sind.

    Lebenslauf von Markus Engstler

    Markus Engstler, Jahrgang 1963, stammt aus Köln. In Kiel hat er Biologie studiert und seine Doktorarbeit gemacht. Danach ging er zwei Jahre an die Rockefeller-Universität in New York, wo er sich bereits mit einzelligen Parasiten befasste. Im Anschluss forschte er zwei Jahre am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried.

    Nach Stationen an der Freien Universität Berlin und der Universität München wurde er im Jahr 2006 Professor an der Technischen Universität Darmstadt, leitete dort das Institut für Mikrobiologie und Genetik. Am Biozentrum der Universität Würzburg tritt Engstler die Nachfolge von Professor Ulrich Scheer an, der Ende 2007 in den Ruhestand ging.

    Kontakt

    Prof. Dr. Markus Engstler, T (0931) 31-84250, markus.engstler@biozentrum.uni-wuerzburg.de


    Bilder

    Professor Markus Engstler leitet seit 1. April 2009 den Lehrstuhl für Zoologie I (Zell- und Entwicklungsbiologie) am Biozentrum der Universität Würzburg.
    Professor Markus Engstler leitet seit 1. April 2009 den Lehrstuhl für Zoologie I (Zell- und Entwickl ...
    Quelle: Foto: privat


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Personalia
    Deutsch


     

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