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Wissenschaft
Um bei der nächsten Runde der Exzellenzinitiative in allen drei Säulen - Exzellenzcluster, Graduiertenschulen und Zukunftskonzept - erfolgreich abzuschneiden, hat das Rektorat der Universität Stuttgart einen Masterplan entwickelt. Dieser soll die Universität strukturell neu ausrichten und die Weichen für die Zukunft stellen. Der Vorschlag für den Masterplan, den das Rektorat in der letzten Maiwoche den Dekanen vorgestellt hat, orientiert sich an der Effektivität der einzelnen Bereiche und soll das Forschungsprofil der Universität weiter schärfen. "Wir wollen einerseits die künftigen Schwerpunkte fokussieren und andererseits Bereiche zurückfahren, die nicht mehr im Zentrum der Universität stehen", sagte Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel am 4. Juni bei der Vorstellung des Konzepts vor der Presse. Einsparungen von Professuren seien mit Ausnahme von zwei Fakultäten über die gesamte Universität hinweg beabsichtigt. "Ziel des Masterplans ist es nicht, die Geistes- und Sozialwissenschaften abzuschaffen", betonte er; diese sollten vor allem gestrafft und neu ausgerichtet werden. Die Universität Stuttgart werde auch künftig die Universitas im Blick haben, versprach er. Die strukturellen Maßnahmen sollen zunächst in den Fakultäten beraten und dann vom Rektorat mit den gesamtuniversitären Interessen abgeglichen werden. Die Universität Stuttgart wird die Vorschläge zum Masterplan bis zum Ende des Sommersemesters in den Gremien diskutieren, mit dem Wissenschaftsministerium und mit den betroffenen Hochschulen am Standort Stuttgart abstimmen und bis September 2009 alle Strukturbeschlüsse treffen.
Um sich für die neuen großen Wettbewerbe aufzustellen, habe das Rektorat gemeinsam mit den Dekanen zu Beginn dieses Jahres beschlossen, einen Masterplan für die Universität Stuttgart zu erarbeiten, berichtete Ressel. Dieser soll die erforderlichen Ressourcen mittel- bis langfristig bereitstellen, die für die erfolgreiche Beantragung, Entwicklung und Nachhaltigkeit neuer Forschungs- und Transferzentren im Rahmen der Exzellenzinitiative II benötigt werden. "Da für diese Strukturmaßnahmen keine zusätzlichen Mittel vom Land Baden-Württemberg zu erwarten sind, müssen die erforderlichen Ressourcen durch Umwidmungen aus dem Personal- und Ausstattungsbestand der Universität Stuttgart zur Verfügung gestellt werden", betonte er.
Vereinbart wurde ein zweistufiges Vorgehen: Zum einen wird das Profil der zukünftigen wissenschaftlichen Ausrichtung der Forschungsuniversität geschärft auf der Grundlage des im jüngsten Struktur- und Entwicklungsplans beschriebenen Forschungsprofils sowie der Ergebnisse der vom Rektorat eingesetzten Arbeitsgruppe "Exzellenz II" für die Vorbereitung des Antragsverfahrens. Zum zweiten werden die Institutsstrukturen auf der Basis von Forschungsleistungen und Lehrbelastungen geprüft. "Mit dieser Vorgehensweise sollen Bereiche in der Universität aufgezeigt werden, die außerhalb der definierten Forschungsschwerpunkte liegen und damit - auch wenn es schmerzhafte Entscheidungen sind - geschlossen und für neue wissenschaftliche Einrichtungen in der Universität frei gemacht werden", erläuterte der Rektor. Zum anderen sollten einzelne Fächer beziehungsweise Lehrstühle innerhalb der Fakultäten gefunden werden, die aufgrund ihrer Forschungsaktivitäten und Lehreinbindung nicht zwingend erforderlich seien und daher umgewidmet werden könnten.
Das Rektorat hat in der letzten Woche zur Einleitung der universitätsinternen Diskussion den Dekanen ein Potential an Professuren und der zugehörigen Ausstattung aufzeigt, das für die Umstrukturierung zur Verfügung gestellt werden kann. Zum derzeitigen Stand sind dies im Einzelnen: Drei Professuren aus dem Historischen Institut, zwei Professuren aus der Kunstgeschichte, fünf Professuren aus den Literaturwissenschaften, sechs Professuren aus den Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftlslehre und Volkswirtschaftslehre), fünf Professuren aus den Ingenieurwissenschaften (Fakultäten 1, 2, 4 und 5) sowie zwei Professuren aus den Naturwissenschaften und eine aus der Mathematik (Fakultäten 3 und 8).
"Im Bereich der Erziehungswissenschaften und im Lehramt wird sich die Universität neu aufstellen, insbesondere in der Gewerbelehrerausbildung und in der Berufspädagogik", sagte Ressel. Generell sollten sich die Geisteswissenschaften mehr in Richtung Wissenskulturen entwickeln. Dies beinhalte unter anderem auch die Reflexion neuer Technologien. "Zum Bereich Wissenskulturen ist auch ein neuer Studiengang in Vorbereitung", berichtete der Rektor.
Insgesamt werde angestrebt, die Studienplätze sowohl bei den Erstsemesterplätzen als auch bei der Gesamtzahl nicht zu kürzen und damit die mit Landesmitteln aus dem Programm Hochschule 2012 finanzierten Ausbaupläne einzuhalten.
Der Masterplan baut auf dem Struktur- und Entwicklungsplan (SEPUS) für die Jahre 2008 bis 2012 auf, erläuterte Ressel. Darin hat sich die Universität eine Rahmenplanung gegeben in Richtung
- einer Forschungsuniversität mit überwiegend ingenieur- und naturwissenschaftlicher Prägung und Integration der Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in dieses Profil,
- einer Matrixstruktur mit zehn Fakultäten und der Möglichkeit der Einrichtung von Forschungs- und Transferzentren über die Fakultätsgrenzen hinweg,
- einer engeren Verzahnung mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Stuttgart und regionalen sowie auch überregionalen Wirtschaftsunternehmen sowie
- einer international ausgerichteten und deutlich sichtbaren Universität mit einem modernen Zukunftsprofil in Forschung, Lehre und Weiterbildung.
Um diese Ziele zu erreichen, hat die Universität Stuttgart im Jahr 2007 erstmalig ein Forschungsprofil mit acht interdisziplinären Schwerpunkten in der erkenntnis- und anwendungsorientierten Forschung definiert. Zu den acht Forschungsschwerpunkten zählen die Bereiche Modellierung und Simulationstechnologien, Neue Materialien, Komplexe Systeme und Kommunikation, Technologiekonzepte und Technologiebewertung, Energie und Umwelt, Mobilität, Integrierte Produkt- und Produktionsgestaltung sowie Gestaltung und Technologie nachhaltiger Lebensräume. Gegenwärtig wird ein Lehrmanifest erarbeitet, das unter dem für die Universität gültigen Leitbild "Technik, Wissen und Bildung für den Menschen" das Motto "Exzellente Lehre folgt exzellenter Forschung" verfolgt.
Der Struktur- und Entwicklungsplan wurde im Herbst 2007 in zeitlichem Zusammenhang mit der Exzellenzinitiative I, bei der die Universität Stuttgart mit jeweils einem Exzellencluster (SimTech) und einer Graduiertenschule (GSaME) erfolgreich aus dem Wettbewerb des Bundes und der Länder hervorging, erarbeitet. "Weitere große Forschungswettbewerbe wie die jetzt angekündigte Exzellenzinitiative II oder die Spitzenclusterinitiative des Bundesforschungsministeriums wurden zum damaligen Zeitpunkt zwar diskutiert, aber waren vor allem inhaltlich nicht abzusehen", betonte Wolfram Ressel.
Informationen zum Forschungsprofil der Universität Stuttgart finden Sie unter unter
http://www.uni-stuttgart.de/ueberblick/bilder_zahlen/uni_heute/
und zu den derzeitigen Stuttgarter Exzellenzprojekten unter
http://www.uni-stuttgart.de/uni-kurier/uk100/spektrum/sp8.htm.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
fachunabhängig
überregional
Organisatorisches
Deutsch

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