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Wissenschaft
Die Rolle des Erzählerischen in der Krankengeschichte
DFG-Forschungsverbund lädt ein
Drei Tage lang steht der ärztliche Fallbericht im Mittelpunkt der Forschung: Bei der Tagung "Der ärztliche Fallbericht. Epistemische Grundlagen und textuelle Strukturen dargestellter Beobachtung", die der DFG-geförderte Forschungsverbund "Darstellung anthropologischen und medizinischen Wissens" vom 18. bis zum 20. Juni 2009 im Internationalen Begegnungszentrum der RUB veranstaltet, werden Einzelaspekte in 15 Vorträgen beleuchtet. Darunter sind Fragen wie: Was macht seit dem Beginn der modernen Medizin den Fallbericht aus? Wie und was wird protokolliert? Welche Rolle spielt dabei der Patient?
Mit welchen Hilfsmitteln wird die Diagnose gestellt? Welche Rolle spielt das Erzählerische dabei? Wie stehen die Einzelfälle zu dem Wissen um die jeweilige Krankheit?
Unruhefaktor fürs medizinische Wissen
Fallberichte spielen seit der antiken Medizin eine entscheidende Rolle in der Medizin. Sie sammeln Fakten, die für die Diagnose bedeutsam sind, beschreiben Therapiemethoden und sorgen für die Überlieferung von Erfahrungswissen. Somit stehen sie in einem Spannungsverhältnis zu dem systematischen Wissen über Krankheiten und deren Ursachen, das sich im Lauf der Neuzeit in der Form theoretisch fundierter Wissenschaftsdisziplinen entwickelt. Auch ihr Verhältnis zum jeweils gültigen Wissensstandard ist ambivalent: Einerseits stützten sich die Berichte auf solches systematisches Wissen und benötigen seine Legitimation, andererseits sollen sie dem aktuellen Wissensstand etwas Neues hinzufügen, müssen sich also ein Stück weit davon unterscheiden. Sie bewegen sich also auf der Grenzlinie zwischen einem abgesicherten Wissen, der Beobachtung und auf Geltung pochenden Theoriebeständen. So sind sie ein Unruhefaktor für das sich ständig verändernde medizinische ?Wissen?.
Gegensätzliche Pole werden sprachlich in Beziehung gesetzt
An dieser Zwischen- und Scharnierposition des Fallberichts setzt die Tagung an. Sie widmet sich vor allem dem ärztlichen Fallbericht der Neuzeit (circa 1800 bis zur Gegenwart) und verfolgt die Spannungslagen, die sich daraus ergeben, dass die gegensätzlichen Pole von konkreter Beobachtung und kanonisiertem Wissen über eine sprachliche Gestaltung in Relation zueinander gesetzt werden. Rhetorische Mittel der Plausibilisierung können z.B. Beschreibung, Protokollierung, Erzählung oder auch Polemik sein.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Rudolf Behrens, Romanisches Seminar der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22631, E-Mail: Rudolf.Behrens@rub.de
Redaktion: Meike Drießen
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin, Sprache / Literatur
überregional
Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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