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Zwei innovative Forschungsprojekte aus der Ruhr-Universität Bochum fördert die Initiative "Pro Geisteswissenschaften": Der Historiker Dr. Martin Kohlrausch erhält ein Dilthey-Fellowship und erforscht den "Aufstieg der Architekten zwischen Krise und Rekonstruktion" in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Sozialanthropologe Prof. Dr. Dieter Haller schreibt ein "Opus magnum" in der gleichnamigen Förderlinie über die "Fachgeschichte der bundesdeutschen Ethnologie von 1948 bis 1990" und schließt damit eine Forschungslücke in den Kulturwissenschaften.
Bochum, 07.07.2009
Nr. 213
Der Aufstieg der Architekten ...
... und die Fachgeschichte der deutschen Ethnologie
Initiative "Pro Geisteswissenschaften" fördert zwei RUB-Projekte
Zwei innovative Forschungsprojekte aus der Ruhr-Universität Bochum fördert die Initiative "Pro Geisteswissenschaften": Der Historiker Dr. Martin Kohlrausch erhält ein Dilthey-Fellowship und erforscht den "Aufstieg der Architekten zwischen Krise und Rekonstruktion" in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Sozialanthropologe Prof. Dr. Dieter Haller schreibt ein "Opus magnum" in der gleichnamigen Förderlinie über die "Fachgeschichte der bundesdeutschen Ethnologie von 1948 bis 1990" und schließt damit eine Forschungslücke in den Kulturwissenschaften. Die VolkswagenStiftung und die Fritz Thyssen Stiftung fördern in der aktuellen Bewilligungsrunde von "Pro Geisteswissenschaften" insgesamt zwölf Projekte - sechs Dilthey-Fellowships und sechs Opera magna - mit rund 3,1 Millionen Euro.
Gewinnerberuf Architekt
Der Architekt war im 20. Jahrhundert zweifellos einer der "Gewinnerberufe" - eine Entwicklung, die in der Figur des "Stararchitekten" heute ihren medienwirksamen Ausdruck findet, aber hierin bei weitem nicht aufgeht. Zumindest den herausragenden Vertretern der Profession wie Le Corbusier oder Walter Gropius erwuchsen bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ganz neue soziale und kulturelle Gestaltungs- und Einflusschancen. Architekten waren aber auch - hierfür steht Albert Speer - in entscheidender Position am Aufstieg autoritärer und totalitärer Regime beteiligt. Der Berufsstand war in komplexer wie auch symptomatischer Weise mit den großen Entwicklungslinien und Katastrophen der vergangenen 100 Jahre verbunden. Anhand konkreter Beispiele aus Deutschland, Polen, Ungarn und Tschechoslowakei soll, mit dem Fokus auf Architekten, eine Geschichte Europas entstehen, die die immer noch allzu schematisch verfolgte Ost/West-Trennung in der Wissenschaft aufhebt.
Innovativer historischer Ansatz
Dr. Martin Kohlrausch arbeitet fachübergreifend und benutzt für seinen innovativen Ansatz sehr verschiedene Quellen: nicht nur Literatur aus unterschiedlichen Feldern, sondern auch Informationen aus personalen Netzwerken, zum Beispiel Architektenorganisationen wie die CIAM (Congrès Internationaux d'Architecture Moderne). Dabei untersucht Kohlrausch auch Mechanismen des professionellen Austausches und der Kommunikation. Ziel ist, für dieses Teilgebiet der europäischen Geschichte national definierte Räume aufzuheben und fachliche Abgrenzungen zu überwinden. Das Dilthey-Fellowship läuft über fünf Jahre und wird mit insgesamt 400.000 Euro von "Pro Geisteswissenschaften" gefördert. Dr. Martin Kohlrausch ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Warschau und wechselt zum Wintersemester 2009/10 an die Fakultät für Geschichtswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum mit Anbindung an den Lehrstuhl Neuere Geschichte / Geschlechtergeschichte (NGG).
Opus magnum der Ethnologie
Für sein Opus magnum-Projekt "Fachgeschichte der bundesdeutschen Ethnologie von 1948 bis 1990" erhält Prof. Dr. Dieter Haller von der Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB eine Freistellung über zwei Jahre, finanziert mit rund 200.000 Euro. Ziel ist, die Potenziale und Herausforderungen der deutschen Ethnologie (früher: Völkerkunde) herauszuarbeiten sowie die Entwicklungslinien der Disziplin und ihre Fachbestände (Gegenstände, Fragen und Methoden) vollständig zu dokumentieren. "Ein vergleichbares Buch, das sich dieser Thematik in so umfassender Weise - und daher als Opus Magnum - zuwendet, ist bislang nicht geschrieben worden", so Prof. Haller. Damit schließt der Bochumer Sozialanthropologe nicht nur eine Forschungslücke. Es geht auch darum, fachspezifische Eigenheiten zu bergen, die von der Fachliteratur bisher nicht berücksichtigt werden. Im Sinne des "World Anthropologists Network" kann die deutsche Ethnologie in der internationalen anthropologischen Diskussion ihren Beitrag leisten, um die Hauptgegenstände der Ethnologie - Kultur, Ethnizität und Fremdheit - neu zu beleuchten.
Expertise aus Bochum
Professor Haller ist Ethnologe (Professor für Sozialanthropologie) an der Ruhr-Universität Bochum und arbeitet seit mehreren Jahren im Bereich der Fachgeschichte, insbesondere seit den Vorarbeiten zum "Atlas Ethnologie" (2005). Darüber hinaus war er von 2003 bis 2007 Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Geschichte der Ethnologie" in der der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde.
Pro Geisteswissenschaften
Die Geisteswissenschaften mit Angeboten zu unterstützen, die ausdrücklich auf deren Bedürfnisse und Forschungspraxis zugeschnitten sind, ist Ziel der Initiative "Pro Geisteswissenschaften". Sie umfasst mehrere Komponenten - darunter die Dilthey-Fellowships für den hoch qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs sowie die Förderung "Opus magnum" als Freistellungsangebot für Professorinnen und Professoren, die ein größeres wissenschaftliches Werk verfassen wollen. In der vierten Bewilligungsrunde werden insgesamt zwölf Projekte an acht deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen gefördert.
Weitere Informationen
Dr. Martin Kohlrausch, E-Mail: martin@kohlrausch.net
Prof. Dr. Dieter Haller, Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB, Tel. 0234/32-27690, E-Mail: dieter.haller@rub.de
Initiative "Pro Geisteswissenschaften": http://www.volkswagenstiftung.de/foerderung/strukturen-und-personen/pro-geistesw...
Redaktion: Jens Wylkop
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften
überregional
Forschungsprojekte, Wissenschaftspolitik
Deutsch

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