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15.07.2009 15:25

Junger Neurobiologe der Universitätsmedizin Göttingen mit Stipendium der Novartis-Stiftung ausgezeichnet

Stefan Weller Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

    8.000 Euro Fördergeld für besonders qualifizierten, jungen Wissenschaftler: Thomas Frank aus der Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universitätsmedizin Göttingen forscht zum Thema "Signalübertragung im Innenohr".

    (umg) Thomas Frank, Doktorand im InnenOhrLabor der Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an der Universitätsmedizin Göttingen, hat ein Graduierten-Stipendium der gemeinnützigen "Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung" erhalten. Die Auszeichnung dient als Forschungsunterstützung besonders qualifizierter, junger Wissenschaftler und ist mit 8.000 Euro dotiert. Urkunde und Scheck wurden dem 27-jährigen auf der Sitzung des Fakultätsrats der Medizinischen Fakultät der Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität, überreicht.

    Hunderttausend mal stärker als das Summen einer Fliege drückt der Lärm eines startenden Airbus selbst in hundert Meter Entfernung auf das Trommelfell - und doch nimmt das Ohr beide Lautstärken mühelos wahr. Wie unterscheidet das Ohr zwischen Flüstern und Lärm? Thomas Frank und seine Kollegen vom "InnenOhr-Labor" (Leitung: Prof. Dr. Tobias Moser) in der Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (Direktor: Prof. Dr. Christoph Matthias) der Universitätsmedizin Göttingen sind der Lösung des Rätsels jetzt näher gekommen. Sie haben Hinweise auf einen der zugrunde liegenden Mechanismen entdeckt.

    Wenn Schallwellen auf das Ohr treffen, beginnt das Trommelfell zu schwingen. Die entstehenden Vibrationen wandern über die drei Gehörknöchelchen durch das Innenohr zur flüssigkeitsgefüllten "Hörschnecke", der Cochlea, und bringen dort winzige Härchen auf den "Haarzellen" in Bewegung. Diese Haarzellen sind die eigentlichen Hörsinneszellen. Bewegen sich die Härchen, verändert sich die elektrische Spannung über der Membran der Haarzellen. Je stärker - also lauter - das eintreffende Schallsignal, umso größer auch die Spannungsänderung. Eine einzelne Haarzelle wiederum kommuniziert chemisch über zehn bis 20 Kontaktstellen (Synapsen) mit nachgeschalteten Nervenfasern. Dabei schüttet sie einen Boten-stoff in die Synapsen aus, den die Nervenfaser auf der anderen Seite als Signal erkennt, "deutet" und über den Hörnerven ins Gehirn schickt.

    "Der Botenstoff wird aber nur freigesetzt, wenn Kalzium durch bestimmte Kanäle in die Haarzellen einströmt", sagt Thomas Frank. In einer Serie von Experimenten mit Labormäusen entdeckten die Göttinger Wissenschaftler: Der Einstrom von Kalzium in ein- und dieselbe Haarzelle unterscheidet sich von Synapse zu Synapse deutlich, obwohl alle Kanäle das gleiche Signal zur Öffnung bekommen. Offensichtlich hat jede einzelne Synapse verschieden viele Kalzium-Kanäle. Auf diese Weise könnte sich erklären, warum leise Töne über nur einige Synapsen weiter geleitet werden, während die restlichen Synpasen einer Haarzelle erst bei starken - also lauten - Signalen "anspringen". Je nach Signalstärke wird durch die Arbeitsteilung zwischen den Synapsen der Hörnerv unterschiedlich stark gereizt.

    Die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung sind unter anderem für die Entwicklung von ganz speziellen Hörhilfen von Bedeutung. Alljährlich setzen Mediziner in Deutschland etwa 1.000 tauben Patienten eine "Cochlear-Implantat" (CI) genannte Innenohrprothese ein. Die Deutsche Cochlear Implant Gesellschaft rechnet mit etwa 20.000 CI-Trägern in Deutschland. Weltweit sollen es um die 130.000 sein. Das HighTech-Ersatzteil ermöglicht vor allem taub geborenen Kindern das Hören. "Die Innenohrprothese hat aber noch immer Schwächen, besonders in der Genau-igkeit der Verarbeitung verschiedener Schallfrequenzen und unterschiedlicher Lautstärken", sagt Frank. Genau zu wissen, wie das Ohr die ganze Palette der Lautstärken wahrnimmt, könnte neue Wege weisen, um die Hörprothesen weiterzuentwickeln.

    Seit 1992 vergibt die Novartis-Stiftung Graduierten-Stipendien zur Auszeichnung besonders qualifizierter, junger Wissenschaftler, die noch am Anfang ihrer wissenschaftlichen Karriere stehen, aber bereits durch herausragende Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Das Stipendium ist eine Anerkennung dieser Leistung und soll die Motivation junger Wissenschaftler fördern. Die 8.000 Euro sollen dabei helfen, die Forschungsarbeiten zu unterstützen.

    WEITERE INFORMATIONEN
    Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
    Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
    InnenOhrLabor
    Thomas Frank, Telefon 0551 / 39-22837
    Mail: tfrank1@gwdg.de

    Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
    Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
    Leiter InnenOhrLabor
    Prof. Dr. Tobias Moser, Telefon 0551 / 39-22803
    Mail: tmoser@gwdg.de


    Bilder

    Novartis Stipendium mit Scheck und Urkunde: Prof. Dr. Tobias Moser (links) und Stipendiat Thomas Frank.  Foto: umg
    Novartis Stipendium mit Scheck und Urkunde: Prof. Dr. Tobias Moser (links) und Stipendiat Thomas Fra ...
    Quelle: Foto: umg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Medizin
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

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