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27.07.2009 15:40

Wer Rind- und Schweinefleisch grillt, spielt mit dem Feuer - Endogene Dickdarmkarzinogene auf 11. IDE-Workshop diskutiert

Dr. Rolf Vajna Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Danone GmbH

    Im Sommer eint die Deutschen eine heiße Leidenschaft für das Grillen. Schwein, Rind und Lamm stehen dabei besonders hoch im Kurs. Allerdings wird aufgrund epidemiologischer Studien schon seit längerem ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem (eisenhaltigen) Fleisch und Dickdarmkrebs vermutet. Diese zweihäufigste Tumorerkrankung in Deutschland, an der jedes Jahr etwa 70.000 Menschen erkranken, ist nur zu 10% genetisch bedingt. Die restlichen 90% der Fälle werden durch Umweltfaktoren induziert. Vor allem die Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle.

    N-Nitrosoverbindungen im Verdacht
    Auf dem 11. Workshop des Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE) am 14. und 15. Mai an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover stellte Prof. Dr. Pablo Steinberg neue Ergebnisse zur Entstehung von Dickdarmkrebs vor (Ref.1). Neben polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, heterozyklischen aromatischen Aminen und exogenen gebildeten N-Nitrosoverbindungen werden inzwischen auch endogen gebildete N-Nitrosoverbindungen wie Nitrosyl-Häm und S-Nitroso-Thiole als mögliche Karzinogene diskutiert (Ref.2). Diese Substanzen entstehen bereits im Dünndarm und später auch im Dickdarm in Abhängigkeit vom Häm-Gehalt im verzehrten Fleisch. Durch Reaktion der N-Nitrosoverbindungen mit Aminosäuren kommt es zur Bildung diverser Zwischenprodukte, wie z.B. Diazoacetat. Aus dieser Substanz entstehen wiederum kurzlebige Verbindungen, die sich in den Darmzellen an die Basen der DNS anlagern und so genannte DNS-Addukte bilden können. Die derart modifizierten Basen können nur schlecht von den DNS-Reparaturenzymen wiederhergestellt werden. Entsprechende DNS-Addukte konnten in Stuhlproben von Probanden nach Verzehr großer Mengen roten Fleisches bereits nachgewiesen werden. Ob diese Verbindungen zur Bildung von Dickdarmkrebs beitragen, muss noch im Detail gezeigt werden.

    Diet and Healthy Study: Verzehr von rotem Fleisch erhöht Gesamtmortalität
    Ein deutlicher Beleg für die erhöhte Mortalität durch den Verzehr von rotem Fleisch sind die zuletzt publizierten Daten der Diet and Healthy Study des National Institute of Health (Ref.3). In dieser Studie werden eine halbe Million Amerikaner im Alter zwischen 50 und 71 Jahren auf ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten hin beobachtet. Im 10-Jahres-Follow-up ergab sich für Menschen, die häufig unverarbeitetes rotes Fleisch aßen, ein erhöhtes Risiko für die Gesamtmortalität (Hazard ratios (HR) von 1,31 für Männer und 1,36 für Frauen). Dasselbe galt auch für verarbeitetes rotes Fleisch, etwa in Form von Wurstwaren. Die erhöhte Sterberate ließ sich z.B. auf ein erhöhtes Risiko einer Krebserkrankung (HR von 1,22 für Männer und 1,20 für Frauen) und auf eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos (HR von 1,27 für Männer und 1,50 für Frauen) zurückführen. Der Verzehr von weißem Fleisch (Geflügel, Fisch) war dagegen mit einem geringeren Risiko für Karzinome assoziiert.

    Referenzen:
    1 Pablo Steinberg: "Die Bildung schädlicher Stoffe als Reaktionsprodukte des Stoffwechsels"; Vortrag im Rahmen des Journalisten-Workshops "Schadstoffe im Essen! - Bedrohung oder Panikmache?". Tierärztliche Hochschule Hannover, 14./15.Mai 2009.
    2 Kuhnle GGC et al. Diet-induced endogenous formation of nitroso compounds in the GI tract. Free Radical Biology & Medicine 43:1040-47 (2007).
    3 Sinha R. et al. Meat intake and mortality: a prospective study of over half a million people. Arch Int Med 169(6):562-71 (2009).

    IDE-Journalisten Workshop
    Der IDE Workshop wird jährlich in Kooperation mit einem renommierten wissenschaftlichen Institut auf den Gebieten Ernährung und Gesundheit für Fachjournalisten ausgerichtet. Den 11. Workshop veranstaltete das IDE in Zusammenarbeit mit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover unter dem Titel: "Schadstoffe im Essen! - Bedrohung oder Panikmache? Aktuelle Forschungsergebnisse der Lebensmitteltoxikologie und deren gesundheitliche Relevanz". Ein Bericht mit wissenschaftlichen Kurzfassungen zu allen Vorträgen kann kostenlos angefordert werden. Der ausführliche Kongressbericht wird 2010 veröffentlicht.

    Vortragsthemen:
    Die Sicherheit von Lebensmitteln aus Verbrauchersicht
    Grundlagen und wissenschaftliche Methoden der Toxikologie
    Strategien zur Minimierung oder Vermeidung schädlicher Inhaltsstoffe bei der Produktion von Lebensmitteln
    Bedeutung der Lebensmittelhygiene bei der industriellen Produktion und im privaten Haushalt
    Perfluorierte Tenside als Kontaminanten von Lebensmitteln
    Toxikologische Bewertung von Acrylamid und 3-Monochlorpropandiolen
    Bewertung von Mehrfachrückständen in Lebensmitteln
    Das Entstehen von AGEs (Advances Glycation Endproducts) im Rahmen der Maillard-Reaktion und ihre gesundheitliche Bedeutung
    Anreicherung von Lebensmitteln mit Nährstoffen und deren gesundheitliche Bedeutung
    Alkoholmissbrauch als individuelles Risiko für Organschäden
    Die Bildung schädlicher Stoffe als Reaktionsprodukte des Stoffwechsels
    Probleme und Strategien der Risikokommunikation

    Das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V.
    Das 1992 gegründete Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE) ist eine unabhängige Einrichtung, die ausgewählte Forschungsprojekte im Bereich Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin fördert und für verschiedene Zielgruppen aktuelle Materialien für die Ernährungsaufklärung erstellt. Eingebunden in ein internationales Netzwerk bietet das IDE Wissenschaftlern, Ärzten, Pädagogen und allen Interessierten eine Plattform für den Austausch sowie Zugriff auf aktuelle ernährungswissenschaftliche, psychologische und medizinische Erkenntnisse.

    Institut Danone für Ernährung e.V.
    Richard-Reitzner-Allee 1
    85540 Haar
    Email: kontakt@institut-danone.de
    www.institut-danone.de

    Weitere Informationen zu diesen Themen:
    Fleishman-Hillard Germany GmbH,
    Dr. Rolf Vajna, Frankfurt am Main,
    Tel.: 069/ 40 57 02 - 365
    Fax: 069/ 43 03 73
    Email: Rolf.Vajna@fleishmaneurope.com


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Chemie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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