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Wissenschaft
Im Rahmen ihres Eliteprogramms für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden fördert die Landesstiftung Baden-Württemberg ein Projekt zur Körperwahrnehmung unter Leitung des Mannheimer Wissenschaftlers Dr. Jörg Trojan. Rund 75.000 Euro stellt die Stiftung dem Mitarbeiter des Otto-Selz-Instituts für Angewandte Psychologie zur Verfügung. In dem Projekt soll erforscht werden, wie Menschen Berührungs- oder Schmerzreize am Körper wahrnehmen und welche Wirkungen die Reize hervorrufen.
Die Wahrnehmung des eigenen Körpers erfolgt im Alltag oft unbewusst; viele Aspekte gelangen erst dann ins Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn sie eine besondere Bedeutung gewinnen. So spüren wir beispielsweise unsere Füße in der Regel oft erst dann intensiv, wenn sie schmerzen oder wenn wir uns besonders auf sie konzentrieren.
Allerdings empfängt unser Gehirn unentwegt Sinneseindrücke aus unserem Körper, unabhängig davon, ob wir ihnen Aufmerksamkeit zuwenden oder nicht. Diese Empfindungen beeinflussen uns auch dann, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Tagtäglich handeln wir auch auf Grundlage nebenbei verarbeiteter körperlicher Empfindungen: Bei der Kaufentscheidung für ein bestimmtes Produkt, kann entscheidend sein, wie es sich anfühlt; wir folgen unserem Bauchgefühl, wenn wir unschlüssig sind, welchen Weg wir einschlagen sollen; ein kaum merkliches Zwicken im Rücken lässt uns Schonhaltung einnehmen.
Wie wir unseren Körper wahrnehmen, und wie unsere Empfindungen und unser Handeln damit zusammenhängen, hat also eine große Bedeutung, die weit über Psychologie und Sozialwissenschaften hinausgeht, bis hin zu aktuellen verhaltensökonomische Fragestellungen. Trotzdem wurde die systematische Erforschung der Körperwahrnehmung im Vergleich zu anderen Sinnen, wie dem Sehen oder Hören, bisher vernachlässigt.
Im Rahmen des gerade begonnenen Projekts sollen nun Verfahren erprobt werden, mit denen gemessen werden kann, wie Menschen ihren Körper und die Reize, denen er ausgesetzt ist, wahrnehmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Erstellung von Karten, auf denen sich ablesen lässt, wie wahrgenommene Eigenschaften des Körpers mit physikalisch messbaren Eigenschaften zusammenhängen. So kann ermittelt werden, wie sich die Wahrnehmung unter der Einwirkung von Störeinflüssen oder bei bestimmten Erkrankungen verändert. Dies stellt sowohl in der Begutachtung des Verhaltens Gesunder als auch in der Diagnostik verschiedener Patientengruppen einen bedeutenden Fortschritt gegenüber bisherigen Ansätzen dar. Die erwarteten Ergebnisse ermöglichen vielfältige Anwendungen in der Verhaltensforschung, medizinischer Diagnostik und Therapie, aber auch im Bereich Humanfaktoren und Ergonomie.
Zur Person:
Dr. Trojan hat an der Universität Mannheim Psychologie studiert und in einem Kooperationsprojekt mit der Universität Aalborg (Dänemark) promoviert. Er forscht zum Thema Körperwahrnehmung mit dem besonderen Schwerpunkt Schmerz.
Dr. Jörg Trojan
Tel: 0621 181-2110
Fax: 0621 181-2115
http://www.osi.uni-mannheim.de
http://joerg.trojan@osi.uni-mannheim.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Psychologie
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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