idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
28.08.2009 08:50

Mehr als 1.000 Jahre Wortgefechte: Christlich-islamische Quellentexte neu ediert

Dr. Josef König Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

    Band erscheint zum 25. Jubiläum der Reihe "Corpus Islamo-Christianum"

    Drei wichtige Texte der griechisch-byzantinischen Welt, darunter erstmals die Fragmente der griechischen Koranübersetzung, bietet der aktuelle Band der Reihe "Corpus Islamo-Christianum". In der Reihe werden seit fast 25 Jahren am Seminar für Klassische Philologie der Ruhr-Universität Quellentexte zur Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam im Mittelalter in zweisprachigen kommentierten Ausgaben herausgebracht. Zum Jubiläum erscheint die Reihe in neuer Aufmachung im Harrassowitz-Verlag, Herausgeber ist Prof. Dr. Reinhold Glei.

    Der letzte Brief vor dem Beginn eines Krieges

    Der erste Text ist der Brief, den der Theologe Arethas, seit dem Jahr 902 Erzbischof von Caesarea in Kappadokien, etwa im Jahr 921 im Auftrag des byzantinischen Kaisers Romanos an den Emir von Damaskus schrieb. Er antwortet auf ein Schreiben des Emirs, in dem die Verfehltheit der christlichen Lehre und die Überlegenheit des Islams in mehreren Punkten dargelegt wurden. Schreiben mit solchem Inhalt wurden, oft verbunden mit der Aufforderung, den Islam anzunehmen, an nicht-muslimische Herrscher geschickt, bevor man mit Kriegshandlungen begann. Im Gegenzug verteidigt Arethas in seinem Brief die christlichen Dogmen und kritisiert Lehren des Islams im ironischen Ton (vermeintlicher) kultureller Überlegenheit.

    "Rüstkammer" der christlichen Argumente

    In einer ganz anderen historischen Situation, als Kleinasien teils in der Gewalt muslimischer Machthaber, teils ein ständiger Kampfplatz war, was einen echten Dialog zwischen den Religionen erschwerte, verfasste der Mönch Euthymios Zigabenos, ebenfalls im Auftrag des byzantinischen Kaisers (Alexios), um das Jahr 1110 eine Sammlung von theologischen Argumenten gegen alle Arten von Ungläubigen und nannte sie etwas martialisch "Dogmatische Rüstkammer". Hier werden im 28. Kapitel auch die "Sarrazenen" (d.h. Muslime) und zahlreiche Lehren des Islams angegriffen, die freilich oftmals verzerrt wiedergegeben werden. Euthymios war nicht originell, sondern sammelte fleißig die Argumente seiner Vorgänger, um sie zu einem schlagkräftigen "Waffenarsenal" zusammenzustellen.

    Die erste Übersetzung: Quelle vieler Missverständnisse

    Ob es überhaupt eine byzantinische Koranübersetzung gegeben hat, war in der Forschung lange umstritten, bis es 1981 von Erich Trapp überzeugend nachgewiesen wurde. Die Fragmente dieser Übersetzung sind hier erstmals gesammelt herausgegeben und erklärt worden. Man erkennt deutlich, dass viele bei späteren Autoren wiederkehrende Vorwürfe gegen den Islam auch auf Missverständnissen und Fehlleistungen dieser Übersetzung beruhen. Trotzdem kann diese Übersetzung als ein Meilenstein im Dialog der Religionen gelten, da sie vielfach eine erste Auseinandersetzung mit dem Islam überhaupt erst ermöglicht hat.

    Erfahrener Übersetzer

    Die Texte wurden ediert, übersetzt und kommentiert von Dr. Karl Förstel, früher Studiendirektor i.H. am Seminar für Klassische Philologie der RUB. Förstel hat schon mehrere griechische Schriften zum Islam herausgegeben, unter anderem die Dialoge Manuels, aus denen Papst Benedikt XVI. in seiner berühmt-berüchtigten Regensburger Rede zitierte.

    Titelaufnahme

    Schriften zum Islam von Arethas und Euthymios Zigabenos und Fragmente der griechischen Koranübersetzung. Griechisch-deutsche Textausgabe von Karl Förstel (Corpus Islamo-Christianum, ed. Reinhold F. Glei, Series Graeca 7)

    Weitere Informationen

    Prof. Dr. Reinhold F. Glei, Seminar für Klassische Philologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22761, E-Mail: reinhold.glei@rub.de

    Redaktion: Meike Drießen


    Bilder

    Titel des Bandes
    Titel des Bandes


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Religion, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).