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21.10.2009 08:45

Wie Stresshormone im Mutterleib auf den Nachwuchs wirken

MA Reto Caluori Öffentlichkeitsarbeit
Universität Basel

    Wenn eine Frühgeburt droht, erhalten Schwangere oft synthetische Stresshormone, um die Lungenreifung des Ungeborenen zu beschleunigen. Wissenschaftler der Universitäten Basel und Zürich sind nun zum Ergebnis gekommen, dass diese Glukokortikoide auch die Hormonproduktion des Kindes verändern. Die Forschungsresultate wurde diese Woche online in der Fachzeitschrift "Endocrine Reviews" veröffentlicht.

    Wenn Komplikationen in der Schwangerschaft auf eine Frühgeburt hinweisen, werden seit den 1970er-Jahren Glukokortikoide eingesetzt. Diese synthetischen Stresshormone helfen unter anderem, die Lungenreifung des Ungeborenen zu beschleunigen, damit es bei einer vorzeitigen Geburt auch ausserhalb des Mutterleibs überleben kann. Die Glukokortikoide können aber die fötale Entwicklung nachhaltig beeinflussen. Vor allem das körpereigene Stresssystem, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse (HHNA), reagiert besonders empfindlich auf vorgeburtliche Einflüsse durch synthetische Glukokortikoide.

    Eine Arbeitsgruppe um Gunther Meinlschmidt an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel untersucht seit längerem wie der Nachwuchs auf Belastungen in der Schwangerschaft reagiert. Aus dieser Arbeitsgruppe hat nun die Wissenschaftlerin Marion Tegethoff gemeinsam mit Gunther Meinlschmidt und Christopher Pryce von der Universität Zürich systematisch 49 Studien aus den letzten rund 40 Jahren ausgewertet. Diese untersuchten den Einfluss von pränatal verabreichten synthetischen Glukokortikoiden auf die HHNA-Aktivität des Kindes bereits im Mutterleib, aber auch kurz nach der Geburt und in der frühen Kindheit.

    Die Forschenden stellten fest, dass der vor der Geburt behandelte Nachwuchs eine reduzierte HHNA-Aktivität aufweist und somit zum Beispiel eine geringere Menge des Stresshormons Cortisol produziert, sowohl unter Ruhebedingungen als auch etwa in Reaktion auf Impfungen in den ersten Lebensmonaten. Während sich die Unterschiede unter Ruhebedingungen in den ersten zwei Lebenswochen aufheben, scheinen Unterschiede in Reaktion auf Schmerzen durch einen Nadelstich auch noch im Alter von vier Monaten zu bestehen. Die Forschenden berichten weiter, dass die Aktivität des Stresssystems zum Beispiel von der Medikamentendosis abhängt.

    Noch ist unklar, ob die veränderte Aktivität des körpereigenen Stresssystems kurz- und langfristig die Gesundheit der betroffenen Kinder beeinträchtigt. Doch helfen die Befunde, so die Wissenschaftler, das Verständnis der häufig lebenswichtigen Glukokortikoidgabe zu vertiefen und geben Anhaltspunkte für notwendige weitere Forschung.

    Originalpublikation
    Marion Tegethoff, Christopher Pryce, and Gunther Meinlschmidt
    Effects of Intrauterine Exposure to Synthetic Glucocorticoids on Fetal, Newborn, and Infant Hypothalamic-Pituitary-Adrenal Axis Function in Humans: A Systematic Review
    Endocr Rev published October 16, 2009 | DOI: 10.1210/er.2008-0014

    Weitere Auskünfte
    Dr. Gunther Meinlschmidt, Universität Basel, Fakultät für Psychologie, Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Tel. +41 (0)61 267 02 75, E-Mail: Gunther.Meinlschmidt@unibas.ch


    Weitere Informationen:

    http://edrv.endojournals.org/cgi/content/abstract/er.2008-0014v1 - Abstract


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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