idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Einladung zum Pressegespräch:
Datum: Freitag, den 30. Oktober 2009
Uhrzeit: 09:30-10:15 Uhr
Ort: Frankfurt Institute for Advanced Studies
Ruth-Moufang-Str. 1, 60438 Frankfurt am Main
E-Mail-Anmeldung bitte bis 27. Oktober 2009 an: ESforum@fias.uni-frankfurt.de
Nähere Informationen erhalten Sie bei Andrea Schoepski, Tel. +49 (69) 798-47602
Leitung:
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin
Prof. Dr. Muir Gray, National Knowledge Service, London
In seinem Buch "World Brain" von 1938 spricht H.G. Wells davon, dass für die Existenz einer gebildeten Bürgerschaft in einer modernen Demokratie das statistische Denken ebenso wichtig sei wie Lesen und Schreiben. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden große Fortschritte gemacht, einer breiten Gesellschaftsschicht Lesen und Schreiben beizubringen. Aber wo stehen wir, wenn es um das statistische Denken geht? Wie verstehen wir die Risiken und Unsicherheiten in unserer technisierten Welt? Oder anders ausgedrückt: Wie gebildet sind wir in Belangen, die unsere eigene Gesundheit betreffen? Verstehen wir, wie Forschungsergebnisse zu Stande kommen oder wie sie durch die Medien modifiziert werden? Wie verstehen Ärzte und Patienten Gesundheitsstatistiken und wie nutzen sie diese letztendlich? Bis heute wurde wenig Augenmerk darauf gelegt, die Gesundheitskompetenz zu verbessern. Gesundheitspolitik wird dominiert von technologischen, bürokratischen und wirtschaftlichen Themen. Die wenigen Studien, die zu diesem Thema existieren, zeigen, dass viele Patienten, Mediziner und politische Entscheidungsträger nicht über die Kenntnisse verfügen, Vor- und Nachteile von neuen Technologien zu bewerten; und niemand scheint dies zu bemerken oder sich darum zu kümmern. Diese Situation führt zu unnötigen körperlichen und seelischen Leiden der Patienten, fördert die Ineffizienz im Gesundheitswesen und verschwendet Geld durch Überversorgung und Übermedikation. Wenn der Mangel am Verständnis von Zahlen (oder die Rechenunfähigkeit) diskutiert wird, wird dies meist als ein
Problem von ungebildeten oder armen Patienten angesehen. Dass gebildete Patienten nur selten Fragen über den Nutzen oder Schaden einer Behandlung stellen, ist weniger bekannt. Dass selbst Ärzte nur mangelhafte Risikokompetenz
haben, bleibt meist unbemerkt, und die Auswirkungen davon werden bisher nicht erkannt.
Dieses Ernst Strüngmann Forum will systematisch das Problem, seine Ursachen und den möglichen Beitrag analysieren, den die Kognitionswissenschaft, die Medizin und die Wirtschaftswissenschaften leisten können, um die Gesundheitskompetenz zu verbessern. Der Fokus der Diskussionen liegt auf Gesundheitskompetenz in der
Präventivmedizin (d.h. in Situationen, in denen Patienten keine Symptome oder Schmerzen haben, die in Konflikt mit überlegtem Denken geraten könnten), und orientiert sich an den folgenden Fragen:
- Wie können nützliche Forschungsergebnisse für Kliniken und Patienten erzeugt werden?
- Wie ist das Ausmaß der fehlenden Gesundheitskompetenz in der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung und was kann getan werden, um sie zu reduzieren?
- Wie kann man Erkenntnisse vermitteln, die nicht voreingenommen sind?
- Wie sollten medizinisches Fachpersonal und Patienten im Jahr 2020 zusammenarbeiten?
- Wie muss sich der Gesundheitsjournalismus verändern, um zu einer partizipativen Entscheidungsfindung zu gelangen?
- Wird es jemals mehr als 5% der Patienten geben, die Entscheidungen treffen wollen?
Das Ernst Strüngmann Forum widmet sich der interdisziplinären Forschung und unterstützt den dafür notwendigen wissenschaftlichen Austausch. Die Ergebnisse erscheinen in Zusammenarbeit mit MIT Press. Das Ernst Strüngmann Forum wurde durch die großartige Unterstützung der Ernst Strüngmann Stiftung ermöglicht, eingeweiht von Andreas und Thomas Strüngmann.
http://fias.uni-frankfurt.de/esforum/
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin, Pädagogik / Bildung, Psychologie
überregional
Pressetermine, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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