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05.11.2009 17:48

In Europa gemeinsam aus medizinischen Fehlern lernen

Ricarda Wessinghage Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

    Patienten sind sowohl im stationären als auch ambulanten Bereich dem Risiko ausgesetzt, dass bei ihrer Behandlung Fehler geschehen können. Ein Forscherteam des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin (Direktor: Prof. Dr. med. Ferdinand Gerlach) arbeitet in einem neuen Forschungsvorhaben der EU, gemeinsam mit Partnern aus fünf weiteren europäischen Ländern, an Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit in hausärztlichen Praxen.

    Studien zeigen: Bis zu jeder zehnte Patient in einem Krankenhaus erleidet infolge eines kritischen Ereignisses einen Schaden. Über die Häufigkeit solcher unerwünschter Ereignisse im ambulanten Bereich gibt es keine zuverlässigen Angaben. Die Gesundheitsversorgung des 21. Jahrhunderts ist also nicht so sicher, wie sie sein sollte und könnte. Unter dem Überbegriff Patientensicherheit beschäfti-gen sich Forscher und Experten für das Gesundheitswesen mit der Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen und Maßnahmen zur Fehlervermeidung.

    Mangelnde Patientensicherheit ist mittlerweile als Problem aller Gesundheitssysteme erkannt worden. Als Reaktion darauf gibt es in Deutschland und anderen europäischen Ländern zahlreiche Initiativen zur Verbesserung. Allerdings beziehen sich diese fast ausnahmslos auf den Krankenhausbereich. Im Bereich der Primärversorgung, d. h. in der Behandlung und Betreuung von Patienten in Hausarztpraxen, Apotheken, durch Pflegedienste etc., gibt es bisher international und national kaum wissenschaftliche Studien und innovative Projekte.

    Dieses Defizit gemeinsam zu bearbeiten, ist Ziel des europäischen Projektes "Learning from International Networks About Errors and Understanding Safety in Primary Care, EUROpa" (LINNEAUS-EURO-PC). Das Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt nimmt zusammen mit Partnern aus Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Polen und Dänemark an diesem von der Europäischen Union (EU) geförderten Vorhaben teil.

    Kernaufgabe des Projektes ist es, vorhandenes Wissen zusammenzutragen und Maßnahmen zu Verbesserung zu identifizieren. Die Leiterin des Frankfurter Teilprojektes, Dr. med. Barbara Hoffmann, erklärt: "Europäische Experten werden jeweils Empfehlungen zur praktischen Umsetzung erarbeiten. Auf diese Weise soll das vorhandene Know-How auch Ländern der Gemeinschaft, in denen das Thema Patientensicherheit noch wenig beachtet wird, zu Gute kommen."

    Dabei werden in Frankfurt folgende Teilprojekte durchgeführt:

    o Die Entwicklung eines Kategoriensystems zur Klassifikation von unerwünschten Ereignissen und Fehlern. Eine valide Klassifikation ist die Basis zur Messung der Häufigkeit von Fehlern und für die Entwicklung von Maßnahmen zur Fehlervermeidung.

    o Die Entwicklung eines Fehlerberichtssystems, das in der Primärversorgung in europäischen Gesundheitssystemen eingesetzt werden kann. Berichtssysteme sollen dabei helfen, gemeinsam aus Fehlern zu lernen. Das Wissen über die Art, die Entstehung und die Vermeidung von unerwünschten Ereignissen wird auf Plattformen im Internet zwischen Praxen, Apotheken und Pflegediensten ausgetauscht und verbreitet.

    In anderen Ländern werden weitere Themenbereiche bearbeitet:

    o Diagnosestellung und Arzneimitteltherapie sind risikobehaftete Bereiche in der Primärversorgung; hier können Fehler weitreichende negative Folgen für Patienten haben.

    o Wie lässt sich die Sicherheitskultur in diesem Bereich der medizinischen Versorgung messen, welche Rolle können Patientensicherheitsindikatoren haben?

    o Wie können Verbesserungsmaßnahmen tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden?

    o Wie können Patienten selbst in Aktivitäten zur Verbesserung der Patientensicherheit einbezogen werden?

    LINNEAUS-EURO-PC baut auf einem schon bestehenden Netzwerk von Forscher/innen in Europa auf. Dieses Netzwerk soll im Rahmen des Projekts weiter ausgebaut und auch in Zukunft für den Austausch von Wissen und Erfahrung genutzt werden.

    Das Projekt ist im März 2009 gestartet und läuft bis Februar 2013.

    Frankfurt am Main, 5. November 2009

    Für weitere Informationen:
    Dr. med. Barbara Hoffmann
    Institut für Allgemeinmedizin
    Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
    Fon: (069) 6301 - 7152 5687
    E-Mail: hoffmann@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

    Ricarda Wessinghage
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
    Fon: (0 69) 63 01 - 77 64
    Fax: (0 69) 63 01 - 8 32 22
    E-Mail: ricarda.wessinghage@kgu.de
    Internet: http://www.kgu.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    regional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

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