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03.12.2010 14:08

Warum „verlernen“ viel schwieriger ist als Neues zu lernen: Neue DFG-Forschergruppe an der RUB

Dr. Josef König Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

    Neurowissenschaftler untersuchen das Extinktionslernen

    Viel schwieriger als Neues zu lernen ist es, alte Informationen, die nicht mehr gelten, zu „vergessen“. Das gilt für den neuen Namen der frisch verheirateten Kollegin ebenso wie für eingefleischte Rechtschreibfehler oder lang durchlittene Ängste und Schmerzen. Wie das „Verlernen“ funktioniert, untersuchen Forscher aus Bochum, Marburg und Essen in der neuen Forschergruppe 1581 „Extinktionslernen“ (Sprecher: Prof. Dr. Onur Güntürkün, Abteilung Biopsychologie, Ruhr-Universität Bochum), die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

    Alle Forscher werden das gleiche experimentelle Paradigma verwenden, um einen maximalen Transfer der Erkenntnisse von der Einzelzelle bis zum lernenden Menschen zu gewährleisten.

    Wenn Altes nicht mehr gültig ist

    Ununterbrochen erlernen wir neue Informationen, ununterbrochen baut sich unser Gehirn um. „Wenn wir an ‚Lernen‘ denken, gehen wir zumeist davon aus, dass wir eine ganz neue Information oder Fertigkeit erwerben. In Wirklichkeit besteht ein bedeutender Teil unseres täglichen Lernens aus der Erkenntnis, dass eine Information, die bis eben noch galt, jetzt nicht mehr zutrifft“, erklärt Prof. Güntürkün. Das kann etwas ganz triviales sein, wie z. B. dass jemand nach der Heirat einen anderen Namen hat. Es kann aber auch sehr wichtig sein wie z. B. bei klinischen Problemen, bei denen Patienten lernen müssen, dass Hinweisreize, die früher Schmerzen oder Angstepisoden vorhergesagt haben, jetzt plötzlich ungefährlich sind. In allen diesen Fällen sprechen Forscher von „Extinktionslernen“. „Es bedeutet nicht das Vergessen der alten Information“, verdeutlicht Prof. Güntürkün. „Vielmehr müssen wir lernen, auf die alte Information anders oder nicht mehr zu reagieren.“

    Komplizierter und aufwändiger als neulernen

    Extinktionslernen ist viel komplizierter und für unser Gehirn bedeutend aufwändiger als das Neulernen. Deshalb schafft das Extinktionslernen auch wesentlich mehr Probleme als das Neulernen: Patienten hören nicht auf Angst zu haben, obwohl sie schon längst erkannt haben müssten, dass kein Grund mehr besteht. Grundschüler, die „nach Gehör“ Schreiben gelernt haben, hören nicht auf orthographische Fehler zu machen, obwohl ihnen schon dutzendmal gesagt wurde, dass ihre alte Schreibweise falsch ist. „Somit ist die Erforschung des Extinktionslernens von größter Bedeutung für die Praxis und gleichzeitig eine weitestgehende terra incognita für die Grundlagenforschung“, unterstreicht Prof. Güntürkün.

    Verbindung zwischen Grundlagenforschung und klinischen Erkenntnissen

    Im Rahmen der Forschergruppe wollen die Spezialisten die neuralen, behavioralen und klinischen Mechanismen des Extinktionslernens bei verschiedenen Tierarten und beim Menschen untersuchen. Geplant ist ein Forschungsansatz, in dem die experimentellen Ansätze sehr unterschiedlich sind, während eine große Einheitlichkeit auf der konzeptuellen, der experimentellen, der strukturellen und der technischen Ebene sicher gestellt wird. Mit dieser Strategie wollen sie tiefe Einsichten in die gemeinsamen und in die verschiedenen Mechanismen des Extinktionslernens bei unterschiedlichen Systemen und Organismen gewinnen. Die Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass dies den lohnendsten Ansatz darstellt, um verbindende Erkenntnisse zwischen Grundlagenforschung und Klinischen Wissenschaften zu gewinnen.

    Weitere Informationen

    Onur Güntürkün, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Abteilung Biopsychologie, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26213, E-Mail: onur.guentuerkuen@rub.de, Internet: http://www.bio.psy.rub.de/

    Redaktion: Meike Drießen


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Pädagogik / Bildung, Psychologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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