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18.05.2011 14:58

„Rittertest“ und „Stabaufgabe“: Sportwissenschaftler untersuchen Greifverhalten von Kindern

Irina Urig Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

    Wie planen Kinder Greifbewegungen? Sind dafür nur motorische Lernprozesse nötig oder gibt es Zusammenhänge mit der Entwicklung kognitiver, also mentaler Fähigkeiten? Diesen Fragen gehen Professor Matthias Weigelt, Diplom-Sportlehrerin Kathrin Wunsch und Sabrina Schmitt vom Sportwissenschaftlichen Institut der Saar-Uni nach. Ihre Studie mit dem Titel „Denken und Handeln – Eine empirische Untersuchung zur Planung von Greifverhalten bei Kindern“ führen sie im Museum „Dynamikum“ in Pirmasens durch.

    Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, die mit ihren Eltern die Ausstellung besuchen, können zu den üblichen Öffnungszeiten des Dynamikums an der Studie teilnehmen. Die Wissenschaftler haben einen Stand im Museum, an dem sich Interessierte melden können. Getestet wird noch bis nächste Woche.

    Sicher sind die Bewegungen des Kellners. Mühelos nimmt er auf dem Kopf stehende Gläser aus dem Regal, um seinen Gästen die Getränke einzuschenken. Er wählt dafür immer einen Griff, bei dem sein Daumen nach unten zeigt. So kann er im Herausnehmen das Glas drehen und es anschließend bequem füllen. Dabei zeigt dann der Daumen nach oben. Diese Gelenkstellung empfinden Menschen als angenehm, weil sie der so genannten „Neutral-Null-Stellung“ entspricht und keine großen Drehungen des Handgelenks erfordert. Im Kindesalter ist dieser so genannte „End-State Comfort Effekt“ bisher noch sehr wenig erforscht. Die Saarbrücker Sportwissenschaftler vermuten, dass er sich im Alter von etwa fünf Jahren erst einstellt. Das wollen sie nun anhand der Studie überprüfen.

    „Wir wollen herausfinden, welche Entwicklung das Kind durchlaufen muss, um den Effekt anwenden zu können. Basiert der Effekt nur auf motorischen Lernprozessen oder stellt er sich erst ein, wenn Kinder bestimmte geistige Fähigkeiten entwickelt haben und beispielsweise komplexe Rätsel lösen können“, erklärt Diplomsportlehrerin und Doktorandin Kathrin Wunsch, die gemeinsam mit Professor Matthias Weigelt und Diplomandin Sabrina Schmitt die Studie im Dynamikum Science Center in Pirmasens durchführt.

    Bei verschiedenen Testaufgaben, die die Kinder im Dynamikum absolvieren, messen sie den End-State Comfort-Effekt und überprüfen die Zusammenhänge zwischen Kognition (mentalen Fähigkeiten) und Motorik. Die strategische Planung untersuchen sie anhand einer „Flussüberquerung“. Dabei muss das Kind den „Fluss“, dargestellt durch eine blaue Plane, auf Steinen überqueren, ohne nasse Füße zu bekommen. Es kann zwischen zwei verschiedenen Wegen mit unterschiedlichen Abständen wählen. Bei einem „Regaltest“ sollen die Kinder alle Schubladen eines Regals nacheinander öffnen und jeweils einen Gegenstand herausholen. Beim „Rittertest“ greifen die Kinder nach einen Holzschwert und stecken es in die Öffnung einer Kiste. Die „Stabaufgabe“ erfordert Auge-Hand-Koordination: Hier stecken die Kinder einen Stab je nach Anweisung entweder mit dem schwarzen oder weißen Ende in eine Öffnung vor Ihnen. Weiterhin spielen die Kinder das Strategiespiel „Turm von Hanoi“ und bauen beim „Mosaiktest“ mit unterschiedlich farbigen Würfeln ein Modell nach. Schließlich werden auch Aufmerksamkeit und Konzentration der Kinder getestet: Auf einem Bild mit mehreren Enten in einer Reihe müssen sie bestimmte Tiere durchstreichen.

    „Bei der Untersuchung gibt es keine richtigen oder falschen Lösungen, weil jeder Mensch unterschiedlich handelt. Gerade diese Unterschiede interessieren uns in der Studie“, betont Kathrin Wunsch. Die Forscher betrachten die Daten, die sie anhand von Videos erheben, im Gruppenzusammenhang. Alle Daten werden vertraulich behandelt und anonym ausgewertet.

    Kontakt:
    Dipl. Sportl. Kathrin Wunsch
    Tel.: 0681/302-71301
    E-Mail: k.wunsch@mx.uni-saarland.de

    Prof. Dr. Matthias Weigelt
    Tel.: 0681/302-3742
    E-Mail: m.weigelt@mx.uni-saarland.de


    Weitere Informationen:

    http://www.dynamikum.de/de/nav/besucherinfo/oeffnungszeiten-und-preise/studie-un...


    Bilder

    Bei einem „Regaltest“ sollen die Kinder alle Schubladen eines Regals nacheinander öffnen und jeweils einen Gegenstand herausholen.
    Bei einem „Regaltest“ sollen die Kinder alle Schubladen eines Regals nacheinander öffnen und jeweils ...
    Foto: Uni/Dynamikum
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    Diplomandin Sabrina Schmitt mit einem Kind, das sich mit dem Strategiespiel "Turm von Hanoi" beschäftigt.
    Diplomandin Sabrina Schmitt mit einem Kind, das sich mit dem Strategiespiel "Turm von Hanoi" beschäf ...
    Foto: Uni/Dynamikum
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Pädagogik / Bildung, Sportwissenschaft
    regional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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