idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
08.05.2012 09:42

Der BIOTA West Atlas – 10 Jahre Biodiversitätsforschung in einem Buch

Sabine Wendler LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

    Rund 150 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen haben 10 Jahre lang zusammen mit afrikanischen Partnern die biologische Vielfalt Westafrikas und deren Wandel untersucht. Die Ergebnisse dieses vom Bundesforschungsministerium geförderten Mammutprojekts „BIOTA (Biodiversity Transect Analysis) West“ liegen nun in drei Atlanten vor, die kürzlich erschienen sind. Das umfangreiche Kartenmaterial und detaillierte Analysen zur Vielfalt und zum Zustand der Flora und Fauna von Benin, Burkina Faso und der Côte d’Ivoire sollen Entscheidungsträgern vor Ort Ansätze für Schutzmaßnahmen dieser einzigartigen Ressource liefern.

    Megaloglossus woermanni ist eine von 120 Fledermausarten, die in Westafrika heimisch sind. Das nur 15 Gramm wiegende nachtaktive Tier hat im Ökosystem eine wichtige Rolle inne, beispielsweise als Samenausbreiter oder Insektenräuber. Bedroht wird die Fledermaus durch den Wandel der Landnutzung, die ihren Lebensraum immer mehr einengt. So wie ihr geht es auch vielen anderen Pflanzen- und Tierarten in Westafrika. Die Region, insbesondere der Guineische Waldgürtel, ist einer der 34 globalen Biodiversitäts-Hotspots für biologische Vielfalt, aber zugleich wirtschaftlich eine der ärmsten Regionen der Welt.

    Basiert auf interdisziplinärem Großforschungsprojekt
    Vor diesem Hintergrund initiierte das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2000 das deutsch-afrikanische Großprojekt BIOTA (Biodiversity Transect Analyis) West. Über 150 Botaniker, Zoologen, Meteorologen, Fernerkundler, Geographen, Ökonomen und Ethnologen erhoben vollständige Datensätze zur biologischen Vielfalt und wichtigen Einflussfaktoren in Westafrika. Dazu wurden unter anderem Observatorien entlang eines Klimagradienten vom Rand der Sahara bis zum Regenwald eingerichtet. Die Bestandsaufnahme brachte Überraschungen mit sich: „Beispielsweise ging man davon aus, dass in Burkina Faso nur knapp über 1200 Pflanzenarten vorkommen. Inzwischen wissen wir, dass es fast 2000 verschiedene Arten in dem Land gibt“, so Dr. Karen Hahn, Goethe-Universität Frankfurt und Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F). Außerdem wurde untersucht, wie sich die Artenvielfalt im Lauf der Zeit durch Landnutzung und Klimawandel verändert um bessere Ansätze für Schutz und nachhaltige Nutzung entwickeln zu können.

    Kompendium zur westafrikanischen Artenvielfalt
    Die Ergebnisse dieser umfangreichen Forschungsarbeit liegen nun in drei BIOTA West Atlanten vor, die vor kurzem erschienen sind. Die insgesamt über 2100 Seiten starke dreiteilige Buchreihe bildet damit erstmals den gesammelten Stand des Wissens zur biologischen Vielfalt und ihrer Bedrohung in Benin, Burkina Faso und der Côte d’Ivoire ab. Die Atlanten beinhalten jeweils einen allgemeinen Teil mit Daten zur westafrikanischen Biodiversität und deren Einflussfaktoren, über die Kartenmaterial sowie Angaben zum Vorkommen und Verbreitung von Pflanzen- und Tierarten Auskunft geben. Außerdem werden Schutzkonzepte zum besseren Erhalt bestehender oder Regeneration bereits verlorener Artenvielfalt vorgestellt. In einem regionsspezifischen Teil werden jeweils die für das Land bedeutendsten Herausforderungen, der Status Biodiversität vor Ort, Schutzgebiete und Naturschutzstrategien in Analysen dargelegt.

    Forschungsergebnisse für Praktiker vor Ort aufbereitet
    Zielgruppe der allgemein verständlich geschriebenen Atlanten sind Biodiversitätsforschende, Entscheidungsträger in Ministerien, Naturschutzbehörden, Nicht-Regierungsorganisatoren sowie die breite Öffentlichkeit und Lehrer. Neben der Bereitstellung von Information sollen die Atlanten vor allem die Grundlage für den nachhaltigen Schutz der biologischen Vielfalt geben. „Wissenstransfer ist ein essentieller Bestandteil des BIOTA West Projektes. Um das zu erleichtern, wurden die Atlanten auf die Bedürfnisse der Praktiker zugeschnitten. Deshalb haben auch unsere Partner vor Ort den Löwenanteil bei der Zusammenstellung des Inhalts geleistet”, erläutert Prof. Dr. K. Eduard Linsenmair, Universität Würzburg, der das zugrunde liegende Großforschungsprojekt BIOTA West koordiniert hat. Um größtmögliche Einsetzbarkeit zu gewährleisten, sind die Atlanten bilingual (Englisch und Französisch) ausgelegt und werden in vierstelliger Auflage vor Ort verteilt.

    Umsetzung der Ziele der Biodiversitäts-Konvention der UN
    Damit stehen die Atlanten ganz in der Tradition der Biodiversitäts-Konvention der Vereinten Nationen. Dort wird neben der Identifizierung von Treibern und Prozessen, die zum Verlust von Biodiversität führen, der Wissenstransfer als eines der Kernelemente zum Schutz biologischer Vielfalt hervorgehoben. Die Erstellung der Atlanten wurde von der Goethe-Universität Frankfurt am Main (Prof. Dr. Jürgen Runge, Dr. Dorothea Kampmann, Dr. Joachim Eisenberg) in Zusammenarbeit mit allen BIOTA-West Beteiligten durchgeführt und vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) sowie IUCN Burkina Faso unterstützt. Herausgeber sind neben der deutschen Seite die jeweiligen Partner des Großprojektes vor Ort in Benin (Prof. Dr. Brice Sinsin), Burkina Faso (Prof. Dr. Adjima Thiombiano) und der Côte d’Ivoire (Prof. Dr. Souleymane Konaté).

    Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

    Dr. Karen Hahn
    Goethe-Universität Frankfurt &
    LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
    Tel. 069 798 42135
    E-Mail: karen.hahn@bio.uni-frankfurt.de

    Prof. Dr. Jürgen Runge
    Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Physische Geographie
    Tel.: 069 798 40160
    E-Mail: j.runge@em.uni-frankfurt.de

    oder

    Sabine Wendler
    LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Pressereferentin
    Tel.: 069 7542 1838
    E-Mail: sabine.wendler@senckenberg.de

    _______________________________________
    LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main
    Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wechselwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Institutionen aus Wissenschaft, Ressourcen- und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein achhaltiges Handeln zu geben. Mehr unter http://www.bik-f.de


    Bilder

    LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
    LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)

    Die BIOTA West Atlanten beinhalten umfangreiches Kartenmaterial – hier visualiert: Dichte des Vorkommens verschiedener Fledermausarten.
    Die BIOTA West Atlanten beinhalten umfangreiches Kartenmaterial – hier visualiert: Dichte des Vorkom ...
    Quelle: Copyright: Institut für physische Geographie, Goethe‐Universität Frankfurt am Main


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).