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26.09.2002 11:36

Ein sensibles Verhältnis: Sprache - Farbe - Geruch. Internationaler Semiotik-Kongress in Bremen

Angelika Rockel Hochschulkommunikation und -marketing
Universität Bremen

    "Ein Duft für sie" - "Quelle von jugendlicher Leuchtkraft" - "Den Emotionen Ausdruck verleihen": Die Rede ist von Parfüms. Auffällig ist dabei, dass in den Werbetexten das eigentliche Produkt nur indirekt beschrieben wird. Es fehlen die Worte, um Gerüche oder Düfte zu transportieren. Stattdessen werden sprachliche Umwege ("Ein Duft für sie") eingeschlagen und Assoziationen (jugendlich) geweckt, um die Kunden auf das Parfüm aufmerksam zu machen. Doch wie riecht etwas, das "den Emotionen Ausdruck verleiht"? Der Sprache gelingt es häufig nicht, dies zu vermitteln. Sie ist hier gleichsam sprachlos; auch kann sie nicht alle feinen sinnlich erfassbaren Unterschiede benennen, da viele Duftnuancen und sichtbaren Farbabstufungen keine Namen haben.

    Das Thema "Wie Geruch und Farbe zur Sprache kommen?" steht im Mittelpunkt des Internationalen Semiotik-Kongresses "Sense and Sensibility", der vom 26. - 28. September 2002 an der Bremer Universität stattfindet. 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und eine Anzahl Studierender aus aller Welt werden sich mit der problematischen Beziehung zwischen Geruchs- und Farbwahrnehmung und der Struktur der Sprache beschäftigen. Die Experten vertreten ganz unterschiedliche Wissenschaftszweige: neben der Sprachwissenschaft, die Neurobiologie, die Psychologie, die Philosophie, die Semiotik und die Kunst.

    Dass es sich bei dem Kongress nicht um Diskussionen im universitären Elfenbeinturm handelt, beweist das Interesse der Parfümbranche. Auch sie schickt Vertreter nach Bremen. Der Kosmetikbranche ist durchaus bewusst, dass sie bei ihren Werbekampagnen häufig im Trüben fischt. Denn die Werbetexte sind zu "arm", um den Geruchsreichtum zu verdeutlichen. Aber kann Sprache es überhaupt leisten, Düfte oder Farben in ihrer jeweiligen Vielschichtigkeit und Abstufung zu beschreiben - und damit die Parfüm- und Produktwerbung auf ein festes Fundament stellen? Aus der Neurokognition ist bekannt, dass die menschliche Farb- und Geruchserkennung auf anderen Ebenen organisiert ist als die Sprache. Die Farbwahrnehmung lässt sich zumindest in den Grundzügen räumlich darstellen und diese Möglichkeit wird in der Kunsttheorie genützt, um Ordnungssysteme zu entwerfen (siehe z.B. Farbenkreise seit dem 18. Jahrhundert).

    Beim Sprechen über Gerüche ist es bisher fehlgeschlagen, sich sprachlich auf Zuordnungen für Geruchsqualitäten zu verständigen - möglicherweise ein zu schwieriges Unterfangen. Während wir seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über gute Theorien des Farbsehens verfügen (Hering, von Helmholtz), hat erst Walter Freeman (Berkeley) (der am Kongress teilnimmt) ein Modell entwickelt, das den besonderen Charakter der Geruchswahrnehmung klar erkennen lässt. Beunruhigend sind die Fragen: Ist Sprache der differenzierten Sinneswahrnehmung unterlegen? Kann Sprache effektiv in der Welt, die wir wahrnehmen, verankert werden? Wann löst sie sich ab und wird "bedeutungslos"?

    Achtung Redaktionen: Teilnehmer der Tagung stehen Medienvertretern zur Verfügung, am Freitag, den 27. Sept. 2002 von 13:00 - 14:00 Uhr (bitte unter Tel. 0421 218 2751 anmelden).

    Weitere Informationen (auch zu anderen Terminen):
    Universität Bremen, Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften
    Prof. Dr. Wolfgang Wildgen, Tel. 0421 218 3148, - 8230
    Informationen zum Kongress im Internet: http://www.semiotics.uni-bremen.de,
    zum Organisator Prof. Wildgen:http://www.fb10.uni-bremen.de/homepages/wildgen.htm


    Weitere Informationen:

    http://www.semiotics.uni-bremen.de,
    http://www.fb10.uni-bremen.de/homepages/wildgen.htm


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Psychologie, Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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