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20.09.2013 11:29

Therapie eines Einrisses der vorderen Hauptschlagader mit innovativer Technik

Oliver Kreft Stabsstelle Kommunikation und Presse
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Statt konventionellem Therapieansatz gelang Gefäß – und Herzchirurgen an der Universitätsmedizin Mainz die Abdichtung eines Einrisses der vorderen Hauptschlagader mit einer High-Tech-Prothese

    Einrisse der vorderen Hauptschlagader (sog. Typ A Dissektion) führen unbehandelt in der Regel bei 90 % der betroffenen Patienten in den ersten 24 Stunden zum Tod. Bislang galt eine akute Operation mit Herz-Lungen-Maschine als einzige lebensrettende Option. Ein Team um den Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Christian Friedrich Vahl, setzte jetzt erstmals zur Behandlung dieser Erkrankung eine innovative High-Tech-Prothese ein. Die High-Tech-Prothese dichtet die Hauptschlagaderwand von innen ab. Einer Herz-Lungen-Maschine bedarf es bei diesem neuen OP-Verfahren nicht. Die Abdichtungsprothese ließ sich bei dem hochgradig lebensgefährlich gefährdeten Patienten schonend über die Leiste platzieren.

    Weltweit haben Herzchirurgen bis heute die Therapie eines Einrisses der vorderen Hauptschlagader mit einer „Endoprothese“ nur in äußerst wenigen Ausnahmefällen mit Erfolg durchgeführt. Als zu risikobehaftet galt eine solch minimal-invasive Operation lange Zeit. Riskant deshalb, weil lebenswichtige Strukturen aus diesem Abschnitt abgehen, wie die Gefäße, die das Herz selbst mit Blut versorgen (Herzkranzgefäße), die Aortenklappe und die Gefäße, die das Gehirn mit Blut versorgen. „Nach einer intensiven Planungsphase, an der Kardiologen und Gefäß- und Herzchirurgen beteiligt waren, war das Risiko aus unserer Sicht kalkulierbar. Den Eingriff führte ein OP-Team unter Leitung des Sektionsleiters für Endovaskuläre Chirurgie, Oberarzt Marwan Youssef, erfolgreich durch“, so Prof. Vahl und ergänzt: „Noch am Abend nach der Operation war der Patient nicht nur außer Gefahr, sondern bereits vom Beatmungsgerät befreit. Es geht dem Patienten gegenwärtig den Umständen entsprechend gut.“ Im Vorfeld musste der Patient im Brustraum zweimal voroperiert werden. Vor diesem Hintergrund entschieden die Mainzer Herzchirurgen, dass ein konventioneller Eingriff für den Patienten möglicherweise ein zu hohes Gefährdungspotential bedeutet hätte. „Der Einsatz des innovativen Verfahrens war bei dem Patienten sinnvoll, da eine klassische große Operation mit Öffnen des Brustkorbs in einem voroperierten Gebiet mit höheren Begleitrisiken verbunden gewesen wäre, als der Einsatz des neuen Verfahrens“, unterstreicht Oberarzt Marwan Youssef.

    Auch wenn der gelungene operative Eingriff einen Erfolg auf ganzer Linie darstellt, stellt Prof. Vahl klar: „Hier dürfen keine falschen Erwartungen geweckt werden. Die Standardtherapie des akuten Einrisses der Hauptschlagader wird auf absehbare Zeit die notfallmäßige Sanierung mit Herz-Lungen-Maschine bleiben.“ Gleichwohl ist es laut Prof. Vahl Aufgabe der akademischen Chirurgie, innovative Strategien zu entwickeln, die in dem aktuellen Stadium der wissenschaftlichen Entwicklung derzeit nur für wenige Patienten geeignet sind.

    Akute Einrisse von Hauptschlagadern können jeden Menschen treffen. Es gibt allerdings Risikofaktoren – wie einen vergrößerten Umfang der Hauptschlagader, Bluthochdruck und bestimmte angeborene Bindegewebserkrankungen. „Besser ist es, wenn man nicht mit der Therapie wartet, bis der akute Einriss kommt, da die notfallmäßig durchgeführte Operation der Typ A Dissektion auch in spezialisierten Kliniken eine Sterblichkeit von etwa 10% erreicht“, unterstreicht der Direktor der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie.

    Kontakt
    Univ.-Prof. Dr. Christian Friedrich Vahl,
    Direktor der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Mainz,
    Telefon 06131 17-3926, E-Mail: christian.vahl@unimedizin-mainz.de

    Pressekontakt
    Oliver Kreft,
    Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
    Telefon 06131 17-7428, Fax 06131 17-3496,
    E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

    Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de


    Bilder

    glückliche Gesichter in der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Mainz: Patient Franz Betz (3. v. l.) nach geglückter OP mit den Ärzten der Sektion endovaskuläre Gefäßchirurgie Oberärztin Tanja Frieß (2. v. l.) und Oberarzt Marwan Yousseff (1. v. l) sowie dem Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie Univ.-Prof. Dr. med. Christian-Friedrich Vahl
    glückliche Gesichter in der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universi ...
    Quelle: Foto Peter Pulkowski


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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