idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
11.12.2015 10:22

Soziale Informatik und Digitale Mündigkeit - Wie soll das Leben sein? fragt Dr. Christian A. Bauer

Katja Klein M.A. Pressereferat
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt

    Plädoyer für eine neue Disziplin - die Soziale Informatik

    Dr. Christian A. Bauer referierte im Rahmen der Vortragsreihe „Ethik & Digitalisierung“ zum Thema „Soziale Informatik und Digitale Mündigkeit. Anforderungen an Lehrende und Lernende“. Seine Hypothese: „Eine zukunftsfähige Hochschule muss Kriterien des know what und des know why angeben können. Wir brauchen neben digitalem know how auch ethisches Handlungs-, Orientierungs- und daraus erwachsendes Entscheidungswissen. Eine jede Gesellschaft benötigt eine Verständigung darüber, welche Ziele und Zwecke sie verfolgt.“ Und sein Wunsch: Auf Basis einer Demokratie mit handlungs- und entscheidungsfähigen Individuen wie Gesellschaften die Soziale Informatik als eine neue Disziplin zu begründen, die sich damit zu befassen habe, „dass sukzessive alle Dinge des Lebens und Arbeitens in Daten verwandelt werden.“

    Dr. Bauer führte weiter aus: „Die Soziale Informatik könnte eine Disziplin sein, in der man zu erörtern versteht, wann technologische Fragen, die vornehmlich die `Infosphäre` berühren, durch ein Mehr an Technologie und Informatik zu bearbeiten sind und wann Fälle eintreten, die nur durch die menschliche Urteilskraft bearbeitet werden können. Denn der Mensch kommt immer dann ins Spiel, wenn es um die Übernahme von Verantwortung geht.“

    U.a. an Hochschulen werde Wissen gesammelt und produziert, und es komme immer darauf an, diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in politische Steuerungsfähigkeiten zu übersetzen. Grundlage bilde hierfür eine Gesellschaft 4.0 mit digitalkompetenten, datensouveränen, mündigen Nutzern, Konsumenten, Bürgern. Im Bildungssektor plädierte der Referent für die Formulierung neuer Bildungsideale, in der es nicht dazu kommen dürfe, dass „alles zum Mittel wird und in der nichts mehr Zweck ist.“ „Es zeichnet sich im Zuge der Digitalisierung und der Virtualisierung unserer Lebenswelt ab, dass eine Vielzahl von Dingen auf einmal für uns relevant werden, mit denen wir uns bis vor kurzem nicht befassen mussten, weil die Informations- und Kommunikationstechnologien noch nicht dermaßen stark unsere Umgebungen und Umwelten beherrschten.“

    Am Beispiel selbstfahrender Autos oder autonomer Drohnen sieht er große Veränderungen im Hinblick auf Verantwortung, Schuld und juristische Konsequenzen von Handlungen: „Die Revolution, die wir derzeit erleben, ist die: Wir fangen an, nicht-menschliche und außer-menschliche Akteure genauso zu behandeln, wie Menschen selbst. Das ist eine echte Revolution, die unsere moralischen wie ethischen Maßstäbe auf den Kopf stellt.“ Die Schuldfrage stelle sich ganz neu: „Wer übernimmt den Schaden, wenn ein selbstfahrendes Automobil einen Unfall produziert? Wer ist denn faktisch an derartigen Diskussion über die Einführung selbstfahrender Fahrzeuge beteiligt: Sind es die Technologen selbst, sind es Ethiker, die Rechtstheoretiker, Versicherungsmathematiker, die sich auf einem öffentlichen Schauplatz tummeln?“

    Dr. Bauer fasste zusammen: „Wann immer neue Technologien eingeführt werden, steht eine Diskussion über Chancen und Risiken ins Haus.“ und zitierte abschließend den Technikphilosophen Günther Anders: „„Unterbinde das Entstehen von solchen Situationen, in denen moralisch zu sein nicht mehr möglich ist, und die sich daher der Kompetenz moralischer Beurteilung entziehen.“


    Weitere Informationen:

    http://www.fhws.de


    Bilder

    Referent Dr. Christian A. Bauer
    Referent Dr. Christian A. Bauer
    (Foto FHWS / Klein)
    None


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Pädagogik / Bildung, Philosophie / Ethik
    überregional
    Studium und Lehre, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).