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06.04.2017 16:54

Masterplan Medizinstudium 2020: Struktur des PJ nach dem Vorbild des MaReCuM-Modellstudiengangs

Dr. Eva Maria Wellnitz Wissenschaftskommunikation der Medizinischen Fakultät
Universitätsmedizin Mannheim

    Medizinische Fakultät Mannheim fordert jedoch entgegen dem Masterplan die Einbindung von Hochschulambulanzen bei der Ausbildung im PJ-Quartal Ambulante Medizin

    Eine der weitreichendsten Maßnahmen des kürzlich von Bund und Ländern verabschiedeten Masterplans zur Reform des Medizinstudiums in Deutschland, „Masterplan Medizinstudium 2020“, ist die Umgestaltung des Praktischen Jahrs (PJ) in vier Quartale anstelle der jetzigen drei Tertiale. Damit verbunden ist die Einführung eines Quartals in der ambulanten Medizin, mit dem Ziel, die Allgemeinmedizin stärker in der Ausbildung zu verankern. Der Modellstudiengang MaReCuM der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg praktiziert genau dies seit 2011 mit Erfolg.

    Seit dem Wintersemester 2011/12 hat die Mannheimer Medizinfakultät mit inzwischen über 800 Studierenden positive Erfahrungen mit der Quartalisierung des Praktischen Jahrs und der Einbeziehung eines Quartals Ambulante Medizin gesammelt. Die entsprechende Umgestaltung des PJ ist bundesweit einzigartig und das Kernelement des Mannheimer Modellstudiengangs.

    In Deutschland gibt es seit mehr als zwei Jahrzenten eine Verschiebung der stationären Patientenversorgung in den ambulanten Sektor, Patienten werden zunehmend in Hochschulambulanzen und fachärztlichen Praxen versorgt. „Mit dem PJ-Quartal Ambulante Medizin bereiten wir unsere Studierenden seit Jahren optimal auf diese Veränderung der Versorgungsrealität vor. Und unsere PJ-Studierenden schätzen das Pflichtquartal in der ambulanten Medizin. Das zeigen die Evaluationen, die wir am Ende eines jeden Quartals durchführen. Die Studierenden bewerten ihren Einsatz in der ambulanten Medizin so positiv wie ein Wahlfach“, so Studiendekan Professor Dr. Thomas Wieland.

    Die Studierenden können das PJ-Quartal Ambulante Medizin in einem von vier Bereichen absolvieren: dem operativ-interventionellen, dem konservativ-chronischen (z.B. Allgemeinmedizin), dem onkologischen oder dem psychiatrisch-psychotherapeutischen Bereich. So können sie auch in der ambulanten Medizin entsprechend ihrer individuellen Neigung und Schwerpunktsetzung Erfahrungen sammeln.

    Die Lehrplätze befinden sich mehrheitlich in Hochschulambulanzen, aber auch im vertragsärztlichen Bereich. Aus Gründen der Qualitätssicherung werden hier ausschließlich Praxen einbezogen, die mit der Medizinischen Fakultät Mannheim akademisch-personell eng verbunden sind, festgelegte Kriterien erfüllen und das Konzept des Modellquartals Ambulante Medizin inklusive der didaktischen Prüferschulung mittragen.

    „Es ist eine gute Entscheidung, dass künftig alle Medizinstudierenden im Rahmen des Praktischen Jahrs ambulante Versorgungsstrukturen kennenlernen. Das kann ich auf der Basis unserer Erfahrungen sagen. Die Lehre aber ausschließlich in vertragsärztlichen Praxen durchzuführen, wie es der Masterplan vorsieht, sehe ich sehr kritisch. Auch jenseits der Finanzierungsdebatte wird hier eine Fehlentwicklung eingeleitet, da die akademische Kontrolle fehlt“, so Professor Dr. Udo Obertacke, Leiter des Kompetenzzentrums Praktisches Jahr.

    Die Ausbildung in Hochschulambulanzen und in vertragsärztlichen Praxen, die ausnahmslos akademisch eng an die Medizinischen Fakultäten angebunden sind, sichert den Fakultäten einen direkten Einfluss auf die Lehre auch im ambulanten Bereich und vermittelt den Medizinstudierenden darüber hinaus die wichtige Verzahnung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Fallen die Hochschulambulanzen heraus, müssten Praxen eingebunden werden, die keine Anbindung an eine Fakultät haben und deren Personal nicht in der akademischen Lehre eingewiesen ist.

    Die Einführung des Quartals Ambulante Medizin wurde vom Kompetenzzentrum PJ, das an der Mannheimer Medizinfakultät angesiedelt ist, engmaschig evaluiert. Die Medizinische Fakultät Mannheim verfügt daher über belastbare wissenschaftliche Daten über das neu einzuführende Pflichtquartal und ruft die Entscheider der Gesundheitspolitik ausdrücklich dazu auf, von den Erfahrungen der hiesigen Fakultät mit der Quartalisierung des PJ zu profitieren.

    Ansprechpartner:
    Prof. Dr. Thomas Wieland
    Studiendekan
    Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

    Prof. Dr. Udo Obertacke
    Leiter des Kompetenzzentrum PJ
    Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

    Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede
    Prodekan für Forschung
    Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg
    Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaften der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Studium und Lehre, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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