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03.11.1998 00:00

Weiterbildung für behinderte Menschen

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Thomas M. arbeitet seit drei Jahren in einer Werkstatt für Behinderte. Dort hat der 23jährige unter anderem Rechenkurse absolviert. Er hat mittlerweile auch mehrere Kurse an der Volkshochschule (Vhs) belegt und ist nun in der Lage, diese ohne einen freiwilligen Begleiter zu besuchen. Thomas M. genießt vor allem die Unabhängigkeit von der Werkstatt und die ganz normale Behandlung, die ihm in den Kursen zuteil wird.

    Mit diesem Beispiel beschreibt Dr. Bettina Lindmeier vom Institut für Pädagogik II der Universität Würzburg, wie die Situation im Bereich der Weiterbildung für Menschen mit geistiger Behinderung aussehen kann. Doch oft sei es für diesen Personenkreis schwierig, geeignete Weiterbildungsmöglichkeiten zu nutzen. Zwar würden viele Behindertenwerkstätten und große Wohneinrichtungen, meist in Kooperation mit den Volkshochschulen, Kurse anbieten. Doch zum einen sei die Auswahl sehr begrenzt, zum anderen fänden die Kurse meist in den gewohnten Räumlichkeiten und mit Teilnehmern statt, die sich bereits von der täglichen Arbeit her kennen.

    In Würzburg läuft seit 1994 in Kooperation mit der Vhs ein Modellprojekt, das sich an englischen Vorbildern orientiert und das in der Bundesrepublik bislang einmalig ist. Ein ähnliches Projekt wird seit 1996 auch in Zürich durchgeführt. Es arbeitet mit Freiwilligen, die den behinderten Kursteilnehmer bei Bedarf unterstützen, die ihn eventuell abholen und wieder nach Hause bringen. So dienen die Betreuer den anderen Kursteilnehmern im Umgang mit dem Behinderten als Vorbild. Die Freiwilligen werden aus Teilnehmern rekrutiert, die den entsprechenden Kurs ohnehin besuchen wollen. Die Kursangebote stammen vor allem aus den Bereichen Gesundheit und Kreativität sowie aus dem Frauenforum, zum Beispiel Selbstverteidigung.

    "In Großbritannien liegt die Erwachsenenbildung für Menschen mit geistiger Behinderung bis zum Alter von 25 Jahren in der Verantwortung der Colleges und ist inzwischen ein fester Bestandteil des Bildungssystems", sagt Dr. Lindmeier. In der Regel besuchen behinderte College-Studenten bestimmte Veranstaltungen in eigenen Klassen, den Großteil aber in Form integrativer Kurse. Für letztere werden Unterstützungsmaßnahmen angeboten. Neben Kursen aus dem Freizeitbereich belegen die Menschen mit geistiger Behinderung in großem Maße berufsbezogene Kurse.

    Vor diesem Hintergrund will Dr. Lindmeier bei einem Aufenthalt in England, der von einem Stipendium aus der Jubiläumsstiftung gefördert wird, einige Fragen klären, die im Verlauf der Projekte in Würzburg und Zürich aufgetreten sind: Existiert auch in England das Problem, daß Kursleiter und Erwachsenenbildungseinrichtungen sich gegen eine Öffnung für behinderte Menschen wehren, weil sie einen Niveauverlust befürchten? Welchen Nutzen ziehen die Behinderten aus den Kursen? Gelingt dabei eine soziale Integration? Zudem will die Würzburger Wissenschaftlerin herausfinden, welche Erfahrungen die Briten mit den freiwilligen Betreuern gemacht haben und wie diese von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit profitieren.

    Weitere Informationen: Dr. Bettina Lindmeier, T (0931) 888-4851, Fax (0931) 888-4837, E-Mail:
    bettina.lindmeier@mail.uni-wuerzburg.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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